Friedrichsbau-Varieté Varieté-Eigentümer kritisiert seinen Sponsor

StZ, 12.01.2013 12:26 Uhr

Stuttgart - Das Varieté geht nach dem Ausstieg der landeseigenen L-Bank als Sponsor schweren Zeiten entgegen (die StZ berichtete). Gabriele Frenzel, die Chefin des Friedrichsbau-Varietés, hat mit Mitarbeitern über die Zukunft diskutiert: „Unsere Leute sind bestürzt.“ Zumal nur noch bis zum 30. Juni Planungssicherheit bestehe. Derzeit, so Frenzel, beschäftige ihr Haus rund 80 Mitarbeiter, von denen nicht alle in Vollzeit arbeiteten. Die Kollegen sind in der Gastronomie, der Technik, im Vertrieb und in der Buchhaltung beschäftigt, „außerdem haben wir ein Orchester“.

Bitte um Aufschub

Die Geschäftsleitung des Friedrichsbau-Varietés hat daher in der vergangenen Woche den Vorstand der L-Bank gebeten, die seit 1994 gewährte Förderung zumindest noch für das Jahr 2013 weiter zu leisten. So hätte man die Möglichkeit, nach alternativen Sponsoren oder Förderern zu suchen. Diese Zeit sei notwendig, da bereits alle Budgets für 2013 vergeben seien, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Entertainment AG (DEAG), der Eigentümerin des Varietés. Im Rathaus zeigte man sich erstaunt über die Tonart, die die DEAG darin anschlägt. Darin heißt es, man sei optimistisch, „dass die L-Bank sich ihrer hohen Verantwortung für eines der wichtigsten Varieté-Theater in Deutschland bewusst ist“ und eine Einigung mit dem Vermieter zumindest zunächst den Betrieb für das laufende Jahr sichern könne.

Gleichwohl sei man überrascht, dass die L-Bank, „die seit rund 20 Jahren unvermindert gewährten finanziellen Zahlungen“ von diesem Jahr an halbiere, weil sie doch das Theater fördere, „um den Kapazitätsmangel zu kompensieren“. Und für diesen sei das Institut verantwortlich. Es habe die „Rotunde“, in deren Innenausstattung die DEAG mehrere Millionen Euro investiert habe, zu klein konzipiert. 369 Sitzplätze seien zu wenig gewesen, um einen „nennenswerten Gewinn“ zu erwirtschaften.

Der Varieté-Eigentümer versäumte es auch nicht, darauf hinzuweisen, dass „die finanziellen Zuwendungen in den rund 20 Jahren nie erhöht wurden“. Deshalb habe das Theater auch keinen „nennenswerten Gewinn“ für die DEAG erwirtschaften können. Die L-Bank, die auf das Schreiben nicht antwortete, begründete das Ende des „mit Abstand größten Sponsoringengagements“ von rund einer dreiviertel Million Euro jährlich aber gerade mit „seiner Größe und Dauer“. OB Fritz Kuhn (Grüne) und der Kämmerer Michael Föll (CDU) sind sich einig: Die Stadt sei für eine Unterstützung nicht der richtige Ansprechpartner. „Wir fördern auch keine Musicals oder Kinos“, da sie nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllen würden, sagte Föll.

Kleinkunstszene trommelt für den Erhalt

Über das mögliche Aus für die Spielstätte ist am Freitag nicht nur in der Kulturszene diskutiert worden. Für Armin Dellnitz, den Geschäftsführer von Stuttgart Marketing, gehört das Kulturangebot der Stadt „zu einem unserer wichtigsten Werbeträger überhaupt. Das Varieté im Friedrichbau deckt dabei innerhalb der Kultur eine Sparte ab, in der wir sonst nicht vertreten sind.“ Aus diesem Grund „würden wir es sehr ­bedauern, wenn das Theater schließen müsste“. Gastspiele wie die Show „Palazzo“, die Gastronomie und Varieté verbinde, könnten das Friedrichsbau-Theater nicht gleichwertig ersetzen: „Solche Angebote sind gut, aber sie sind auch austauschbar und könnten überall stattfinden.“

In der Kleinkunstszene wird für den Erhalt der Spielstätte getrommelt: „Es ist eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen mit jahrzehntelanger Tradition“, sagte Thomas Fröschle alias Topas, der dort als Zauberkünstler, Comedian und Zuschauer „fantastische Inszenierungen“ erlebt hat. Das Friedrichsbau-Varieté gehöre zu Stuttgart „wie der Fernsehturm und das Brezelkörble“, so Fröschle. Es sei für die Varieté-Stadt Stuttgart „unersetzlich“. Und Michael Gaedt von der Kleinen Tierschau, Stuttgarts berühmtester Spaßmacher, erklärte: „Es wäre eine Schande, wenn Stuttgart das Friedrichsbau-Varieté verlieren würde.“ Gabriele Frenzel habe „tolle Arbeit“ geleistet. Gaedt weiter: „Da will man immer Weltstadt sein, und dann so etwas! Jetzt drehen sich Werner Finck, Willy Reichert und Oscar Heiler synchron im Grab – fast wie im Varieté.“