Stadtkind Stuttgart

Filmhaus in Stuttgart Büros anstelle von Rocker 33 und Filmbüro

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Die LBBW Immobilien Gruppe plant einen Neubau an der Stelle des jetzigen Filmhauses in Stuttgart. Optik und Nutzungskonzept stoßen im Gemeinderat allerdings auf Kritik. Für den Club Rocker 33 und das Filmbüro konnte OB Fritz Kuhn jedoch einen kurzen Aufschub des drohenden Auszugs erwirken.

Das Filmhaus an der Friedrichstraße in Stuttgart soll einem Büro-Neubau weichen. Das stößt nicht nur im Gemeinderat auf Kritik, sondern auch bei Aktivisten der Gruppe „Follow The White Rabbit“, die am Dienstag im Umwelt- und Technikausschuss für eine Fristverlängerung für die Mieter des Filmhauses demonstriert haben. In der Fotostrecke zeigen wir Eindrücke von ihrem Protest. Foto: Achim Zweygarth 3 Bilder
Das Filmhaus an der Friedrichstraße in Stuttgart soll einem Büro-Neubau weichen. Das stößt nicht nur im Gemeinderat auf Kritik, sondern auch bei Aktivisten der Gruppe „Follow The White Rabbit“, die am Dienstag im Umwelt- und Technikausschuss für eine Fristverlängerung für die Mieter des Filmhauses demonstriert haben. In der Fotostrecke zeigen wir Eindrücke von ihrem Protest.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - In der Innenstadt wird sich das Bild in   den kommenden Monaten an ­prominenter Stelle deutlich verändern. Die LBBW Immobilien Gruppe will zwei Gebäude an der Lautenschlager- ­beziehungsweise der Friedrichstraße ­abreißen, darunter das Filmhaus. Gegen die Pläne regt sich Widerstand – zum Teil von Menschen in weißen Hasenkostümen, zum Teil von Seiten des Gemeinderats.

„Wir geben zu diesem Thema keinerlei Kommentar ab“, erklärt die LBBW-Immo-Sprecherin, Brigitte Reibenspies. Das Schweigen der Pressestelle weist in diesem Fall wohl darauf hin, dass die Vorgänge politisch nicht unumstritten sind – auch weil die Zwischennutzung des Gebäudes durch den Club Rocker 33 und das Filmbüro BW abrupt beendet werden sollten (die StZ berichtete). Am Dienstag verkündete Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in einer Presseerklärung: „Rocker 33 und Filmbüro dürfen bis Ende Januar 2014 im Filmhaus bleiben.“ Nach eigenen Anga­ben  hat der OB eine Verlängerung der ­Zwischennutzung für den Club und die Kreativwirtschaft im Filmhaus erreicht. Kuhn erklärte, er habe sich bei der LBBW dafür eingesetzt, dass der zum Ende des Monats auslaufende Mietvertrag bis Ende Januar verlängert wird. „Sehr wichtig ist, danach gibt es keine Verlängerungen und Ausnahmen mehr“, wird Kuhn in der ­Mitteilung weiter zitiert.

Gegenüber stuggi.tv sagte Kuhn:

Pläne im nicht-öffentlichen Teil

Die Neubaupläne der Bank wurden am Dienstag im nichtöffentlichen Teil des Ausschusses für Umwelt und Technik vorgestellt. Von dem, was den Stadträten da unter dem Namen „Bauvorhaben ,Friedrich L.‘ Lautenschlagerstraße 22 bis 24“ präsentiert wurde, waren die Räte jedoch wenig begeistert. „Man hätte erwarten können, dass man sich an einer so prominenten ­Stelle ein wenig mehr Mühe gibt“, fasst einer der Räte die Pläne zusammen.

Nach StZ-Informationen ist geplant, die beiden Gebäude, das Filmhaus und dessen Gegenstück an der Lautenschlagerstraße, abzureißen und Neubauten zu errichten. „Die Pläne zeigen Handel und Gastrono­mie   im Erdgeschoss und hauptsächlich ­Büroräume in den oberen Stockwerken“, berichten Sitzungsteilnehmer. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Ecke zur Bolzstraße solle erhalten bleiben.

Mehr Wohnraum gefordert

Man sei nicht grundsätzlich gegen das ­Vorhaben der LBBW eingestellt, so die Meinung einiger Ratsmitglieder, man ­müsse die Pläne allerdings an mancher Stelle nachverhandeln. „Was uns vorgelegt ­wurde, zeigt eine Art Gitterfassade“, ­berichtet ein Sitzungsteilnehmer, „das kam bei keiner der Fraktionen gut an.“ Hauptkritikpunkt ist jedoch die geplante Nutzung der neuen Gebäude. „Wir werden versuchen, mehr Wohnraum zu erreichen“, heißt es von Seiten der Stadträte.

