Filzverdacht
Diakonie kappt Kontakte
Andreas Müller,
10.09.2010 14:16 Uhr
Foto: FACTUM-WEISE
Inzwischen prüft das Diakonische Werk auch, ob es zu Unregelmäßigkeiten bei Auftragsvergaben gekommen ist. Man gehe einem "nicht belegten, anonymen und sehr vagen Hinweis" nach, dessen Richtigkeit man derzeit nicht einschätzen könne. Mit dieser Auskunft antwortete die Sprecherin auf die StZ-Frage, ob es Erkenntnisse gebe, dass Konkurrenzangebote an Dithmar übermittelt worden seien. Die Beraterin selbst bestreitet, dass der Kottnik-Referent ihr Vorteile gegenüber anderen Bietern verschafft habe. Auch Merz weist dies zurück. Welches Volumen die Aufträge an Dr. Dithmar hatten, wollte die Diakonie zunächst nicht beziffern; dies sei Gegenstand der externen Prüfung. Sollten sich daraus "Sachverhalte mit strafrechtlicher Relevanz ergeben, werden wir die Staatsanwaltschaft einschalten", hieß es weiter.
Zweifel am Professorentitel
Derweil erhärten sich die Zweifel, ob Dithmar wirklich einen Professorentitel führen durfte. Infolge von StZ-Recherchen hatte das Wissenschaftsministerium sie "über die geltende Rechtslage informiert"; daraufhin strich sie den Titel von ihrer Homepage und kündigte eine Prüfung an. Die Theologin war bis 2002 Professorin an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigsburg. Den Titel führte sie nach ihrem Ausscheiden weiter, obwohl ihr die Hochschule dies nur für die Dauer ihrer Lehrtätigkeit erlaubt hatte. Sie begründete dies damit, dass sie nicht bei der Hochschule, sondern bei der Kirche angestellt sei: Dort sei sie beurlaubt "und darf im Rahmen dieser Beurlaubung den Titel führen". Der Sprecher von Bischof July sagte jedoch, auf die Kirche könne sich Dithmar nicht berufen; diese habe "keine Professorentitel zu vergeben".
Nach StZ-Informationen ist Dithmar vor einigen Jahren schon einmal wegen der Titelführung ermahnt worden. Sie selbst hatte die Frage danach unbeantwortet gelassen. Dies wäre für die Entscheidung des Wissenschaftsministeriums relevant, ob es die Staatsanwaltschaft wegen eines Verdachts auf Titelmissbrauch einschaltet. Eine Sprecherin von Minister Peter Frankenberg (CDU) erläuterte abstrakt, dies geschehe in der Regel dann, wenn es hinreichend konkrete Anhaltspunkte für Vorsatz gebe; bei dieser Beurteilung spiele es "selbstverständlich eine Rolle, ob eine Person schon einmal wegen der Titelführung ermahnt wurde".
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