Frau wirft Katze in Mültonne
Am virtuellen Pranger
Peter Nonnenmacher,
29.08.2010 15:05 Uhr
Eine Katze wurde grundlos von einer Frau in die Mülltonne geworfen. Foto: dpa
""Das war der Augenblick, als ich den Verstand verlor."
"
Mary Bale, die Frau, die eine Katze in den Müll warf
Was früher einmal in aller Stille geschah (das Wasserfass, das Grab für die überzähligen Kleinen), kommt heute vors große Gericht der Öffentlichkeit. Diese Erfahrung musste auch Mary Bale aus der englischen Stadt Coventry machen - und dabei war es nicht einmal die eigene Katze, die die 45-jährige Bankangestellte am Kragen zu fassen bekam. Die Geschichte, die um die Welt ging, hätte kurioser nicht sein können.
Mary liebt Tiere eigentlich
Frau Bale spazierte die Straße entlang, traf Lola, die Katze, und streichelte sie. Sie erspähte die Mülltonne vor Lolas Haus. Sie schaute sich um, öffnete die Tonne und warf Lola hinein. Sie wähnte sich unbeobachtet. Und hatte keine Ahnung, was sie noch erwartete. Was sie nicht wusste, war nämlich, dass Lolas Besitzer, die Manns, eine Überwachungskamera am Haus angebracht hatten. Als Darryl Mann die arme Lola sonntagmorgens in der Tonne miauen hörte, war sein erster Gedanke, dass seine "nicht besonders schlaue" Katze sich dort selbst hineingemogelt haben könnte. Sein zweiter Gedanke war, sich die Bilder seiner Überwachungskamera anzusehen. Dort stießen er und seine Frau auf die mysteriöse Passantin, die ihre Lola 15 Stunden zuvor in den Müll befördert hatte.
Das Video » der Überwachungskamera, ist auf Youtube zu sehen.
Um die Identität der Frau herauszufinden, transferierte Stephanie Mann die Bilder ins Internet. Facebook und Youtube dienten als modernes "Wanted"-Poster. Bald stellte sich heraus, wer sie dort hineingeworfen hatte. Mary Bale, die Bankangestellte, war die Täterin. Sie war "Cat Woman", der unfreiwillige Star im Internet, das Thema des Tages. Die Tierschutzverbände rüsteten zum Besuch bei der Ertappten. Doch nahm das kuriose Stück an dieser Stelle eine überraschende neue Wendung. Die Hilfspolizisten, die zum Haus von Mary Bale entsandt wurden, marschierten nicht dorthin, um sie zu verhaften. Sie sollten sie im Gegenteil vorm Volkszorn schützen. Denn Frau Bales Identifizierung hatte Hunderte erzürnter Tierfreunde in Coventry auf die Beine gebracht.
Das Schicksal, das sie selbst Lola hatte zuteilwerden lassen, war noch harmlos im Vergleich zu den Plänen, die ihre Mitbürger für Mary Bale enthüllten. Bei Facebook meldete sich eine Gruppe zu Wort, die sich "Tod für Mary Bale" nannte. Beunruhigt verfolgte die Polizei die Entwicklung. Auch Lolas Besitzer, die Manns, zeigten sich schockiert von den Folgen ihrer Aktion. Frau Bale indes, schüttelte nur immer wieder verzweifelt den Kopf über "den Augenblick, in dem ich den Verstand verlor". Ihre Mutter, Celia Bale, schwört sogar, dass Mary "Tiere über alles liebt". Und "Katzen absolut anhimmelt".
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