Flughafen-Neujahrsempfang Minister Herrmann will nicht in die zweite Liga

Von Wenke Böhm 

Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat beim Neujahrsempfang des Stuttgarter Flughafens den Bund für das Vorhaben kritisiert, die Direktverbindung von den Fildern nach Abu Dhabi nicht länger zu genehmigen.  

Sie stoßen auf ein erfolgreiches Jahr 2015 an: Georg Fundel, Minister Winfried Hermann und Walter Schoefer (von links) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Sie stoßen auf ein erfolgreiches Jahr 2015 an: Georg Fundel, Minister Winfried Hermann und Walter Schoefer (von links)Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - In den Augen von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) betreibt die Bundesregierung eine Marktabschottung zu Lasten des Stuttgarter Flughafens. „Es kann nicht sein, dass einige Flughäfen anders behandelt werden“, sagte der Minister, der Aufsichtsratsvorsitzender der Stuttgarter Flughafengesellschaft (FSG) ist, mit Blick auf die vom Bund an die arabischen Länder für deren Airlines vergebenen Luftverkehrsrechte.

Das gelte auch, so Hermann beim FSG-Neujahrsempfang, wenn es sich bei den Bevorzugten um Lufthansa-Drehkreuze handele. Wichtige Angebote könnten bald scheitern, etwa der tägliche Direktflug von Stuttgart nach Abu Dhabi, den Air Berlin und Etihad Airlines noch anbieten. Baden-Württemberg dürfe nicht behandelt werden, als spiele es in der zweiten oder dritten Liga. „Diese Region braucht auch einen Zugang zu Regionen wie der am Golf - und zwar direkt und nicht über Frankfurt oder München“, machte er vor rund 300 geladenen Gästen deutlich und erntete Applaus. Flughafen-Chef Georg Fundel schimpfte: „Was für Hessen gut ist, wäre auch für uns gut. Aber umso weniger gönnt man es uns.“

Rekord bei den Passagierzahlen

Wirtschaftlich befindet sich der sechstgrößte deutsche Flughafen im Höhenflug. Mit mehr als 10,5 Millionen Fluggästen verbuchte er 2015 einen Passagierrekord für sich. Im Vergleich zum Vorjahr gab es ein ordentliches Plus von 8,2 Prozent. Fundel blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Für 2016 rechnen wir mit drei Prozent Wachstum. Das ist optimistisch, vielleicht aber auch pessimistisch.“ Die 11-Millionen-Marke sei jedenfalls in Reichweite.

Damit kommt der Flughafen seiner Leistungsgrenze näher. „Die Terminals sind der Flaschenhals“, erklärte eine Flughafen-Sprecherin. Aufgabe der Leitung sei es nun, angesichts der neuen Zahlen und gestiegenen Sicherheitsanforderungen auch über eine Erweiterung nachzudenken, betonte Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer. „Wir sind mit den Überlegungen aber erst am Anfang.“ Im Gespräch sind ein neues Abfertigungsgebäude oder auch nur ein Anbau bei Terminal 4.

S 21 reißt ein tiefes Loch in die Kasse

Mit 245 Millionen Euro Umsatz stellte der Flughafen, von dem rund 55 Airlines zu 100 Zielen starten, einen weiteren Rekord auf. Die Mitfinanzierung von S 21 führt allerdings dazu, dass am Ende nach ersten Kalkulationen wohl ein Minus stehen wird.

Die Airport-City am Flughafen nehme Gestalt an, sagte Schoefer. Das Bürogebäude SkyLoop sei fertig, im Januar werde die Unternehmensberatung Ernst & Young mit 1500 Mitarbeitern als Hauptmieter dort einziehen. Der Start des Stuttgart Airport Busterminals habe sich auf Frühjahr 2016 verzögert, da eine zweite Ausschreibung nötig geworden sei.

Wachstum bedeute auch Verantwortung, so Hermann. „Wir werden im Luftverkehr entschiedener auf nachhaltigere Antriebsformen setzen müssen, um die Klimaziele zu erreichen.“ Mitte 2016 werde am Flughafen voraussichtlich der Erstflug eines viersitzigen brennstoffzellen- und batteriebetriebenen Flugzeugs stattfinden, das Forscher der Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Hilfe einer Spende des Flughafens entwickeln.

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2 KommentareKommentar schreiben

Schuldenmuli: "Mit 245 Millionen Euro Umsatz stellte der Flughafen ... einen weiteren Rekord auf." Ein Rekord beim Umsatz, aber nicht (und das ist die wichtigere Zahl) beim Gewinn, dennoch ein sehr gutes Ergebnis. Doch der wird nicht reichen um die anstehenden finanziellen Bürden in den nächsten 4 Jahren zu tragen. 2017-2020 ist der Flughafen eingeplant 206,6 Mio. € zum Projekt Stuttgart 21 beizusteuern. Da reichen die in guten Jahren 30 Mio. € Jahresgewinn nicht aus. Das führt dazu, dass der Flughafen auf seine eigenen Gewinne nur begrenzt Zugriff hat und für die Jahre davor Gewinnrückstellungen vornehmen musste. Wenn Land und Stadt Ihre finanziellen Beteiligungen an einem Projekt geringer erscheinen lassen wollen, muss der Flughafen im Gemeinschaftsbesitz mit beteiligt werden. Auf diese Idee ist man bei der Finanzierung der Neuen Messe gekommen. Ein Redakteur der StZ hatte deshalb für den Flughafen einmal den Begriff "Schuldenmuli" geprägt.

Ach was?___: Der Herr Hermann entdeckt plötzlich die Wichtigkeit des Linienflugverkehrs? Ts, ts, tsss .... Könnte er denn nicht ganz ökologisch korrekt und feinstaubfrei ersatzweise einen Radweg nach Abu Dhabi fördern?

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