Frankreich Madame zahlt mehr als Monsieur

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Teurere Produkte und Dienstleistungen: eine Fraueninitative in Frankreich wehrt sich gegen den geschlechtsspezifischen Preisaufschlag bei Deos, Parfums und Co.

Für Parfums zahlen Frauen in Frankreich deutlich mehr als Männer. Foto: dpa
Für Parfums zahlen Frauen in Frankreich deutlich mehr als Männer.Foto: dpa

Paris - Preisfrage: Zehn Rasierklingen für den einmaligen Gebrauch kosten 1,72 Euro, was kosten fünf? Wer von der französischen Frauenrechtsgruppe Georgette Sand und ihrer Kampagne gehört hat, die schon mehr als 40 000 Unterstützer hat, kennt die Antwort. Der Fünferpack kostet 1,80 Euro. Der Grund? Die in Blautönen gehaltene Zehnerpackung ist Männern zugedacht, das halb so viele Klingen enthaltende, in Pink erstrahlende Pendant Frauen. Und Frauen, hat Georgette Sand herausgefunden, zahlen in Frankreich (und wohl nicht nur dort) für nahezu identische Produkte und Dienstleistungen oft viel mehr als Männer.

Der tiefe Griff ins Portemonnaie

Ob beim Kauf einer Zahnbürste, eines Deos, eines Parfüms oder eines ultraleichten Rucksacks: die Französin greift häufig tiefer ins Portemonnaie als der Franzose. Lässt sie sich die Haare schneiden, bringt sie eine Bluse zur Reinigung, lässt sie eine Kostümjacke kürzen, gilt: Madame legt drauf, bisher jedenfalls, denn die Frauenrechtsgruppe, deren Name sich von der im 19. Jahrhundert lebenden Autorin George Sand herleitet, die sich einen Männernamen zulegte, um im Literaturbetrieb ernst genommen zu werden, hat im Wirtschaftsministerium wichtige Verbündete gefunden.

Die geschlechtsspezifische Preisliste

Frankreichs Staatssekretärin für Frauenrechte, Pascale Boistard, ist entschlossen, den Missstand abzuschaffen. Die Politikerin hat die „Generaldirektion für Wettbewerb, Konsum und Ahndung von Betrug“ beauftragt, ein Verzeichnis der Waren und Dienstleistungen zu erstellen, die zu geschlechtsspezifischen Preisen angeboten werden. Auch sollen die Wettbewerbshüter herausfinden, wer den als Frauensteuer angeprangerten Aufschlag zu verantworten hat: der Produzent, der Großhandel, der Einzelhandel? Dann will Boistard die Schuldigen zusammentrommeln und Besserung verlangen. Anders als der US-Bundesstaat Kalifornien, der geschlechtsspezifische Preise verboten hat, glaubt die Französin, auf heilsamen Zwang verzichten zu können. So bedauerlich es sei, dass in Frankreich noch immer in erster Linie Frauen den Einkauf machten – in diesem Fall sei es von Vorteil, meint Boistard. Einmal für sexistische Preise sensibilisiert, würden sie ihre Marktmacht ausspielen und im Regal liegen lassen, was mit Gender-Aufschlag angeboten werde.