Freilichtmuseum Beuren Auf Entdeckungstour durch Obstwiesen

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Bei einer Führung durch die Streuobstwiesen im Freilichtmuseum Beuren werden die Besucher zum Baumexperten.

Süß oder sauer, saftig oder mehlig: auch eine Kostprobe verschiedener Apfelsorten hat Stefanie Hermann (rechts) ihren Gästen angeboten. Foto: Ines Rudel
Süß oder sauer, saftig oder mehlig: auch eine Kostprobe verschiedener Apfelsorten hat Stefanie Hermann (rechts) ihren Gästen angeboten. Foto: Ines Rudel

Beuren - Wie man einen gesunden Obstbaum erkennt, worauf man bei der Pflege besonders achten muss, und was es mit dem Ohrenzwicker auf sich hat, das haben die Teilnehmer einer Familienführung im Freilichtmuseum Beuren am Freitag gelernt. Die Streuobstpädagogin Stefanie Hermann hatte sich dafür allerlei einfallen lassen und an sieben Stationen Wissenswertes zum Thema Streuobst zusammengestellt.

An der ersten Station drehte sich alles um die vier Jahreszeiten. „Anhand eines Obstbaumes kann man herausfinden, welche Jahreszeit gerade ist“, erklärte Hermann. „Im Frühling zum Beispiel blüht der Baum, und im Sommer trägt er Früchte.“ Ob die Früchte eines Baumes reif sind, erkennt man übrigens nicht nur an der Farbe und Größe, sondern daran, ob sie sich leicht vom Baum lösen lassen. „Gibt die Frucht bei leichtem Druck nach, ist die Pflückreife gegeben“, so Hermann. Manche Frucht müsse dann noch ein paar Tage gelagert werden, bis sie ihre Genussreife erreicht habe und süß genug zum Verzehr sei, so die Streuobstexpertin.

Der Baumschnitt ist besonders wichtig

Auf einer Obstwiese wachsen viele verschiedene Obstsorten. Allein bei den Äpfeln gibt es mehr als 1000 Arten, erzählte Hermann. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Farbe, Form und Maserung, sondern auch am Geschmack. Das durften die Teilnehmer auch gleich bei einer Kostprobe testen. Doch damit der Baum überhaupt gesund ist und Früchte trägt, muss er ausreichend gepflegt werden. „Wichtig ist, dass der Baum viel Luft und Licht hat“, erklärte Hermann. Daher sei der Baumschnitt im Frühjahr sehr wichtig. „Sonst verkümmern die Äste und brechen heraus“, sagte die 33-Jährige. Auch die Streuobstwiese müsse gepflegt und rund zweimal im Jahr gemäht werden. Da sie sehr hoch sei, brauche man dafür einen speziellen sogenannten Balkenmäher. „Oder man nimmt einen natürlichen Rasenmäher – Schafe“, erklärte die Streuobstpädagogin. Wenn man eine Schafherde lange genug darauf grasen lasse, werde die Wiese auch gemäht.

Die Mär vom Ohrenzwicker

Welche Tiere sich auf einer Streuobstwiese oder in den Bäumen tummeln, fand die siebenjährige Lena aus Erkenbrechtsweiler, die mit ihren Eltern an der Führung teilnahm, ganz schnell heraus. Neben Hasen, allerlei Insekten wie Schmetterling und Ohrenzwicker, Eichhörnchen und Fledermäusen sind Streuobstwiesen auch der Lebensraum vieler Vögel. Wie schwierig es für einen Vogel sein muss, allein mit Hilfe seines Schnabels ein Nest zu bauen, durfte Lena eigenhändig erfahren. Mit einer Grillzange baute sie ein Nest aus kleinen Stöcken und Heu nach.

Dass es sich bei den Tieren teilweise um so bezeichnete Nützlinge handelt, die man gegen Schädlinge einsetzen kann, lernten die Besucher an der letzten Station. So frisst der Ohrenzwicker nämlich Blattläuse, die sich über junge Blätter und Triebe hermachen. Ob das Gerücht wohl stimmt, dass der Ohrenzwicker Menschen ins Ohr zwickt, fragte sich Lena. „Der Ohrenzwicker wurde in der Antike zu Pulver verarbeitet, das gegen Ohrenkrankheiten eingesetzt wurde“, erklärte Hermann lachend. Daher komme der Name. Für Menschen seien die Insekten harmlos.