Fotografie-Tipps Blumen richtig fotografieren

Von Oliver Rauls 

Es ist Sommer. Alles blüht. Bunt und farbenfroh empfängt uns die Natur. Wie aber lichten wir das am Besten ab, damit wir uns diese Blütenträume nicht nur sichern, sondern gegebenenfalls auch als Druck zuhause aufhängen können? Lesen Sie hier praktische Tipps rund um die Blumenfotografie.

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Foto: Oliver Rauls

Ob Spiegelreflexkamera wie zum Beispiel Canon EOS, Nikon, Pentax oder spiegellose Systemkameras wie beispielsweise Sony Alpha 7, Olympus OM-D, Panasonic oder Fujifilm spielt hier keine Rolle. Ebenso brauchen Sie nicht unbedingt ein Makroobjektiv um gute Bildergebnisse zu erzielen.

Der erste Tipp betrifft das passende Licht. Davon brauchen wir viel. Aber wir müssen verhindern, dass wir in der prallen Sonne fotografieren, das wirkt sich meist nicht gut auf das Bild aus. Versuchen Sie, in den Morgenstunden und den frühen Abendstunden Ihre Blumen zu fotografieren. Morgens, bevor zu viel Sonne die Blüten trifft, ist es zumeist am Schönsten. Aber auch in den Abendstunden und ganz besonders zu blauer oder goldener Stunde, gelingen Ihnen die schönsten Aufnahmen.

Die richtigen Einstellungen erwähne ich als zweiten Tipp. Wir wollen die Blume möglichst präsent darstellen, also müssen wir sie freistellen. Das bedeutet, dass wir unabhängig vom Objektiv eine Blende einstellen, die unser Motiv vom Hintergrund abhebt. Und diese Einstellung hängt nicht nur vom Objektiv ab, sondern auch von der Entfernung des Motivs zum Hintergrund. Hierfür gibt es keine Faustregel, da es ja Objektive mit verschiedenen Lichtstärken gibt, die völlig unterschiedlich einzustellen sind.

An der Kamera wählen wir den Blendenvorwahl-Modus A oder AV, dies ermöglicht uns, eine Blende frei zu wählen, während die Kamera uns dazu die optimale Belichtungszeit liefert. Je kleiner wir die Blendenzahl f wählen, umso mehr öffnet sie sich. Von einer Offenblende reden wir, wenn wir die kleinstmögliche Blendenzahl wählen. Jetzt haben wir die Blume freigestellt vom Hintergrund. Aber Vorsicht, je nach Objektiv kann es sein, dass nun nur noch einige wenige Millimeter des Motivs scharf abgebildet werden und der Rest in Unschärfe dargestellt wird. In diesem Fall schließen wir die Blende etwas, um das, was tatsächlich scharf abgebildet werden soll, auch scharf abgebildet wird.

Haben wir die passende Blende gefunden, betrachten wir noch die Verschlusszeit, sie sollte 1/125s nicht unterschreiten. Blumen bewegen sich auch im leichtesten Luftzug, daher ist es wichtig, eine kurze Verschlusszeit von mindestens 1/125 zu wählen. Erreichen wir diese Zeit nicht, bleibt noch die Möglichkeit, die Empfindlichkeit unseres Sensors mittels Anhebung des ISO-Wertes zu verändern, um auf eine kurze Verschlusszeit zu kommen.

Hier gibt es eine feine Faustregel:

Verdoppeln wir den ISO-Wert, halbieren wir gleichzeitig die Verschlusszeit. Habe ich beispielsweise bei Blende f/3.5 eine Verschlusszeit von 1/50s bei ISO100, erreiche ich bei ISO200 schon 1/100s und bei ISO400 habe ich perfekte 1/200s anliegen. Scharfe Ergebnisse sind garantiert.

Im vorherigen Absatz ist ein weiterer Tipp versteckt. Es braucht kein Stativ, wenn wir uns die Möglichkeit der Anhebung des ISO-Wertes zum Vorteil machen. So gelingen freihand wirklich schöne Aufnahmen. Es ist nicht mal notwendig, Blumenfotografie mit einem Makro-Objektiv zu machen. Auch ein Stativ ist nicht zwingend nötig.

Als letzten Tipp empfehle ich Ihnen noch, andere, nicht dem menschlichen Sehen ähnliche Perspektive zu wählen. Experimentieren Sie ruhig und wechseln Sie die Perspektiven. Gerne mal direkt von oben oder auch mal wie ein Frosch von unten. Versuche Sie im sanften Abendlicht Gegenlichtaufnahmen zu erstellen. Das ist nicht nur schön, sondern auch sehr beruhigend im Alltags-Stress. Und schöne Aufnahmen bewahren uns auch vor der Winter-Depression, weil wir jederzeit schauen können, wie wunderschön die Natur im Frühling, Sommer und Herbst ist.