Frankfurter Rundschau Ein schleichender Tod
Ulla Hanselmann, 07.04.2011 15:08 Uhr
Redaktionsgebäude in Frankfurt: Die Musik spielt in Zukunft in Berlin. Foto: dpa
Redaktionsgebäude in Frankfurt: Die Musik spielt in Zukunft in Berlin. Foto: dpa
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Frankfurt/Main - Abgesänge auf die "Frankfurter Rundschau" hat es schon viele gegeben. Seit mehr als einem Jahrzehnt siecht das linksliberale Traditionsblatt mit der grünen Dachlinie über den schwarzen Titellettern dahin. Alle bislang ergriffenen Notfallrettungsmaßnahmen scheinen den Patienten nicht dauerhaft stabilisieren zu können: rigider Sparkurs, kontinuierlicher Stellenabbau, Eigentümerwechsel - Haupteigner ist seit 2006 das Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS), die SPD-Medienholding DDVG hält vierzig Prozent -, Umstellung auf das kleinere Tabloidformat oder zuletzt im vergangenen Jahr die Kooperation mit der ebenfalls MDS-eigenen "Berliner Zeitung". Den Auflagen- und Anzeigenschwund, unter dem die FR leidet, haben all diese Rezepturen nicht aufhalten können. Zuletzt ist die Zahl der verkauften Exemplare auf 130.000 gesunken, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 190.000.

Und auch jetzt wieder wird das nahe Ende der FR heraufbeschworen, angesichts des neuerlichen Schlags, den das überrregionale Qualitätsblatt trifft. Es fällt schwer, dieses Mal nicht in den Trauerchor einzustimmen: Knapp die Hälfte der 190 Redakteure müssen mit Kündigungen rechnen. Es kommen zwar andererseits neue Stellen hinzu, ließ die Geschäftsführung verlauten, doch unterm Strich fallen 44 Stellen ganz weg. Die bisherige Kooperation mit der "Berliner Zeitung" wächst sich zu einem Zusammenschluss aus - faktisch geht die FR in der "Berliner Zeitung" auf.

Nur der Lokalteil bleibt in Frankfurt

Denn von Sommer an soll der Mantelteil der FR gänzlich in Berlin gemacht werden. Die 120 Redakteure der "Berliner Zeitung" werden dann, unterstützt von zwanzig Kollegen, die aus Frankfurt in die Hauptstadt übersiedeln, in den Ressorts Politik, Wirtschaft, Feuilleton und Sport die überregionalen Seiten für beide Zeitungen produzieren. Bisher bestückte eine im April 2010 gegründete Redaktionsgemeinschaft mit 25 Autoren lediglich die Wirtschafts- und Politikseiten beider Blätter sowie weiterer MDS-Titel wie des "Kölner Stadtanzeigers" und der "Mitteldeutschen Zeitung"; etwa sechzig Prozent des Inhalts beider Politikteile waren identisch. Nun wird die Vereinheitlichung auf den ganzen Mantel ausgedehnt, und die Blattmacher werden die Seiten beider Zeitungen bearbeiten.

In Frankfurt verbleibt nur der Lokalteil, außerdem sollen der Internetauftritt und weitere digitale Inhalte, etwa die I-Pad-App von FR und "Berliner Zeitung" vom Main aus betreut werden. Die FR wird keine eigenen Chefredakteure mehr haben: Ein Dreierteam soll beide Blätter führen; ihm gehören Brigitte Fehrle, die Leiterin der Redaktionsgemeinschaft, und einer der beiden bisherigen FR-Chefredakteure, Rouven Schellenberger, an sowie Uwe Vorkötter. Der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", der von 2006 bis 2009 die FR führte und 1995 bis 2001 Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung war, wird als Primus inter Pares an der Spitze stehen. Anders sei die Existenz der Zeitung nicht zu sichern, begründete der Verleger Alfred Neven DuMont die Radikalkur und versuchte, der Belegschaft ihre vielleicht größte Angst zu nehmen: "Das, was die ,Frankfurter Rundschau' in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten."

Kommentare (1)
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APR
08
Ferenc Liszt , 18:56 Uhr

Neven DuMont will keine kritischen Journalisten, DuMont will nur verdienen!

Nichts als cash machen, ganz gleich ob die ganze Journalistik seiner einst kritischen Frankfurter in die Binsen geht. Deutschland - Deine Verleger - quo vadis - wie soll das weitergehen? Meine Hoffnung liegt in den Neuen Medien. Sie sorgen bald für eine bessere Recherche als die Redaktionsstuben der Zeitungsverlage, die sich mit PR finanziell zuschießen lassen. Hochgerechnet hat man pro Jahr zwischen 2.000 und 3.000 Schleichwerbeverdachtsfälle – allein auf Ratgeberseiten von deutschen Tageszeitungen. Da sind Auto-, Reise und Immobilienzeitschriften noch gar nicht dabei. Das sind die größten Problemfelder. Fakt ist, der Presserat berichtet (leider) immer nur über die Spitze des Eisberges.