Flüchtlinge in Sillenbuch Bericht aus der neuen Unterkunft

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Die Stimmung unter den an der Gorch-Fock-Straße untergebrachten Flüchtlingen ist gut, berichten Vertreter des Freundeskreises im Sillenbucher Bezirksbeirat. Der Anfang in der Unterkunft sei holprig gewesen, und es gibt durchaus noch Verbesserungsbedarf.

Bauzäune, die etwas Privatsphäre schaffen, wie hier in der Alfred-Wais-Halle in Birkach, ist an der Gorch-Fock-Straße in Sillenbuch nicht möglich. Die Bauzäune sind zu groß für die kleinen Räume der ehemaligen Schule. Foto: Sägesser
Bauzäune, die etwas Privatsphäre schaffen, wie hier in der Alfred-Wais-Halle in Birkach, ist an der Gorch-Fock-Straße in Sillenbuch nicht möglich. Die Bauzäune sind zu groß für die kleinen Räume der ehemaligen Schule.Foto: Sägesser

Sillenbuch - Der Start sei holprig gewesen, gab Eva Dessecker, die Sprecherin des Freundeskreises Gorch-Fock-Straße, zu. Sie informierte den Bezirksbeirat in seiner jüngsten Sitzung über die Flüchtlingsunterkunft an der Gorch-Fock-Straße. „Als wir im Dezember die Unterkunft besichtigen konnten, haben wir die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, so Dessecker. Die alten, kleinen Klassenräume der ehemaligen Schule seien mit Stockbetten, Spinden und Tischen regelrecht vollgestopft gewesen. „Die Stühle waren gestapelt, denn anders wäre kein Durchkommen gewesen“, sagte die Ehrenamtliche. 80 Menschen wollte die Stadt ursprünglich an der Gorch-Fock-Straße unterbringen. Dagegen protestierte der Freundeskreis – mit Erfolg. Nachdem sich Günter Gerstenberger vom Sozialamt selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht hatte, wurde die Belegungszahl auf maximal 64 Menschen reduziert. „Das war eine große Erleichterung für uns“, sagte Dessecker.

Die Räume seien dennoch sehr beengt, Trennwände für ein bisschen Privatsphäre fehlen noch. „Die Bewohner haben sich dann selbst Abhilfe geschaffen und mit Decken provisorisch Bereiche abgetrennt“, sagte die Sprecherin des Freundeskreises. Bauzäune, wie sie in den Notunterkünften in Turnhallen verwendet werden, sind zu sperrig für die kleinen Räume der ehemaligen Schule. Ideal wären Messebausysteme, denn die sind flexibel anpassbar. „Wir sind an den Trennwänden dran“, so Dessecker.

Es fehlt ein Gemeinschaftsraum und eine Kinderspielecke

Außerdem sorgte sich Dessecker um den Brandschutz in der Unterkunft. „Für die Heizungen wurden Löcher in Brandschutzwände gebohrt, die noch immer offen sind. Außerdem gibt es keine Ausschilderung der Fluchtwege.“ Hierzu konnte Günter Gerstenberger vom Sozialamt Stellung nehmen: „Die Räume sind alle ebenerdig, und die Ausgänge sind eindeutig zu erkennen.“ Zudem sei ein Fluchtweg über die Fenster möglich, sollte der Weg über die Türen versperrt sein.

Sowohl für Kleiderspenden als auch für die Unterbringung von Spielzeug für die Kinder fehlt es an Räumen. „Wir bekommen viele Angebote von Spendern, müssen sie aber ablehnen, weil wir keinen Platz dafür haben“, sagte Dessecker. Sie regte an, zu prüfen, ob man nicht einen Container auf dem Grundstück aufstellen könne. Dieser könnte auch als Gemeinschaftsraum oder Kinderspielbereich ausgebaut werden. „Wir werden das mit dem Hochbauamt besprechen“, sicherte Gerstenberger zu.

Die Kooperation mit dem Clara-Zetkin-Haus läuft gut

Die Stimmung im Freundeskreis und in der Unterkunft sei positiv, berichtete Dessecker. Der Freundeskreis biete Deutschkurse und Spielgruppen für die Kinder an sowie Begleitungen zu Ämtern und Ärzten. „Wir sehen uns als Unterstützer der Hauptamtlichen“, betonte Dessecker. Die Kooperation mit dem Clara-Zetkin-Haus, in dem auch die Deutschkurse stattfinden, sei wichtig für die Arbeit des Freundeskreises.

Das sah auch Manfred Riesle (SÖS-Linke-Plus) so. „Es ist nicht selbstverständlich, dass das Clara-Zetkin-Haus seine Räume zur Verfügung stellt.“ Philipp Kordowich (CDU) sagte: „Wir haben dort ein gut funktionierendes Ensemble mit dem Clara-Zetkin-Haus und dem Jugendhaus.“ Für die Flüchtlinge sei es wichtig, auch aus ihrer Unterkunft zu kommen. „Ich war selbst Schüler auf dieser Schule, als sie noch die Sillenbucher Dependance des Heidehofgymnasiums war, und sie war damals schon nicht im besten Zustand“, so Kordowich. Der Freundeskreis leiste einen großen Beitrag dafür, dass das Zusammenleben an der Gorch-Fock-Straße gut funktioniere. „Das ist echtes Engagement“, ergänzte Knut Krüger von der FDP. Olatunde Sadiq, der sachkundige Einwohner für Migration und Integration, bat dem Freundeskreis seine Hilfe an. „Ich bin gerne bereit, Sie zu unterstützen, wenn sie Hilfe brauchen“, sagte Sadiq.

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1 KommentarKommentar schreiben

Im Grunde...: hört sich das ja alles wirklich gut an. Einzig dieser Absatz wundert mich dann doch: "Hierzu konnte Günter Gerstenberger vom Sozialamt Stellung nehmen: „Die Räume sind alle ebenerdig, und die Ausgänge sind eindeutig zu erkennen.“ Zudem sei ein Fluchtweg über die Fenster möglich, sollte der Weg über die Türen versperrt sein." Wie kann es möglich sein, dass ausgerechnet im Land der Überreglementation, wo nichts, aber auch wirklich gar nichts dem Zufall überlassen bleibt, so etwas essentielles wie Fluchtwegbezeichnungen großzügig übergangen wird? Ja, natürlich: alles ist ebenerdig und die Türen sind erkennbar. Aber gilt das auch dann noch, wenn Rauch durch die Räume zieht oder Menschen panisch werden? Angesichts nahezu täglicher Horrormeldungen über Brandanschläge auf Geflüchteteneinrichtungen hört es sich schon fast fahrlässig an, was der verantwortliche Herr des Sozialamts hier sagt.

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