""Ich habe der
Diakonie angeboten, unser Mandat niederzulegen. Bis zur Entscheidung ruhen unsere Aufträge.""
Christiane Dithmar, Unternehmensberaterin
Stuttgart - Nur wenige Regierungsmitglieder sind so begehrt wie Ursula von der Leyen. Wer die Arbeitsministerin für einen gemeinsamen Auftritt gewinnt, kann sich glücklich schätzen; die meisten Anfragen lässt sie abwimmeln. Doch im Februar vorigen Jahres kam die Vielgefragte, damals noch fürs Familienressort zuständig, sogar zu einer Umzugsparty nach Stuttgart. Eingeweiht wurden die neuen Büroräume der Managementberatung Dr. Dithmar & Partner, mit Landes- und Lokalprominenz: Staatsrätin Claudia Hübner war da, Exsozialminister und Lottochef Friedhelm Repnik oder die OB-Gattin Stefanie Schuster.
"Wie kommt Neues in die Politik?", lautete das Thema von von der Leyens Ansprache, das gut zum Beratungsschwerpunkt der Hausherrin Christiane Dithmar passte. Die promovierte Theologin und evangelische Pfarrerin hat sich auf die Begleitung komplexer Veränderungsprozesse spezialisiert, neudeutsch "Change Management". Zu ihren Kunden zählen nach ihren Angaben zahlreiche kirchliche Einrichtungen, Kliniken und Krankenhäuser - darunter in Stuttgart das Marienhospital, das städtische Klinikum und die Schillerhöhe -, Banken, die Bundesagentur für Arbeit, Daimler, Bentley, und, und, und. Die Geschäfte scheinen gut zu laufen, gerne lässt sich Dithmar in den Medien als erfolgreiche Powerfrau porträtieren. Bessere Werbung als den Besuch der Ministerin - samt schöner Gruppenfotos - konnte es für sie kaum geben.
Auch sonst weiß die charismatische 50-Jährige, wie man von sich reden macht. In ihrer Wohnung lädt sie seit einigen Monaten zu einem "Privatsalon", bei dem sie unter einem wechselnden Motto illustre Gäste um sich versammelt. Mal waren es Jungpolitiker aller vier Landtagsparteien, darunter der damalige Juli-Landeschef Leif Schubert, mal ein Bestsellerautor und ein Sternekoch, mal Querdenker aus der Kunst- und Kulturszene. Zeitungen und Zeitschriften - auch die StZ - berichteten wiederholt darüber. Seit wenigen Wochen ist Dithmar zudem Präsidentin des Rotary-Clubs Stuttgart Fernsehturm. Neben gesellschaftlicher Anerkennung bietet ihr das Amt auch viele Gelegenheiten zum Netzwerken. Die rotarischen Prinzipien, sagte sie einmal, seien ein "schöner Leitfaden des eigenen Handelns".
Seit 2004 ist der Expolitiker Arentz als Berater unterwegs
Neuerdings aber muss sich Dithmar fragen lassen, ob sie die "hohen ethischen Grundsätze im Geschäfts- und Berufsleben" - so der Rotary-Kodex - stets eingehalten hat. Gleich an mehreren Stellen braute sich deshalb Ärger zusammen. Bei einem ihrer wichtigsten Kunden, dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands, hat die Beraterin durch eine verschwiegene Personalverquickung erhebliche Turbulenzen ausgelöst; der engste Mitarbeiter des Präsidenten ist darüber bereits gestürzt. Das Stuttgarter Wissenschaftsministerium hegt offenbar Zweifel, ob sie ihren Professorentitel zu Recht führt. Und den für eine Partnerschaftsgesellschaft notwendigen Partner gibt es seit April dieses Jahres auch nicht mehr: Mit dem damals ausgeschiedenen Hermann-Josef Arentz streitet Dithmar um sechs- bis siebenstellige Beträge.