Friedrichsbau-Varieté Varieté-Eigentümer kritisiert seinen Sponsor

Von StZ 

Weil sich der Sponsor L-Bank zurückzieht, droht dem Friedrichsbau-Varieté das Aus. Die Kleinkunstszene und der Tourismuschef machen sich für den Erhalt der traditionsreichen Kultureinrichtung stark.

  Foto: Steinert
 Foto: Steinert

Stuttgart - Das Varieté geht nach dem Ausstieg der landeseigenen L-Bank als Sponsor schweren Zeiten entgegen (die StZ berichtete). Gabriele Frenzel, die Chefin des Friedrichsbau-Varietés, hat mit Mitarbeitern über die Zukunft diskutiert: „Unsere Leute sind bestürzt.“ Zumal nur noch bis zum 30. Juni Planungssicherheit bestehe. Derzeit, so Frenzel, beschäftige ihr Haus rund 80 Mitarbeiter, von denen nicht alle in Vollzeit arbeiteten. Die Kollegen sind in der Gastronomie, der Technik, im Vertrieb und in der Buchhaltung beschäftigt, „außerdem haben wir ein Orchester“.

Bitte um Aufschub

Die Geschäftsleitung des Friedrichsbau-Varietés hat daher in der vergangenen Woche den Vorstand der L-Bank gebeten, die seit 1994 gewährte Förderung zumindest noch für das Jahr 2013 weiter zu leisten. So hätte man die Möglichkeit, nach alternativen Sponsoren oder Förderern zu suchen. Diese Zeit sei notwendig, da bereits alle Budgets für 2013 vergeben seien, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Entertainment AG (DEAG), der Eigentümerin des Varietés. Im Rathaus zeigte man sich erstaunt über die Tonart, die die DEAG darin anschlägt. Darin heißt es, man sei optimistisch, „dass die L-Bank sich ihrer hohen Verantwortung für eines der wichtigsten Varieté-Theater in Deutschland bewusst ist“ und eine Einigung mit dem Vermieter zumindest zunächst den Betrieb für das laufende Jahr sichern könne.

Gleichwohl sei man überrascht, dass die L-Bank, „die seit rund 20 Jahren unvermindert gewährten finanziellen Zahlungen“ von diesem Jahr an halbiere, weil sie doch das Theater fördere, „um den Kapazitätsmangel zu kompensieren“. Und für diesen sei das Institut verantwortlich. Es habe die „Rotunde“, in deren Innenausstattung die DEAG mehrere Millionen Euro investiert habe, zu klein konzipiert. 369 Sitzplätze seien zu wenig gewesen, um einen „nennenswerten Gewinn“ zu erwirtschaften.

Der Varieté-Eigentümer versäumte es auch nicht, darauf hinzuweisen, dass „die finanziellen Zuwendungen in den rund 20 Jahren nie erhöht wurden“. Deshalb habe das Theater auch keinen „nennenswerten Gewinn“ für die DEAG erwirtschaften können. Die L-Bank, die auf das Schreiben nicht antwortete, begründete das Ende des „mit Abstand größten Sponsoringengagements“ von rund einer dreiviertel Million Euro jährlich aber gerade mit „seiner Größe und Dauer“. OB Fritz Kuhn (Grüne) und der Kämmerer Michael Föll (CDU) sind sich einig: Die Stadt sei für eine Unterstützung nicht der richtige Ansprechpartner. „Wir fördern auch keine Musicals oder Kinos“, da sie nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllen würden, sagte Föll.

Kleinkunstszene trommelt für den Erhalt

Über das mögliche Aus für die Spielstätte ist am Freitag nicht nur in der Kulturszene diskutiert worden. Für Armin Dellnitz, den Geschäftsführer von Stuttgart Marketing, gehört das Kulturangebot der Stadt „zu einem unserer wichtigsten Werbeträger überhaupt. Das Varieté im Friedrichbau deckt dabei innerhalb der Kultur eine Sparte ab, in der wir sonst nicht vertreten sind.“ Aus diesem Grund „würden wir es sehr ­bedauern, wenn das Theater schließen müsste“. Gastspiele wie die Show „Palazzo“, die Gastronomie und Varieté verbinde, könnten das Friedrichsbau-Theater nicht gleichwertig ersetzen: „Solche Angebote sind gut, aber sie sind auch austauschbar und könnten überall stattfinden.“

In der Kleinkunstszene wird für den Erhalt der Spielstätte getrommelt: „Es ist eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen mit jahrzehntelanger Tradition“, sagte Thomas Fröschle alias Topas, der dort als Zauberkünstler, Comedian und Zuschauer „fantastische Inszenierungen“ erlebt hat. Das Friedrichsbau-Varieté gehöre zu Stuttgart „wie der Fernsehturm und das Brezelkörble“, so Fröschle. Es sei für die Varieté-Stadt Stuttgart „unersetzlich“. Und Michael Gaedt von der Kleinen Tierschau, Stuttgarts berühmtester Spaßmacher, erklärte: „Es wäre eine Schande, wenn Stuttgart das Friedrichsbau-Varieté verlieren würde.“ Gabriele Frenzel habe „tolle Arbeit“ geleistet. Gaedt weiter: „Da will man immer Weltstadt sein, und dann so etwas! Jetzt drehen sich Werner Finck, Willy Reichert und Oscar Heiler synchron im Grab – fast wie im Varieté.“

