KommentarFlüchtlinge in Deutschland Kampf um die Wahrheit

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Die Empörungswellen in unserer hektischen Mediengesellschaft schlagen immer höher, wie zuletzt der Fall des angeblich verstorbenen Flüchtlings in Berlin gezeigt hat. Es fehlt überall am kritischen Blick, kritisiert der StZ-Redakteur Michael Maurer.

Vor der Lageso in Berlin stehen weiter die Menschen in Schlangen. Foto: dpa
Vor der Lageso in Berlin stehen weiter die Menschen in Schlangen.Foto: dpa

Stuttgart - Was ist die Wahrheit? Selbst nach jahrtausendelangen philosophischen Debatten gibt es darauf keine letztgültige Antwort. Auch aus diesem Grund ist die Wahrheit in allen Auseinandersetzungen – kriegerischen und verbalen – ein hart umkämpftes Gut. Wer sich im Besitz der Wahrheit wähnt, dessen Handeln legitimiert sich subjektiv gesehen nahezu von selbst. Deshalb wurde der Begriff der Wahrheit schon immer instrumentalisiert. Wer sich auf sie beruft, sie für sich in Anspruch nimmt, der sieht fast selbstverständlich sämtliche seiner Mittel als gerechtfertigt an.

Was wir in der durch die Flüchtlingskrise aufgeheizten Atmosphäre unserer Gesellschaft derzeit erleben, ist exakt dieser Kampf um die Wahrheit, um die Legitimation der Mittel und natürlich um die richtigen politischen Konzepte. Die Wogen der Medienöffentlichkeit gehen hoch, und wer sich von ihnen mitreißen lässt, der hat Mühe, den Überblick zu behalten, denn oft fehlen in diesem Tosen die Leuchttürme.

Urteilskraft wird in Frage gestellt

Diese Leuchttürme waren über lange Jahre die klassischen Medien. Sie wurden nie unkritisch gesehen, aber sie waren ob ihrer Kompetenz und ihrer Einschätzungen als Orientierungspunkt akzeptiert und respektiert. Diese Funktion haben Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender in den Augen eines nicht geringen Teils der Bevölkerung verloren. Ihre Unabhängigkeit wird angezweifelt, ihre Urteilskraft wird in Frage gestellt, sie werden als Teil eines ominösen Systems gesehen. Auf dieser Basis fällt es leicht, die etablierten Medien nach den Vorfällen in Köln – bei denen sie in der Berichterstattung zweifellos Fehler gemacht haben – pauschal als diejenigen zu diffamieren, die, womöglich im Auftrag des „Systems“, die Wahrheit unterdrücken. Der militante Teil der Kritiker fühlt sich zudem legitimiert, Journalistinnen und Journalisten tätlich anzugreifen – wie jetzt in Magdeburg geschehen. Spätestens hier wird die Eskalation unerträglich.

Auf den Wogen der Empörung wird aber auch deshalb nicht mehr nach Leuchttürmen gesucht, weil sie schlicht verzichtbar erscheinen. Trägt nicht die eigene Filterblase aus Facebook, Twitter und Co. viel besser und viel weiter? Sie scheint doch genau das zu bieten, wonach viele suchen: Zuspruch; das Gefühl, aufgehoben zu sein; Bestätigung der eigenen Meinung durch viele gleichgesinnte Freunde und damit auch das Empfinden, der Wahrheit näher zu kommen – oder gar sie zu kennen. Das muss nicht falsch sein, kann es aber, wie die beiden jüngsten Empörungsstürme zeigen: die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen und der angebliche Tod eines Flüchtlings, beides in Berlin.

Anfällige Mediengesellschaft

Der Sog der Netzwerke hat die Wahrheit in diesen Fällen in den Abgrund gezogen. Genauso wie die sozialen Medien durch ihre Authentizität, ihre Schnelligkeit und ihre Vielfalt mehr Transparenz schaffen können (und notabene die etablierten Medien auf Trab halten), genauso kann ihre Atemlosigkeit, ihr Mangel an Reflexion und Gründlichkeit fatale Auswirkungen haben. Ganz zu schweigen davon, dass die Anfälligkeit unserer modernen Mediengesellschaft für schnelle, die eigene Meinung bestärkende Wahrheiten der Manipulation Tür und Tor öffnet.

Die Suche nach der Wahrheit erfordert stets Gründlichkeit und Genauigkeit. Beides wird denen, die sich – egal ob in den etablierten Medien oder in den sozialen Netzwerken – auf die Suche machen, häufig nicht mehr zugestanden. Zu hoch sind Tempo und Meinungsdruck der Nachrichtenmaschine. Dieses Dilemma ist kaum aufzulösen. Es sei denn, jeder Einzelne bewahrt sich seinen kritischen Blick und ist bereit, Informationen und Schlussfolgerungen, egal woher sie kommen, zu hinterfragen. Dies sind zwar Ansichten aus einer alten, vordigitalen Welt, aber sie sind heute wichtiger denn je.

