Frauenwohnheim Stuttgart Das Frauenhaus sucht selbst Zuflucht

Nicole Höfle, 11.02.2012 17:23 Uhr

Stuttgart - Eigentlich bietet das autonome Frauenhaus anderen Zuflucht, derzeit aber ist die Einrichtung selbst auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Der bisherige Eigentümer hat das Gebäude verkauft, die Stadt als Mieterin war daraufhin gezwungen, dem Verein Frauen helfen Frauen zu kündigen. Die Einrichtung, die Platz für 18 Frauen und 22 Kinder bietet, braucht neue Räumlichkeiten, die bis spätestens Anfang Juli bezogen sein müssen. Bei unseren Anforderungen ist es schwierig, eine Bleibe zu finden“, sagt die Mitarbeiterin Heidi Graf-Knoblauch. Gefahndet wird nach einem großen Gebäude mit 1500 bis 1800 Quadratmetern, mit Schulen, Kita und Jobcenter in der Nähe und einer guten öffentlichen Anbindung.

Wir sind immer voll, unsere Belegungsquote liegt bei 95 Prozent Heidi Graf-Knoblauch, Mitarbeiterin im Frauenhaus

Keine Reaktion auf Anzeigenschaltung

„Wir brauchen ein Gebäude mit Wohnheimcharakter, in diesem Bereich aber ist der Markt leer“, sagt der Leiter des Liegenschaftsamtes Thomas Zügel. Ein Objekt sei im Gespräch, dabei handele sich allerdings nur um eine Interimslösung für drei Jahre. „Wir haben eine Anzeige geschaltet, aber keine Reaktion bekommen“, sagt Zügel. Zur Lage des Interimsgebäudes macht der Amtsleiter keine Angaben, da auch die bisherige Adresse des Frauenhauses nicht öffentlich bekannt gemacht wird, um die Frauen vor Angriffen zu schützen.

Die Nachfrage nach Plätzen in dem autonomen Frauenhaus – die Stadt Stuttgart unterhält selbst noch ein zweites – ist ungebrochen. „Wir sind immer voll, unsere Belegungsquote liegt bei 95 Prozent“, sagt Graf-Knoblauch. Im Durchschnitt gehen täglich zwei Anfragen ein. Ist das Stuttgarter Haus voll, vermitteln die Mitarbeiterinnen weiter, jeden morgen wird in den Frauenhäusern in ganz Baden-Württemberg abgefragt, wo Plätze frei sind.

Unterkunft und Hilfe in rechtlichen Angelegenheiten

Die 29 Jahre alte Selma Müller (Name geändert) ist über eine Freundin zum autonomen Frauenhaus gekommen. Die junge Frau ist tief verschleiert, aber in ihren Äußerungen alles andere als konservativ. Die Algerierin ist als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland gekommen, schnell haben Freunde ihrer Familie die Heirat mit einem Landsmann arrangiert. Eine Tochter kam zur Welt, nach sieben Jahren aber ging die Ehe in die Brüche. „Mein Mann hat mich von der Außenwelt abgeschottet.“ Als die 29-Jährige nach der Trennung für sieben Wochen zu ihrer schwer kranken Mutter nach Algerien flog, zwang der Mann sie, die Tochter bei ihm in der Region Stuttgart zu lassen – und als sie zurückkam, wollte er ihr die Tochter nicht mehr überlassen. „Er hat sich jahrelang nicht um sie gekümmert und plötzlich sollte sie bei ihm bleiben.“ Selma Müller floh mit der Tochter ins Frauenhaus, bekam dort nicht nur Unterkunft, sondern vor allem Hilfe in dem Rechtsstreit mit ihrem Mann um das Sorge- und Umgangsrecht. „Ich will ihm die Tochter auf keinen Fall überlassen, weil ich merke, dass er versucht, sie klein zu halten.“