Frank Allgöwer Der in Rechensätzen spricht

Von Michael Ohnewald 

Forscher, Doktorvater, Lehrender, Familienvater. Ein Leben mit vielen Stopps, aber ohne Halt. Ein Porträt über Frank Allgöwer, Systemtheoretiker an der Uni Stuttgart.

Allgöwers Gleichungen erklären, was unter Umständen passiert. Foto: Reiner Pfisterer
Allgöwers Gleichungen erklären, was unter Umständen passiert.Foto: Reiner Pfisterer

Stuttgart - Es gibt Menschen, die ein Leben lang den richtigen Platz suchen. Und es gibt solche, die ihn finden, ohne danach gesucht zu haben. Frank Allgöwer ist so einer. Ein Angekommener. Direktor des Instituts für Systemtheorie und Regelungstechnik. Professor in der Fakultät Maschinenbau an der Universität Stuttgart. Einer, der für seinen Job brennt.

Das Glück ist keine lineare Sache – und mithin auch nicht das Berufliche. Es hat seine eigene Dynamik. Allgöwer weiß das wie vielleicht kein anderer. Er gilt als Fachmann auf diesem Gebiet. Wissenschaftlich gesprochen ist er Spezialist für nichtlineare Systeme und der ihnen eigenen Dynamik. Mit mathematischen Formeln beschreibt er das Unwägbare in Natur und Technik.

Was das persönliche Glück betrifft, gibt es keine Formeln, nur Erinnerungen an einen eiskalten Bach in Kalifornien. Als junger Kerl ist er dort gewesen und hat nach Gold gesucht. Versteht man seine Karriere als fortgesetzten Versuch, die Welt zu ergründen, ist dieser Moment ein wichtiger. Wochenlang schürfte er nach dem Glück, das sich nicht in seinen Pfannen und Sieben verfing. Am Ende hat er es tatsächlich gefunden, wenn auch auf Umwegen.

Sein Berufsleben beginnt er als Goldschürfer

Frank Allgöwer ist 1962 in Heilbronn geboren und in Freudenstadt aufgewachsen. Nach dem Abitur 1981 zog es ihn mit einem Freund hinaus in die Welt. „Ich werde ein Jahr lang als Goldschürfer arbeiten“, verkündete er seinen Eltern und bat den Vater, Beamter im Baurechtsamt, ihn vorsorglich in drei Studienfächern einzuschreiben: Mathematik, Jura und Architektur.

In Kalifornien suchte sich Frank Allgöwer mit dem Kumpel ein hübsch-feuchtes Plätzchen. Bereits nach einer Woche hatten die wackeren Glücksucher ihrem Bach eine ganze Menge Edelmetall abgetrotzt, mit dem sie zur nächsten Zahlstelle marschierten. Sehr zu ihrem Leidwesen brachte das Zeug keinen Cent ein. Auf dem Tisch lag wertloses Schwefelkies, abschätzig auch Katzen- und Narrengold genannt.

Sie probierten es weiter, aber reich sind die Freunde nicht geworden im Abenteuerland, höchstens reich an Selbsterkenntnis. Nach sechs Monaten beschloss Frank Allgöwer jedenfalls, sein weiteres Leben nicht mit den Füßen im eiskalten Wasser zu verbringen, sondern in gewärmten Hörsälen. Der Vater im Schwarzwald hatte nicht mit der frühen Rückkehr gerechnet und den Sohn noch nicht eingeschrieben. Allerdings war der gewissenhafte Staatsdiener zur Vorbereitung auf das Prozedere nicht untätig gewesen. Vorsorglich hatte er einen Testlauf gemacht und den aushäusigen Sohn in einem seltsamen Fach namens „Technische Kybernetik“ an der Universität Stuttgart probehalber angemeldet. Das war ja schließlich kostenlos.

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