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5 KommentareKommentar schreiben

Kosten?: Wir finanzieren unnötige, nur halb tiefe und dazu noch schräge (Sonder-EU-Genehmigung) Tiefbahnhöfe mit einer Reduzierung auf max. 32 Züge in der Hauptzeit, in Milliradenhöhe (für Ignoranten: 1 Mrd. = 1.000.000.000 Mio. Euro), da bleibt kein Geld für Kinderkrankenpflegepersonal (Olgäle) oder Kultur. Unsere Abgeordneten möchten außerdem Tageslicht im Sitzungssaal, obwohl sie die wenigste Zeit ihrer Tätigkeit da sind! Der Souverän nickt es ab und zahlt, und zahlt, und zahlt ,.... Dafür werden dann Lpügner wie Grube zum 'Ehrensenaotr' ernannt. Welche Uni macht das? Haben die genug Fremdförderungen erhalten?

Na ja.: An diesem wie an weiteren Beispielen kann man auch sehen,wie es aussieht,wenn man sich in allzu große Abhängigkeit von Sponsoring begibt.Man ist letztlich von der Gnad´ und Barmherzigkeit der Gönner abhängig.Ähnlich könnte es kommen,wenn man auch Sozialleistungen immer weiter zurückschraubt,um dann - zugegeben:der Extremfall - von Sammelergebnissen bei irgendwelchen Charity-Parties der besseren Gesellschaft abhängig zu sein statt einen Rechtsanspruch auf solche Leistungen zu haben.Sponsoring schön und gut,aber man muss sich immer wieder darüber bewusst sein,dass Sponsoring eine Schönwetter-Veranstaltung ist.

Ach was...: Wer brauch schon Kleinkunst und Kultur? Was wir brauchen sind Bankenrettung, Eurorettung und vor allem TIEFBAHNHÖFE! Überall sind die Bahnhöfe noch oberirdisch, ein Skandal! Wer interessiert sich schon für das bissi rumgehoppel in Fantasiekostümen?? Achtung, obige Worte könnten Ironie, Sarkasmus und eins auf die Nuß beinhalten!

Was zeigt uns dieses Prozedere?: ...in der politischen und auch in der finanziellen Verantwortung sitzen kaum bis keine Menschen, die sich vorstellen können, wie ein Künstler quasi über Jahrzehnte 'entsteht'. Und das er sich seine Spielstätten nicht auch noch selber bauen und verwalten kann. Lehrer, Oberstudienräte, Anwälte. So ruft sich die Mehrzahl der MdL. Da wird dann gerne mal Soziales mit Kultur gekreuzt. Spart Kosten. Oder über Evaluierungsmöglichkeiten bramaphrasiert. Auch hier, die kulturaffinen, halböffentlichen Geister, die gerufen wurden, wird Mensch nicht mehr los. Nein umgekehrt, diese Geister sprich Sponsoren entledigen sich teils lästig gewordenen Einrichtungen. Was täte Not? Klartext z.B.. Mir leuchtet nicht ein, das ein sooooo wichtiges Variete auf so tönernen Füßen steht, sobald ein 'Sponsor' die Beitragszahlungen einstellt. Ausserdem, wer auf die Seite der L-Bank geht, könnte ja geradezu ins Schwärmen kommen, wie hier für Existenszgründungen Seminare und oder Bildungsveranstaltungen aufgeführt sind. Nur, das Wort Kultur habe ich in keinem Zusammenhang gefunden. Und ein letztes, ich habe für meine Kulturbegrifflichkeiten in der Gruppe gekämpft. Als Gast und als Beteiligter. Gegen alle politische Einflussnahme und den daraus folgenden Abhängigkeiten Denn, wo die hinführen können, zeigt sich doch hier wieder in geradezu präsentativer Form. Bildlich gesprochen, die Enden der Wurst ist die Kultur, dazwischen ist das Kapital.

Bei allem Bedauern für die Betroffenen...: ..aber der Staat kann und soll nicht alles fördern. Ja, wenn man sieht, wie der Ex-Bürger'meister', dessen Name mir entfallen, Hunderte Millionen der Bahn in den Rachen geworfen hat und was allein seine Abschiedssause den Steuerzahler kostet, ballt man die Faust in der Tasche. Dennoch kann man jeden Euro nur einmal ausgeben. Wenn sich kein anderer Sponsor findet, war's das halt. So traurig es ist...

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