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Park City - Bei den Winter-X-Games zählt vor allem die große Show. Hohe Sprünge in der Halfpipe, spektakuläre Snowboardduelle auf der Piste oder Höchstgeschwindigkeitsfahrten der Schneemobile - diese berauschenden Bilder vom Buttermilk Mountain in Aspen (Colorado) schickt der amerikanische Sportsender ESPN seit Donnerstag wieder um die Welt. Doch bei der diesjährigen Auflage, die noch bis morgen ausgetragen wird, steht bei allem Brimborium für die Athleten vor allem eines im Vordergrund - die Erinnerung an Sarah Burke.
Sie zeigten es schon eindrucksvoll bei der Eröffnungsfeier. Das grelle Flutlicht wurde ausgeschaltet, das sonst so laute Publikum wurde ganz still. Und vom Anfang der riesigen, fast sieben Meter hohen Halfpipe trugen die vielen Sportler Kerzen zum Zuschauerbereich, wo Burkes Familie sie empfing. Es war eine besondere Trauerprozession. Auf Skiern, auf dem Snowboard oder zu Fuß bewegten sie sich durch die wie eine enge Schlucht wirkende Halfpipe vorwärts.
Die Anteilnahme ist groß
Sie erinnerten an dem Ort an die Kanadierin, an dem sie am liebsten war. Die Freeskifahrerin ist am 19. Januar 2012 im Alter von 29 Jahren gestorben. Nach einem Herzstillstand erlag sie irreversiblen, schweren Gehirnverletzungen, die sie sich bei einem Sturz am 10. Januar in Park City (Utah) zugezogen hatte. Neun Tage lag sie bis zu ihrem Tod im Koma.
Die Anteilnahme für Sarah Burke bei den Winter-X-Games ist besonders groß. Viele Athleten trugen während der Wettkämpfe ein weißes Band oder eine selbst gebastelte lila Schleife, auf die sie ihren Namen geschrieben hatten. Burke war nicht irgendeine Athletin. Sie war eine Pionierin. Was Steffi Graf für das Frauentennis verkörpert, bedeutet Sarah Burke für das Freeskifahren der Frauen.
Viermal gewann sie die Winter-X-Games - eigentlich wollte sie heute ihren Titel verteidigen. Sie war die erste Frau, die einen Sprung mit dreifacher Drehung, einen sogenannten 1080, in einem Halfpipe-Wettkampf stand. Und sie war die Frau, die es dank pausenlosem Einsatz erreichte, dass Freeskifahren in der Disziplin Slopestyle, einem Hindernisparcours, überhaupt in die Winter-X-Games aufgenommen wurde.
"Für uns Mädels ist sie das größte Idol gewesen"
Ihr größter Erfolg bei der Entwicklung ihrer Sportart gelang ihr vor wenigen Monaten. Denn bei den nächsten Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi wird Freeski in der Halfpipe und in Slopestyle auch zu den Disziplinen gehören. Sarah Burke wäre dort die absolute Favoritin auf die Goldmedaille gewesen.
"Für uns Mädels ist sie das größte Idol gewesen", sagt die deutsche Freeskifahrerin Lena Stoffel. "Sie hat uns alle inspiriert." Die 27-Jährige aus Leutkirch im Allgäu lernte Sarah Burke vor zwei Jahren kennen - bei den europäischen Winter-X-Games in Frankreich. Dort teilten sie sich ein Zimmer. Und Lena Stoffel erlebte sie als ein "wundervolles warmherziges Mädel". Ihren Status als unumstrittene Nummer eins stellte Burke nie heraus. Dabei war sie das Gesicht ihrer Sportart - die Einzige, die regelmäßig in den Medien, in den großen Magazinen vorkam.
Burke betrieb ihren Sport mit absoluter Konsequenz. Verletzungen waren nichts Unbekanntes für sie. Sie brach sich Rippen, Daumen oder die Nase. Auch einen Wirbelbruch erlitt sie 2009. "Es ist Teil des Sports. Jeder tut sich weh", sagte Burke damals dazu. Sie wollte nicht geschont werden und kämpfte auch deshalb um Gleichberechtigung mit den Männern. "Wir arbeiten so hart wie die Jungs, und wir stürzen so hart wie die Jungs", sagte Burke einmal.
Diskussion über die Gefahren beim Freeskifahren
Sie wegen dieser Sätze als risikolose, wilde Fahrerin darzustellen, entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Sie stürzte bei einem für sie relativ einfachen Trick, einer eineinhalbfachen Drehung, und schlug unglücklich mit ihrem Kopf auf - natürlich trug sie einen Helm. Ihr Sturz wirkte auf die Augenzeugen ebenfalls wenig bedrohlich. "Da kam ziemlich viel Pech zusammen", sagt auch Lena Stoffel.
Doch Burkes Unfall befeuerte trotzdem die Diskussion über die Gefahren beim Freeskifahren. In der Halfpipe von Park City war vor rund zwei Jahren auch der amerikanische Snowboarder Kevin Pearce schwer gestürzt. Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und schwebte in Lebensgefahr. Mittlerweile ist der Heilungsprozesse bei dem 24-Jährigen so gut verlaufen, dass er kürzlich wieder auf dem Board stand.
Die Halfpipes sind zwar höher und größer geworden. "Aber auch das Niveau der Athleten steigt immer weiter", sagt Stoffel. Die Experten sind zudem überzeugt, dass das Freeskifahren durch neue Technologien wie Wirbelsäulenprotektoren und die Helmpflicht sicherer geworden ist. Die Balance zwischen Sicherheit und Risiko sah auch Burke gewahrt. "Ich liebe meinen Sport. In der Luft zu sein ist so ein Rausch", sagte sie einmal. "Im Rückblick würde ich alles wahrscheinlich genauso machen."


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