Stuttgart - Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands hat in der Affäre um eine Stuttgarter Unternehmensberaterin weitere Konsequenzen gezogen. Der Vorstand unter Leitung des Präsidenten Klaus-Dieter Kottnik beschloss, "jede Form der Zusammenarbeit" mit der Dr. Dithmar & Partner Managementberatung zu beenden. Entsprechende Informationen der StZ bestätigte eine Diakonie-Sprecherin. Man habe "aufgrund der Umstände eine vertrauensvolle Zusammenarbeit als nicht mehr möglich" angesehen. Zuvor hatte die Chefin der Beratungsfirma, Christiane Dithmar, angeboten, ihr Mandat niederzulegen.
Durch StZ-Recherchen war bekannt geworden, dass der Persönliche Referent Kottniks, Walter Merz, zeitweise gleichzeitig Partner der Unternehmensberatung war; diese wiederum erhielt diverse Aufträge vom Diakonischen Werk. Merz hatte seine Doppelrolle nach eigener Darstellung ebenso wie Dithmar verschwiegen, was beide inzwischen als Fehler bedauern. Er war "mit sofortiger Wirkung" abgelöst worden und soll in seine Landeskirche zurückkehren. Auch dies hatte die Diakonie zunächst nur intern mitgeteilt und erst auf Anfrage öffentlich gemacht.
Die Vorgänge um die Unternehmensberatung werden derzeit von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht, die bisher nichts mit dem Diakonischen Werk zu tun hatte. Verantwortlich für die Prüfung, die "zügig abgeschlossen" werden soll, ist das Aufsichtsgremium, der Diakonische Rat; an dessen Spitze steht der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. Zwischen der Württembergischen Landeskirche und Dr. Dithmar & Partner besteht laut einem Kirchensprecher "nach allen Unterlagen" keine Geschäftsbeziehung. Dagegen nennt die Beraterin die Badische Landeskirche als einen ihrer Kunden; die Themen: Kulturanalyse und Strategieentwicklung.
Kottniks Rolle wird hinterfragt
Innerhalb der Diakonie wird nach StZ-Informationen zunehmend die Rolle des Präsidenten Kottnik hinterfragt. Eine Sprecherin bekräftigte, auch Kottnik habe nichts von der Doppelfunktion seines engsten Mitarbeiters gewusst. Dies verwundert Eingeweihte insofern, als sich die beiden und Dithmar regelmäßig, auch im privaten Umfeld, begegnet seien. Es sei zudem schwer vorstellbar, dass Kottnik während der jahrelangen Zusammenarbeit nie wissen wollte oder erfahren habe, wer bis 2008 der im Firmennamen genannte "Partner" war. Die Frage nach der Art seines Kontaktes zu Dithmar - dienstlich oder auch privat - und einer möglichen Befangenheit ließ der Präsident ausweichend beantworten: Er habe schon als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten mit der Managementberaterin zusammengearbeitet; alleine daraus lasse sich aber "keine Befangenheit ableiten". Für die Stettener war Dr. Dithmar nach eigenen Angaben in der Führungskräfteentwicklung, der Potenzialanalyse und dem Coaching tätig.