Flüchtlinge bei der Rettungshundestaffel Mittlerer Neckar Von Hand zu Pfote – ein standesgemäßer Abschied

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Die Rettungshundestaffel Mittlerer Neckar hat auf ihrem Schlierbacher Vereinsgelände mehr als 70 Flüchtlinge aus Ebersbach zu Gast – vor allem junge. Interessante Erfahrungen machen alle Beteiligten.

Anfassen erwünscht: der Rhodesian Ridgeback Jamila der Rettungshundeführerin Susanne Roll genießt die Streicheleinheiten der Flüchtlingskinder. Foto: Roll/RHS Mittlerer Neckar
Anfassen erwünscht: der Rhodesian Ridgeback Jamila der Rettungshundeführerin Susanne Roll genießt die Streicheleinheiten der Flüchtlingskinder.Foto: Roll/RHS Mittlerer Neckar

Ebersbach/Schlierbach - Eigentlich ist alles schon vorbei. Die Kinder befinden sich auf dem Weg zum Bus, und die Schafpudeldame Lotte sitzt bereits im Kofferraum ihrer Hundeführerin. So ganz ohne richtigen Abschied wollen sich die jungen Besucher allerdings nicht von dannen machen. Also nochmals kurz zurück und – von Hand zu Pfote – „Aufwiedersehen“ gesagt, ehe die Fahrt schließlich doch zurück in die Unterkünfte nach Ebersbach geht.

Mehr als 70 Flüchtlinge, die meisten davon Kinder, haben einen spannenden Nachmittag auf dem Gelände der Rettungshundestaffel Mittlerer Neckar in Schlierbach verbracht. So viele Gäste auf einmal sind noch nie da gewesen. Gleich zwei Ziele hat die Veranstaltung, die auf eine Initiative von Sabine Hofmann hin zustande kam. Die Pressewartin der Rettungshundestaffel, die auch in der Ebersbacher Flüchtlingshilfe mitarbeitet, wollte den jungen Asylbewerbern, wie sie sagt, „zum einen Spaß mit unseren Hunden vermitteln und zugleich den richtigen Umgang mit den Vierbeinern näher bringen“.

Die Verständigung ist kein Problem

Zunächst allerdings mussten erst einmal gut 70 Leute von Ebersbach nach Schlierbach gebracht werden. Matthias Bliederhäuser-Nille, der Chef der Göppinger Omnibusverkehrsgesellschaft, machte dies unbürokratisch möglich, und so war dieses Problem gelöst. Die Verständigung verlief ebenfalls ohne größere Komplikationen. Viele der Kinder sprechen schon recht gut deutsch. Für alle anderen dolmetschte der syrische Flüchtling Bishar Mashaan, was die Hundeführer zu sagen hatten oder was in Wort, Foto und Comic auf einer Leinwand zu sehen war.

Was tust du, wenn ein Hund direkt auf dich zuläuft? – Welches Verhalten ärgert das Tier? – Schaue ich einem Hund direkt in die Augen? – Die meisten Besucher wussten diese Fragen richtig zu beantworten, so dass es bald nach draußen ging, wo die Rettungshunde ihr Können zeigen durften. Teilweise mit offenen Mündern verfolgten die Kinder deren Tun und lauschten den Erklärungen der Fachleute.

Manche haben noch nie einen Hund berührt

Für die gestellte Suche nach Vermissten werden im Anschluss Freiwillige gesucht. Unzählige Kinder wollen sich unbedingt verstecken. Die Rettungshundeführerin Heidi Widmann sorgt für den passenden Unterschlupf, ehe es für das Team um die Vereinsvorsitzende Daniela Fetzer und ihre Malinois-Hündin Onja zur Sache geht. Rasch ist die Suche erfolgreich beendet. Aufgeregt und strahlend kommen 15 Kinder aus einem kleinen Häuschen und vom Dachboden wieder nach draußen.

Dort wird nun noch mit den Hunden gespielt – Streicheleinheiten inklusive. Die Kinder aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, aus Somalia, Nigeria und dem Kosovo verteilen sich und sind äußerst vorsichtig. Für manche ist es das erste Mal, dass sie überhaupt einen Hund berühren. „Der ist schön weich“, flüstert der zehnjähriger Shakir. Doch auch für Rettungshundeführer war der Nachmittag eine interessante Erfahrung. „So etwas wird es bestimmt wieder einmal geben“, sagt Daniela Fetzer.