Fritz Kuhn gegen Hannes Rockenbauch Das Buhlen um die S-21-Gegner

Von Jörg Nauke 

Am Montag treten die Kandidaten Fritz Kuhn (Grüne) und Hannes Rockenbauch (SÖS) gegeneinander an. Es gilt, die Gunst der S-21-Gegner zu gewinnen.

Hannes Rockenbauch (SÖS) und Fritz Kuhn (Grüne) treten gegeneinander an. Foto: Achim Zweygarth 17 Bilder
Hannes Rockenbauch (SÖS) und Fritz Kuhn (Grüne) treten gegeneinander an.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Es klingt wie „Hannes und der Bürgermeister“, aber das Stück wird am Montag nicht in der Mäulesmühle aufgeführt, sondern im Gewerkschaftshaus. Und es wird sicher nicht lustig. Der Saal wird mit wütenden S-21-Gegnern besetzt sein, wenn bei „Hannes gegen Kuhn“ unter der Regie des Aktionsbündnisses der Hauptbahnhof die Hauptrolle spielt.

Für den Ober-Projektgegner und Oberbürgermeister-Kandidaten Hannes Rockenbauch (SÖS) ist das wieder ein Heimspiel. Die Konstellation, als Mahner der ersten Stunde die Fankulisse gegen sich zu haben, kann dem Grünen-Aspiranten Fritz Kuhn überhaupt nicht gefallen. Er hat die Widerständler davor gewarnt, ihn für das Ergebnis der Volksabstimmung verantwortlich zu machen. Es könnte passieren, dass im zweiten Wahlgang „nur zwischen S-21-Pro-Kandidaten zu entscheiden wäre“, wenn sich die Stimmen im projektkritischen Bereich „zu sehr aufsplitten“.

Das ist als Aufruf zu verstehen, ihm schon im ersten Wahlgang die Stimme zu geben und nicht etwa dem „Streithannes“ oder dem Kandidaten Jens Loewe, in dessen Programm auch die S-21-Verhinderung thematisiert wird. Dies deshalb, weil er, Kuhn, sonst Gefahr laufe, nicht nur hinter dem CDU-Bewerber Sebastian Turner ins Ziel zu kommen, sondern auch hinter der SPD-Bewerberin Bettina Wilhelm. Nach bisheriger Lesart wäre Kuhn dann gezwungen, den Rückzug anzutreten, um Wilhelm die Chance zu geben, einen „schwarzen OB“ zu verhindern. Wie aber würde Kuhn reagieren, läge er nur wenige Prozentpunkte hinter Wilhelm? Die grün-rote Absprache hätte ihre Belastungsprobe, dürfte Kuhn doch eher als die SPD-Bewerberin auf die eine oder andere Stimme aus dem Gegnerlager (Rockenbauch und Jens Loewe) hoffen, vorausgesetzt diese würden zur Neuwahl nicht mehr antreten.

Kuhn und Rockenbauch treten gegeneinander an

Der Grünen-Bewerber wird zwar auch bei „Hannes gegen Kuhn“ deutlich machen, dass er Stuttgart 21 aus allen nur denkbaren Gründen ablehne und der Bahn als OB auf die Finger klopfen werde. Für den harten Kern derer, die den Kampf gegen den Tiefbahnhof wegen seiner Mängel nicht aufgegeben haben und ihn sichtbar weiter betreiben, und für viele, die still zu Hause leiden, scheint Kuhn dennoch zunächst nicht wählbar zu sein. Er habe sich als Bundestagsabgeordneter (für Heidelberg) überhaupt nicht um Stuttgart und den Widerstand gegen S 21 gekümmert, klagt man im Gegnerlager. Es heißt auch, er sei der falsche Mann. Rockenbauch hätte sich nicht aufstellen lassen, hätten die Grünen einen anderen Kandidaten aufgestellt – etwa die Landtagsabgeordnete und ehemalige Ratsfraktionsvorsitzende Muhterem Aras.

Rockenbauch beschreibt in seinen „Denkzetteln“ die Gemütslage des Klientel, das fünf bis zehn Prozent der voraussichtlich etwa 200 000 Wähler ausmachen könnte. CDU, SPD und Grüne bildeten das „Bermudadreieck“, aus dem es sich zu befreien gelte. Und wer Stuttgart 21 „kritisch-konstruktiv oder wie auch immer baut, versemmelt die Zukunft Stuttgarts und der Region“. Jene 47 Prozent, die bei der Volksabstimmung in Stuttgart gegen das Projekt gestimmt hätten, wollten „keine kritische Unterordnung unter die Bahnpolitik“.

Fritz Kuhn gibt in diesem Stück auch den „Watschenmann“ für den grünen Teil der Landesregierung, der sich nicht gegen die SPD durchsetzen kann. Repräsentanten wie dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, dem Verkehrsminister Winfried Hermann oder der Staatsministerin Silke Krebs wird vorgeworfen, den Widerstand gegen S 21 dem Koalitionsfrieden sowie der Sicherung von Macht und Karriere geopfert zu haben. Der Politikwissenschaftler Peter Grottian hat dieser Tage geklagt, Kretschmanns „Demokratie des Gehörtwerdens“ sei bisher substanzlos geblieben. Er habe vor der Volksabstimmung wie ein „Gummilöwe“ und nach den Kompromissvorschlägen von Heiner Geißler „moderationsabstinent“ agiert, weil es ihm und seinen Beratern an der strategischen Orientierung gemangelt habe. Gleiches gelte für den Verkehrsminister. Er erwecke durch Wort und Tat den Anschein, die Antwort auf die Frage nach der wahren Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs gar nicht mehr wissen zu wollen. Im OB-Wahlkampf kommt also auch das Stück „Grüne gegen Kuhn“ zur Aufführung.