Ein weiteres Anliegen der Politiker: Es soll auch künftig eine kulturelle Einrichtung an selber Adresse geben. Mit diesem Anliegen kam auch die Gruppe „Follow The White Rabbit“ (zu deutsch: Folge dem weißen Hasen) in die ­Ausschusssitzung am Dienstag. Die Aktivisten entrollten ein Banner und erkämpften sich mit Zustimmung der Stadträte für wenige ­Minuten das Wort. „Ich bin zufrieden und ein wenig überrascht, dass wir angehört wurden“, sagt Thomas Schwarz, einer der Männer im Hasenkostüm. Der Auftritt im Rathaus ist aus Sicht der Gruppe der ­Auftakt für eine dreiwöchige Kampagne. „Wir setzten uns für Zwischennutzungen wie die im Filmhaus ein“, sagt Schwarz.

Filmschau im Dezember

Dass ihr Einsatz noch am selben Tag ­belohnt wird, hat die Aktivisten im weißen   Plüsch wahrscheinlich noch mehr ­überrascht. Besonders für das Filmbüro um ­Geschäftsführer Oliver Mahn kommt die Nachricht von der Verlängerung einer Erlösung gleich. Der Verein veranstaltet vom 4. bis zum 8. Dezember die 19. Filmschau Baden-Württemberg. Die Beiträge werden im Metropol-Kino um die Ecke zu sehen sein. Ein Auszug aus den Büros im Filmhaus noch während des Festivals ist den Kulturschaffenden erspart geblieben.

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Oh, Büros, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet!: Büros, welch nette Überraschung, freut mich sehr! Schließlich haben wir davon ja kaum welche, ist wirklich eine originelle, kreative und bürgernahe Idee endlich mal ein paar Büros anzusiedeln! Die werden sicher auch alle superschnell vermietet, denn in diesem Segment gibt es ja praktisch keinen Leerstand. Und wenn nicht, auch egal. Als Stuttgarter freu ich mich sehr dass ich, wenn ich das nächste mal auf Wohnungssuche bin, an ein paar chicen leerstehenden und leblosen Stahlbetonkomplexen vorbeilaufen kann, zumindest muss ich wenn ich dann Abends obdachlos auf der Straße sitze nicht den Anblick von fröhlich feiernden Menschen ertragen...

quo vadis stadtplanung stuttgart???: man versteht die stadt stuttgart, inklusive ob/gemeinderat/stadtplanungsamt einfach nicht mehr, wenn man für neubauten den investoren einen freischein in quasi wildwest-manier ausgibt. die investoren haben in stuttgart viele renditegetriebene gebäude gebaut, die sich nicht in die umgebung und in das stadtbild sinnvoll und vor allem ästhetisch integrieren. wenn es daher die stadtverwaltung nicht schafft, gewisse bauliche leitlinien für die ensenmble-integration und der fassaden und dachgestaltung herausgibt, wird stuttgarts innenstadt immer mehr zu einem zusammenhanglosen konglomerat von rendite getriebenen brutkästen aus glas, beton und flachdach sein. schaut man sich die prominenten gebäude wie häussler city plaza am rotebühlplatz, das bülow-carree mit der billig-wirkenden leuchtfassade, die gebäude im europaviertel an, so muss man feststellen, dass der minimalste anspruch an architektur und ästhetik und vor allem an die integration des neubaus in die umgebung hie rvorliegt. mit diesem minimalanspruch seitens der stadt an den investor, wird daher weiterhin in wildwestmanier die stuttgarter innenstadt verschandelt. die stuttgarter innenstadt wirkt daher trist, emotionslos und standardisiert-austauschbar, wenn die richtlinien zur bebauung (fassadengestaltung, dachgestaltung, ensemble-integration) weiterhin den investoren überlassen wird. das kann nur schlechte folgen haben, da der investor an nachhaltigkeit und aufwertung des gesamten stadtbildes keinerlei interesse zeigt. das muss nun endlich auch mal dem gemeinderat, dem baubürgermeister hahn, herrn kuhn und weiteren dämmern....!

Mehr Büros?: Wenn die Innenstadt etwas NICHT braucht, sind es noch mehr Büroflächen! Empfehle Mittwoch Abend im Literaturhaus Hannelore Schlaffer mit ihrem Vortrag über die Stadt. Mein Gott, wie diese Stadt kaputtgebaut wird. Und die Politiker sind offenbar machtlos...

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