Flugangst bei Fußballer Guerreros größter Gegner
Marko Schumacher, 03.02.2010 17:12 Uhr
Himmel hilf: Paolo Guerrero kann nicht mehr fliegen. Foto: AP
Himmel hilf: Paolo Guerrero kann nicht mehr fliegen. Foto: AP
Lima - Sie haben alles probiert. Tag für Tag haben die Verantwortlichen des Hamburger SV einen Platz im Flieger von Lima nach Amsterdam reserviert. Sie haben einen Teambetreuer nach Peru geschickt, der gut zureden sollte, und auf die Hilfe der Familie haben sie auch gesetzt. Genutzt hat alles nichts - und so hat der HSV vorerst den Versuch aufgegeben, Paolo Guerrero zurück nach Hamburg zu bringen. Er werde vorerst in seiner Heimat bleiben und dort von einem Experten therapiert, so teilte der Club nun mit.

Guerrero leidet unter extremer Flugangst und sitzt daher seit Wochen fest. Bereits Anfang Januar sollte der Fußballprofi nach Deutschland zurückkehren, doch scheiterten alle Versuche. Viermal stieg Guerrero, abwechselnd begleitet von seinem Bruder, seiner Mutter und dem HSV-Betreuer, in den Flieger - viermal stieg er kurz vor dem Start wieder aus. Ein Flugzeug in die USA, wo er sich wegen seines Kreuzbandrisses im Knie behandeln lassen wollte, musste gar wieder umdrehen, weil Guerrero eine Panikattacke erlitt.

Von Flugangst wird Guerrero begleitet, seit sein Onkel vor Jahren bei einem Absturz ums Leben kam. Auslöser der extremen Form war ein Zwischenfall auf der Rückreise von einem Europapokalspiel in Guincamp im vergangenen August. Damals musste die Maschine wegen Hydraulikproblemen in Paris notlanden. Es war, so ließ Guerrero anschließend wissen, "der schlimmste Moment in meinem Leben" .

Der frühere VfB-Profi Streller wird seit Jahren von Flugangst gepeinigt


"Solche Vorkommnisse, die subjektiv als gefährlich wahrgenommen werden, können der Auslöser von derart starken Ängsten sein", sagt der Psychologe Rudolf Krefting, der im Auftrag der Lufthansa Seminare gegen Flugangst entwickelt und leitet. Von Angstzuständen in Flugzeugen sei etwa ein Drittel der Bevölkerung betroffen. Der Grund ist einerseits die Furcht vor einem Absturz, andererseits das Unbehagen, die Situation in der Luft nicht kontrollieren und nicht jederzeit aussteigen zu können. "Davon sind vor allem jene Menschen betroffen, die sonst im Leben die Zügel fest in der Hand halten", sagt Krefting.

Profisportler trifft Flugangst besonders hart, da sie zu jenen Berufsgruppen zählen, die auf das Flugzeug angewiesen sind. Der frühere VfB-Profi Marco Streller wird seit Jahren von massiven Ängsten in der Luft gepeinigt. Und beim früheren niederländische Weltklassestürmer Dennis Bergkamp ging es so weit, dass er sich irgendwann weigerte, ein Flugzeug zu betreten. Zu Auswärtsspielen brach er daher manchmal Tage vorher auf, um die Reisen auf dem Landweg hinter sich zu bringen.

Im Falle Paolo Guerreros, sagt der Psychologe Krefting, gehe es nun darum, genau herauszufinden, warum er partout nicht fliegen will. Denn Flugangst müsse nicht der einzige Grund sein. Jedenfalls berichtet Krefting von einem Patienten aus Deutschland, der eine Firma in den USA führte und es eines Tages nicht mehr schaffte, dorthin zu fliegen. Am Ende der Therapie stellte sich heraus, dass das nichts mit dem Fliegen zu tun hatte. Der Mann wollte einfach nicht mehr zurück.
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