Frisch Auf Göppingen Haaß hat keinen Bonus beim Trainer

Peter Wörz, 07.02.2013 19:53 Uhr

Göppingen - Michael Haaß hat nicht gekniffen. Wie es sich für einen Kapitän gehört, stellte sich der Spielmacher des Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen nach der 32:34-Niederlage am Mittwoch gegen die Füchse Berlin den Fragen – auch wenn es nur ein exklusives Publikum in der VIP-Lounge war. Seinen Mannschaftskollegen indes war gar nicht nach Konversation zumute. Zügig und im geschlossenen Pulk verschwanden die Verlierer nach einer kurzen Runde in das abgeschottete Reich ihrer Umkleidekabine.

Frustbewältigung im inneren Zirkel anstatt Aufbruchstimmung. Denn es ist allen klar, dass gegenüber der reichlich verkorksten erste Saisonhälfte „insgesamt vieles besser werden muss“, wie es Haaß formuliert. So sollte im ersten Spiel nach der WM-Pause mit einem Sieg gegen Berlin Rückenwind erzeugt werden für die nächsten acht Wochen, in denen die Mannschaft insgesamt 14 Partien bestreitet. Bereits morgen (19.30 Uhr) folgt der Start in die Gruppenphase des EHF-Cups, wenn der schwedische Club Eskilstuna Guif in der EWS-Arena gastiert.

Der Ligaalltag ist nicht die WM

Michael Haaß hatte sich die Rückkehr in den Ligaalltag ebenfalls anders vorgestellt. Auch für sich ganz persönlich, denn bei der WM in Spanien hat der Rückraumspieler verlorenes Selbstvertrauen zurückgewonnen. Große Anerkennung hat sich der 29-Jährige mit seinen beherzten Auftritten an der Seite Oliver Roggischs im Abwehr-Mittelblock der Nationalmannschaft verdient. „Das hat mir viel Schub gegeben“, sagt Haaß, „auch weil es trotz der Belastung viel Spaß gemacht hat.“

Bei seinem Club in Göppingen war ihm dieser Spaß abhandengekommen. Im Zuge einer schwachen Vorrunde des Teams musste sich auch der Nationalspieler einiges an Kritik anhören und im Angriff häufiger für Tim Kneule den Platz räumen. „Ich habe das offenbar unterschätzt“, sagt er heute zu der langen Zeit, die er benötigt hat, um nach seinem Sprunggelenksbruch im Januar 2012 wieder der Alte zu werden. „Ich habe sieben, acht Monate lang nicht zu meiner Form gefunden.“

Der Durchbruch kam in einem anderen Umfeld. Wobei Michael Haaß lange genug im Geschäft ist, um sich davon nicht blenden zu lassen. „WM und Liga sind zwei ganz unterschiedliche Dinge, das muss man trennen“, sagt er. Am Mittwoch wurde diese Erkenntnis belegt. Seine WM-Auftritte haben ihm keinen Bonus bei  seinem Trainer Velimir Petkovic verschafft. Haaß hat wieder einige Zeit auf der Bank verbracht. Wobei der Teamplayer auch klarstellt: „Es ist doch völlig nebensächlich, wer als Erster aufläuft. Entscheidend ist, dass wir die Spiele gewinnen.“

Unter verschärfter Beobachtung

Mit der Rückkehr in das Göppinger Team haben sich auch die Themen wieder gewandelt. Haaß weiß, dass er nach der Bekanntgabe seines Wechsels zum SC Magdeburg nach dieser Saison unter verschärfter Beobachtung steht. Und dass die Göppinger Fans ein besonderes Völkchen sein können, haben sie erst vor wenigen Tagen bewiesen. Da sind die Vertreter von drei der insgesamt vier organisierten Fanclubs bei dem Geschäftsführer Gerd Hofele vorstellig geworden und haben den Wunsch geäußert, dass Frisch Auf doch bitte schön mit einem anderen Trainer als Velimir Petkovic, dessen Vertrag erst bis 2015 verlängert wurde, in die nächste Spielzeit starten möge. Haaß versteht den Frust auf der Tribüne und formuliert als eines seiner persönlichen Ziele für die Rückrunde: „Wir müssen die Fans wieder verwöhnen.“

Das geht in dieser Spielzeit wohl nur noch im internationalen Wettbewerb, der Bühne also, auf der Göppingen als EHF-Pokalsieger der Jahre 2011 und 2012 geglänzt hat und jetzt in die erstmals ausgetragene Gruppenphase gegen Guif, Naturhouse La Rioja (Spanien) und Cimos Koper (Slowenien) einsteigt. Platz zwei in der Gruppe und der damit verbundene Einzug in das Viertelfinale ist das Minimalziel. „Wir müssen mal sehen, was da geht“, sagt Haaß, „aber im EHF-Pokal ist jetzt keine Mannschaft dabei, vor der wir zittern müssen.“ Das erhöht dann auch die Wahrscheinlichkeit, dass am Samstag Abend nicht nur der Kapitän etwas zu sagen hat.