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Ausreden: Oh nein, Herr Maurer - wenn Sie sagen,"der Sog der Netzwerke hat die Wahrheit in diesen Fällen in den Abgrund gezogen", machen Sie es sich verdammt einfach. Das Problem ist, dass die Medien nicht mehr sorgfältig und neutral recherchieren. Es wird von einander abgeschrieben, gegoogelt, aber eben nicht nüchtern recherchiert. Nur ein Beispiel: Bei Maybritt Illgner verkündet Claudia Roth, im Internet habe ein junger AfD-Funktionär dazu aufgerufen, sie zu vergewaltigen. Fast sämtliche Zeitungen übernehmen diese Darstellung komplett ohne Überprüfung. Von einem Forenkommentator verlinkt findet man schließlich nur in der Bild: "Vielmehr habe er nach den Kölner Silvester-Ereignissen eine Bildmontage von Frau Roth mit dem Text „Ach wäre ich Neujahr nur nach Köln gefahren...“ auf Facebook veröffentlicht. Sein Motiv sei es gewesen, Frau Roth aufzufordern, „sich endlich mit den gepeinigten Frauen von Köln zu solidarisieren und nicht nur immerzu mit den sogenannten Flüchtlingen“. Auch das ist selten dumm, aber ein deutlich anderer Sachverhalt. ________ Breite Bevölkerungsschichten empfinden die Berichterstattung als tendenziös. Bis Köln wurde nun einmal gefühlt kaum ein kritisches Wort über das Fehlverhalten von Flüchtlingen gesagt. Es gibt natürlich kein "ominösen System". Jedoch ein über die Jahrzehnte uns Deutschen aufgrund unser Geschichte eingepaukter Imperativ, banal gesagt, die Guten sein zu müssen. Motto "Wer, wenn nicht wir" muss die Welt retten. Und in diese schöngeschriebene, verklärte Welt passten nun einmal nicht kritische Berichterstattung über Fehlverhalten von Ausländern.

welchen technischen Bericht in der StZ wollen wir prüfen?: Feinstaub? 2014 vier bis fünf Berichte, Nehme ich diese zusammen habe ich einen Widerspruch in sich. Weniger Autos verursachen mehr Feinstaub. Dazu kommt noch, dass die weniger Autos noch schadstoffärmer sind, wie die Fahrzeuge bei der letzten Zählung. Trotzdem keine Recherche der Journalisten, dieihre eigenen Rechercheergebnisse hinterfragen. Oder es wird nicht auf Alternativen hingewiesen, dass z.B. LPG und CNG wesentlich weniger Schadstoffe emittieren (LPG: -25% CO2 und -75% weniger NOx wie vglbare Benziner). Warum sollte ich euren technischen Themen trauen. Zeitung (Medien) = Märchenstunde für Erwachsene

Anmerkung von amerikanichen Journalist: Charles Lewis, Dan Rather, David Rose, Frage, was wäre geschehen, wenn die freiesten Medien der Welt ernsthaft Georg Bush und Donald Rumsfeld herausgefordert und ihre Behauptungen überprüft hätten, anstatt das weiter zu reichen, was sich als grobe Propaganda erweisen sollte? Die Antwort: hätten wir Journalisten unseren Job richtig gemacht, hätte es eine gute Chance gegeben, dass wir nicht in den Irak-Krieg gezogen wären. Meine Anmerkung, wenn man bedenkt, dass die Problem die wir im nahen Osten mit Krieg und Flüchtlingen in der jetzigen Form haben nur durch diese Lüge ausgelöst wurden, kann man nur dazu aufrufen objektiver zu berichten auch wenn es weh tut und das Bild von den "Guten" oder "Bösen" heftige Kratzer bekommt.

Frau Keppelen : die Flüchtlinge kommen nicht ausm Irak sondern größtenteils aus Syrien u. wer nochmal unterstützt dieses Land seit Jahrzehnten bis zum Hals???

Hallo, Herr: Maurer - was für ein Timing. Da erklären Sie uns in einem beinahe nostalgisch anmutenden Artikel die Welt, und am selben Tag bekommt Deutschland für seine einseitig-linkslastige Medien- und Politiklandschaft eine schallende Ohrfeige in Form einer Rüge durch die EU: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wieso-europarats-abgeordnete-den-deutschen-die-leviten-lesen-14039702.html Bitte, lesen Sie das. Und teilen Sie es mit Ihren Redaktionskollegen, denn dieser Warnschuss betrifft jeden einzelnen Journalisten in diesem Land. Sobald Sie alle dann den Weg zurück zu dieser Wahrheit - und NICHTS ALS der Wahrheit - finden, es wird ein steiniger und recht langer sein, können wir auch wieder darüber reden, ob wir den Printmedien mehr glauben schenken als der direkten Information aus dem Netz. Bislang vereinen Sie nämlich das Schlechte aus beiden Welten: das Aufspringen auf jeden Sensationszug, und die Filtration der Nachrichten auf Regierungskompatibilität, P.C. und "Schutz" von vermeintlich schützenswerten Tätergruppen. Und das Ergebnis könnte, bei aller Freundschaft, von der Wahrheit nicht weiter entfernt sein.

Sie machen es sich sehr einfach : Nicht die Social Media fällen die Leuchttürme, sie tun es selbst. Wenn ich als Leser heute alle Hintergründe selbst recherchieren muss, brauche ich die sog. etablierten doch nicht mehr. Und wenn diese zudem jede Pressemeldung ungefiltert und unkommentiert als Wahrheit verkaufen, haben sie damit auch ihren Anspruch auf Glaubwürdigkeit selbst und freiwillig aufgegeben. Wo sind denn die Gegenpole, die mit fundierter Recherche punkten anstatt mit der Schnelligkeit des social media bla bla konkurrieren zu wollen?

Die gibt es.: Z.B. Kontext Wochenzeitung.de.Allerdings liest oder vielmehr sieht (lesen ist so anstrengend) die Masse lieber unrecherchierte Polemink. Mit echter Recherche kann heute kaum ein Jornalist seine Rechnugen bezahlen. Das ist so weil wir denken unabhängige Information wäre kostenlos. Das gegenprüfen einer Nachricht unterscheidet den Jornalisten u.a. vom socialmdia bla bla.

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