Fitness-Studios Mrs Sporty Einfach nur trainieren – ohne viel Drumherum

Von Nora Stöhr 

Mit Mrs. Sporty hat die Berliner Unternehmerin Valerie Bönström eine Fitness-Kette nur für Frauen gegründet. Das Konzept: zeitsparendes Sporttreiben ohne viel Drumherum und für wenig Geld. Das Angebot kommt an.

In Stuttgart gibt es  drei Mrs.-Sporty-Studios, 36 sind es im Südwesten. Die Unternehmerin Valerie Bönström arbeitet daran, dass sich ihre Zahl verdoppelt. Foto: Heinz Heiss
In Stuttgart gibt es drei Mrs.-Sporty-Studios, 36 sind es im Südwesten. Die Unternehmerin Valerie Bönström arbeitet daran, dass sich ihre Zahl verdoppelt.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Man habe eine Marktlücke erkannt oder sei mit dem Status quo nicht zufrieden gewesen. So hört sich das etwa an, wenn Menschen erklären, wie sie zum Unternehmensgründer wurden. Nicht so bei Valerie Bönström. „Ich war erst einmal ziemlich skeptisch“, erzählt die 34-Jährige anlässlich ihres Besuchs in Stuttgart bei einem Kaffee. Ihr schwedischer Ehemann Niclas, der bereits für eine große Fitnesskette in Skandinavien tätig war, habe sie – damals Anfang 20, mitten im Studium und schwanger – von der Idee überzeugt, ein Sportstudio nur für Frauen zu gründen. So eröffnete 2004 in Berlin der erste Club unter dem Namen Mrs. Sporty.

Heute, zehn Jahre später ist Mrs. Sporty nicht mehr nur ein einzelnes Fitnessstudio in Charlottenburg-Wilmersdorf, sondern eine sehr erfolgreiche Frauenfitnesskette. „Wir wollen einen Club um die Ecke anbieten, der auf dem Weg zum Supermarkt, zur Bäckerei oder nach Hause liegt“, erklärt Valerie Bönström, die die Marke nicht nur aufgebaut hat, sondern das Unternehmen auch leitet. Zeitsparendes Sporttreiben ohne viel Drumherum, das in den Alltag integriert werden kann – so lautet die Devise bei Mrs. Sporty.

Dieser minimalistische Gedanke spiegelt sich auch in den Preisen wider: Eine Jahresmitgliedschaft bei Mrs. Sporty geht bei 470 Euro los. Bei Konkurrenten wie Injoy und Fitness First zahlen Mitglieder mindestens 600 Euro jährlich. Dafür sucht man bei Mrs. Sporty einen Wellnessbereich vergebens. Die Clubs bestehen aus nur einem Trainingsraum, in dem die vorwiegend hydraulischen Sportgeräte kreisförmig angeordnet sind. An jeder Station wird unter Anleitung eines Trainers wenige Minuten geübt. „Dreimal in der Woche eine halbe Stunde“, sagt Bönström, dann sei das Zirkeltraining effektiv. Auch sie selbst halte sich daran, versichert die Mutter dreier Kinder. Dazu gibt es einen Ernährungsplan für Frauen, die abnehmen wollen.

An der Entwicklung des Konzepts mitgearbeitet hat die ehemalige Tennisspielerin Steffi Graf. Deren Ehemann Andre Agassi hatte sich in den USA bereits am Aufbau einer Fitnesskette beteiligt. „Stefanie wollte das Gleiche in Deutschland tun“, erzählt Bönström. So wurde die Ausnahmesportlerin zur Mitgesellschafterin und dem Werbegesicht von Mrs. Sporty.

Ein Testimonial, das beim Verkauf des Konzepts durchaus hilfreich sein kann – schließlich ist Mrs. Sporty nur ein Jahr nach der Gründung zu einem Franchisesystem herangereift. Etwa 75 000 Euro gilt es zu investieren, will man ein Studio unter dem Label eröffnen. Bis zu 30 000 Euro könne mit einem Club monatlich umgesetzt werden, sagt Bönström. Acht Prozent davon gehen als Franchisegebühren an Mrs. Sporty. „Wir unterstützen unsere Partner bei der Erstellung des Businessplans, bei der Kreditaufnahme und beim Marketing“, erklärt die Berlinerin, die in der Hauptstadt selbst fünf Studios führt.

Es sind vor allem Frauen, die sich mit dem Franchisesystem selbstständig machen: 80 Prozent der Clubmanager sind weiblich. Eine von ihnen heißt Bernadeta Salini und wohnt in Stuttgart-Heumaden. Dort, im Ortskern, hat die Sport- und Gymnastiklehrerin vor zwei Jahren einen Mrs. Sporty eröffnet. Die Geschäfte laufen gut, mittlerweile beschäftigt Salini vier Angestellte. Was sie genau verdient, möchte die junge Mutter nicht verraten. Es sei aber deutlich mehr als das branchenübliche Gehalt von 1300 Euro netto im Monat. „Ich überlege mir, noch einen weiteren Mrs. Sporty aufzumachen“, sagt Salini. Kein Einzelfall: „Bei 30 Prozent unserer Franchisepartner bleibt es nicht bei einem Studio“, sagt Bönström.

Der enge Kontakt mit ihren Partnern sei ihr wichtig, sagt Bönström. „Sie sind unsere härtesten Kritiker und deshalb auch die besten Motoren für unsere Marke.“ Ihr Besuch in Stuttgart hat aber noch einen anderen Grund: Mrs. Sporty möchte im Südwesten expandieren. Die Chefin trifft sich dafür mit Interessenten. Aus den 36 Clubs, die es im Land gibt – drei davon in Stuttgart – sollen zwei Mal so viele werden. Das passt zum Ziel des Unternehmens, die Zahl der Clubs auch deutschlandweit in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln.

Vor wenigen Wochen wurde Mrs. Sporty zum dritten Mal in Folge vom Wirtschaftsmagazin „Impulse“ als „bestes Franchisesystem“ ausgezeichnet. Valerie Bönströms Augen leuchten, spricht man sie darauf an, sie schiebt dann jedoch hinterher: „Preise sind toll, aber darauf darf man sich nicht ausruhen.“ Die studierte Informatikerin hat deshalb ein neues Trainingsgerät entwickelt: „Pixformance“ sieht aus wie ein überdimensioniertes Smartphone – ist aber ein Trainingscomputer, der die Bewegungen des Nutzers erkennt und anzeigt, ob die Übungen korrekt durchgeführt werden, denn eines hat Bönström in den zehn Jahren als Unternehmerin gelernt: „Man muss eben immer innovativ bleiben.“