Fotografie Silvesterfeuerwerk richtig fotografieren

Von Oliver Rauls 

Es ist wieder soweit! Der Jahreswechsel steht vor der Tür! Und mal ehrlich, wie oft schon haben wir versucht, brauchbare Fotos des Silvester-Feuerwerks zu machen? Und wie oft waren wir bitterlich enttäuscht von den wackeligen und verrau(s)chten Bildern. Wie also stelle ich meine Kamera ein, um brauchbare Feuerwerks-Fotos zu erhalten?

 Foto: art srikul
Foto: art srikul

Es ist wieder soweit! Der Jahreswechsel steht vor der Tür! Und mal ehrlich, wie oft schon haben wir versucht, brauchbare Fotos des Silvester-Feuerwerks zu machen?

Und wie oft waren wir bitterlich enttäuscht von den wackeligen und verrau(s)chten Bildern. Wie also stelle ich meine Kamera ein, um brauchbare Feuerwerks-Fotos zu erhalten?

Kommen wir erst Mal zur Ausstattung, die wir benötigen. Im Grunde spielt es keine große Rolle, ob wir mit einer kleinen digitalen Kamera, einer Systemkamera oder mit einer großen digitalen Spiegelreflexkamera arbeiten. Das Einzige, was wir jedoch an unserer Kamera benötigen, ist der manuelle Modus (M). Und etwas Ortskenntnis wäre ein großer Vorteil. Warum? Nun, der Ausdruck, oder auch die Bildsprache, sollte nicht nur das Feuerwerk an sich beinhalten, sondern nach Möglichkeit zum Beispiel die Silhouette Ihrer Stadt oder ein imposantes Gebäude wie eine Kirche oder eine Brücke. Dadurch gewinnt das Feuerwerk an sich an imposanter Größe. Die Wahl des Plätzchens für unsere Silvester-Fotos sollte auch etwas erhöht liegen und wenig Publikumsverkehr haben. Denn nichts ist störender als verschwommene Personen, die sich auf unseren Langzeitbelichtungen tümmeln oder gar die Gefahr da ist, vom Publikum angerempelt zu werden. Da wir Verwackler natürlich vermeiden wollen, benötigen wir ein Stativ, welches stabil genug ist. Wer kein Stativ hat, kann sich aber auch eine stabile Oberfläche auf einer Mauer oder einem breiten Fenstersims suchen. Auch Treppen eignen sich hervorragend als stabile Oberfläche für unsere Kamera. Einen Tip habe ich, falls kein Stativ vorhanden ist. Füllen Sie sich ungekochten Reis oder ein Kilo Kaffeebohnen in einen verschließbaren Gefrierbeutel. Unter der Kamera postiert, gleicht das ganz wunderbar jegliche Unebenheit im Untergrund aus. Das funktioniert aber genauso gut auch mit Kirschkernkissen.

Bildtext: “Neben Kamera, Objektiv, Zubehör undStativ darf eine Thermoskanne Heißgetränk und das Sektfläschchen nicht fehlen!“

 

Als Objektiv eignet sich hervorragend ein weitwinkliges Objektiv, wie es mit einer Brennweite von 18-55 Millimetern die meisten Kits enthalten. Denn je mehr Himmel wir fotografieren, umso mehr Feuerwerk passt auf unsere Fotos. Denn mit Feuerwerken ist es nicht einfach. Wir wissen nie, wo und wann die nächste Rakete explodiert. Es gehört sicher auch ein Quentchen Glück dazu. Um ein möglichst gutes Ergebnis zu erhalten, deaktivieren wir den Autofokus und stellen das Objektiv auf unendlich. Meist sehen wir im Display am Objektiv eine liegende Acht, das ist das mathematische Zeichen für unendlich. Haben wir keine liegende Acht, sondern nur eine Meter-Skala oder Foot-Skala,  drehen wir den Objektivring fast bis Anschlag der höchsten Entfernungsangabe.

