Fremdsprachenunterricht an Grundschulen Eltern fühlen sich veräppelt

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Der Landeselternbeirat findet es aus sprachwissenschaftlicher Sicht falsch, den Fremdsprachenunterricht an Grundschulen zu verschieben. Auch Wissenschaftler warnen davor, jetzt die Vorreiterrolle aufzugeben.

Französisch oder Englisch von Anfang an? Der Unterricht steht jetzt zur Disposition. Foto: dpa
Französisch oder Englisch von Anfang an? Der Unterricht steht jetzt zur Disposition. Foto: dpa

Stuttgart - Die Wirtschaft und auch Lehrerverbände haben den Vorschlag von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) begrüßt, den Fremdsprachenunterricht an Grundschulen von der ersten auf die dritte Klasse zu verschieben und dafür die Kinder stärker in Deutsch und Mathematik zu fördern. Die Eltern sind nicht ganz so entschieden. Grundsätzlich sei es ja ganz gut, wenn die Kinder früh mit einer Fremdsprache anfingen, sagt etwa Stefan Pfahl vom Gesamtelternbeirat in Tübingen. Auch Kathrin Grix, die Vorsitzende des Stuttgarter Gesamtelternbeirats, findet das so genannte Sprachbad in der Grundschule „toll und spielerisch und eigentlich nicht schlecht“. Auf den zweiten Blick findet Pfahl aber, der Fremdsprachenunterricht sei doch auf sehr niedrigem Niveau und Grix weiß, dass die Voraussetzungen mit denen die Grundschüler in die weiterführenden Schulen kommen, sehr unterschiedlich seien, „im Grunde muss man ab Klasse fünf noch mal von vorne anfangen“.

Lehrermangel bleibt

In der Abwägung geben sie deshalb den Förderstunden in Deutsch und Mathematik den Vorzug. Aber bei Kathrin Grix bleiben Zweifel, ob die Umschichtungen zur Qualitätsverbesserungen an den Grundschulen beitragen. „Der eklatante Lehrermangel wird dadurch nicht behoben.“

Carsten Rees, der Vorsitzende des Landeselternbeirats, hält gar nichts von den Überlegungen Eisenmanns. Natürlich brauche man die Poolstunden, „doch die Förderstunden waren uns als zusätzliche Stunden versprochen“. Jetzt, bedauert Rees, „löst die Landesregierung ihre Versprechen nicht ein“. Den Fremdsprachenunterricht zu verschieben sei „kein pädagogisches Modell, sondern aus der Not geboren“. Rees sieht „keinen vernünftigen pädagogischen Grund, die Fremdsprache später beginnen zu lassen“.

Verschiebung „wissenschaftlich unerklärlich“

Dem pflichten Wissenschaftler bei. Jörg-Ulrich Keßler, Prorektor und Professor für Englisch mit Schwerpunkt Grundschule an der PH Ludwigsburg, ist perplex: „Wie eine Verschiebung des frühen Fremdsprachenlernens einen Beitrag zur Qualitätsverbesserung in der Grundschule leisten kann, ist wissenschaftlich unerklärlich“. Er erinnert an die Vorreiterrolle Baden-Württembergs, das 2003, als Reaktion auf den Pisa-Schock, die Fremdsprache ab Klasse eins eingeführt habe. Seither sei „enorm viel Geld“ investiert worden, „damit Grundschullehrkräfte auch für das frühe Fremdsprachenlernen gut ausgebildet werden können“. Jetzt, da qualifiziert unterrichtet werden könne, den Unterricht in Klasse drei zu verlagern, wäre aus Sicht Keßlers „entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse und eine massive Verschwendung von gut investiertem Steuergeld“. Der Prorektor warnt davor, den Unterricht „ohne eine wirkliche Überprüfung der Effizienz aufzugeben“.