Finanzminister Wolfgang Schäuble Unsichtbar und allgegenwärtig
Roland Pichler, vom 14.03.2010 16:56 Uhr
Immer bei der Arbeit. Selbst im Krankenbett macht Wolfgang Schäuble Politik. Foto: dpa
Berlin - Dass sich ein Minister nicht zwangsläufig im Ministerium aufhalten muss, um Entscheidungen zu treffen, beweist gerade Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). In den vergangenen Wochen musste sich der 67-Jährige im Krankenhaus aufhalten. Nach einem Routineeingriff benötigt der Wundheilungsprozess längere Zeit als erwartet.
Politik aus dem Krankenbett
Dass Schäuble nicht ins Büro gehen durfte, darunter litt er selbst am meisten. In einer Zeit, in der die Griechenland-Krise Wellen schlägt, hätte sich der querschnittsgelähmte Minister gern im Berliner Regierungsviertel aufgehalten. Doch der erfahrene Politiker fand eine Lösung. "Minister Schäuble regiert vom Krankenbett aus", sagte der Staatssekretär Jörg Asmussen jüngst bei einem öffentlichen Auftritt. Zugleich kündigte Asmussen an, dass Schäuble zum Ende der nächsten Woche wieder ins Büro kommt.
Diese Nachrichten werden mit Bedacht verbreitet. Am kommenden Dienstag beginnt im Bundestag die Haushaltswoche. Nach dem Stand der Dinge wird der Etat 2010 erstmals seit langem nicht vom Finanzminister eingebracht, sondern vom Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Kampeter. Weil Schäubles krankheitsbedingte Absenz spätestens dann einem breiten Publikum auffallen dürfte, geht das Ministerium in die Informationsoffensive. Das Ressort kündigte an, der Minister werde am Mittwoch oder Donnerstag die Amtsgeschäfte wiederaufnehmen. Möglicherweise spricht er Freitag, dem letzten Tag der Etatberatungen, sogar im Parlament.
Auch Minister haben das Recht, sich krank zu melden
Das Ministerium hat viel Energie darauf verwendet, damit sich die Abwesenheit des Ministers wenig bemerkbar macht. In den Zeitungen sind Interviews mit Wolfgang Schäuble und Gastbeiträge erschienen. Der Minister wirkte tatsächlich omnipräsent. Dennoch wundern sich manche Beobachter über diese Aktivitäten. Auch Regierungsmitglieder haben das Recht, sich einmal krankzumelden.
Warum muten sich Politiker zu, vom Krankenbett aus Interviews zu geben? Oder handelt es sich bei diesen Beiträgen nur um Gedanken der Beamten, die als Interview erschienen sind? Wer den Alltag in Kliniken kennt, weiß, dass sich Amtsgeschäfte nicht einfach ins Krankenzimmer verlagern lassen. Dies zuzugeben fällt Politikern schwer.
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