Wie aber stellen wir nun unsere Kamera ein? Wir schalten in den manuellen Modus (M), wählen eine Blendenzahl zwischen f/9 und f/16. Warum dieses breite Spektrum? Feuerwerke sind bunt. Die meist benutzten Farben sind Silber, Gold, Rot, Grün und Blau. Und jede Farbe wirkt vor dem nächtlichen Himmel anders. Meine besten Resultate habe ich mit Blende f/11 erreicht. Den ISO Wert stellen wir auf 100 oder 200. Weiter rauf würde ich nicht gehen, um möglichst viele Details bei möglichst wenig Bilderrauschen zu erhalten. Nachdem wir das eingestellt haben, drehen wir die Belichtungszeit auf einen Zeitrahmen von eins bis vier Sekunden. Hier gilt eine ganz einfache Regel. Vom Abschuss einer Rakete bis zur Explosion benötigt eine Rakete etwa drei bis fünf Sekunden. Je länger wir also demnach belichten, umso mehr Raketenschweif beinhaltet unsere Aufnahme. Belichten wir zu kurz, ist eventuell nur die Explosion zu sehen aber nicht das Entfalten der Leuchtspuren. Und auf die kommt es ja schliesslich an.

Daher mein Tipp: Wir belichten 4 Sekunden.

Doch das ist noch nicht alles. Haben wir alle diese Einstellungen gemacht und betätigen den Auslöser, passiert nämlich folgendes: Wir erschüttern die Kamera und die Aufnahme ist kaputt. Um das zu vermeiden, haben sich viele Kamerabesitzer einen Funkauslöser zugelegt. Elektronisch gekoppelt mit der Kamera, können wir bequem und mit Abstand zur Kamera auslösen und Erschütterungen vermeiden. Doch es geht auch anders, falls kein Fernauslöser zur Hand ist. Wir benutzen die Selbstauslöse-Funktion mit einer Vorlaufzeit von zwei Sekunden. Die Erschütterungen sind minimal und die Ergebnisse sind meist sehr gut.

Auch hierzu noch ein Tipp:

Zusätzlich zu den oben genannten Enstellungen wählen wir noch die Serienbildfunktion. Wir ersparen uns dadurch das erneute Auslösen von Hand und können uns auch am grandiosen Feuerwerks-Spektakel erfreuen.

Ob die genannten Einstellungen zu unsere Kamera passen, können wir schon am frühen Silvester-Abend mit einer Wunderkerze ausprobieren. Es sollte natürlich schon dunkel sein. Wir stellen Modus M ein, ISO 100-200 bei Blende 11 und positionieren die Kamera und die Wunderkerze. Jetzt spielen wir, während die Wunderkerze abbrennt, mit der Belichtungszeit und verlängern diese nach jeder Auslösung um einen Wert. Am Ende, wenn wir die Bilder sichten, hat eines den angenehmsten Charakter im Bezug auf Schärfe, Klarheit, Lichsintensität und Leuchtspuren. Und diese Auslösezeit verwenden wir dann abends, wenn das Feuerwerk losgeht.

Doch wie bereits erwähnt, es gehört auch Glück dazu, um das perfekte Bild zu bekommen. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei einem 30minütigen Feuerwerk mit den genannten Einstellungen etwa 30 tolle Feuerwerks-Fotos am Ende übrig sind. Die können sich dann aber definitiv sehen lassen. Durch Nachbearbeitung am PC lässt sich natürlich noch viel mehr herauskitzeln.

Die wichtigsten Einstellungen, Tipps und Tricks hier noch ein Mal:

  • Idealer Standort: Erhöht und ohne Publikumsverkehr
  • Stativ oder anderes stabilisierendes Material
  • Modus M, ISO 100-200, 4 Sekunden Belichtung, Blende 11
  • Fernauslösung oder Selbstauslöse-Funktion wählen
  • Benutzen der Serienbild-Funktion
  • Ein Feuerwerk ist immer mit Rauch verbunden, daher gleich zu Anfang fotografieren

Natürlich gibt es auch Kameras mit dem Feuerwerks-Motivprogramm. Die Problematik besteht aber beim fokussieren. Denn während das Feuerwerk schon im vollen Gange ist, suchen diese noch einen Schärfepunkt. Meist ist das Feuerwerk dann nahezu schon vorbei. Man kann sich aber die Einstellungen des Motivprogramms merken und diese im manuellen Modus vewenden. Nicht vergessen, manuell zu fokussieren.

Jetzt wünsche ich „Gut Licht“ bei der Silvester-Fotografie!

Und einen guten Start ins neue Jahr!