| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 04. Februar 2012
Stuttgart 21
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Führungen am Nordflügel Ein Bauzaun wird berühmt

Katharina Sorg, vom 03.09.2010 07:18 Uhr
Am Bauzaun ist kein Platz mehr frei – und vieles zu sehen. Foto: Zweygarth
Am Bauzaun ist kein Platz mehr frei – und vieles zu sehen. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Sie kommen nicht um zu demonstrieren, sie kommen um zu fotografieren. Etliche Zugreisende und Besucher nutzen inzwischen Ankunft oder Zwischenstopp am Hauptbahnhof, um sich den Bauzaun einmal aus der Nähe anzuschauen. Seit er auch im überregionalen Fernsehen ein gern gewähltes Motiv bei der Berichterstattung über die Proteste ist, hat er sich zu einem weithin bekannten Fotomotiv gemausert. "Schau mal Benni, dass ist der Bauzaun aus dem Fernsehen", sagt eine Mutter zu ihrem Sohn und bleibt am Absperrgitter stehen.

Seit am 30. Juli die Baufirma unter massivem Protest den meterhohen Metallzaun vor dem Nordflügel des Hauptbahnhofes errichtet hat, ist er praktisch über Nacht zu einer Klagemauer, zu einer Pinnwand des Protests geworden. Appelle, Sprüche, Plakate, Karikaturen – der Bauzaun gleicht einer Galerie. Darauf hat nun die Kunstvermittlung Stuttgart reagiert und bietet erstmals Führungen an.

Auch in der Eile Zeit für Erinnerungsfotos


Vor allem auch junge Leute interessieren sich für die politische Auseinandersetzung, die Stuttgart ergriffen hat. Volker ist eigentlich auf dem Weg nach Kassel und hat nur ein paar Minuten, bis sein Anschlusszug abfährt. "Ich wollte die Chance aber jetzt endlich mal nutzen, und schauen was hier los ist", sagt er. Zeit für ein paar Erinnerungsfotos nimmt er sich daher gerne. Markus hat es indes ein wenig eilig. Auch er ist auf der Durchreise und zieht einen Trolley hinter sich her. Auf Höhe des Bauzauns zückt er aber dennoch sein I-Phone und verewigt das verzierte Gitter auf seiner Speicherkarte. Inzwischen ist es nicht mehr möglich etwas direkt an den Bauzaun zu kleben oder zu pinnen. Ein zusätzliches Gitter trennt Demonstranten und Besucher vom Bauzaun und den davor postierten Polizisten. Seit dem 18. August bewachen diese die Baustelle rund um die Uhr. Heidemarie steht mit ihrem Gepäck ein paar Meter entfernt. Sie kommt aus der Nähe von Ravensburg und hat ihre Tochter in Stuttgart besucht. Nun nutzt sie die wenigen Minuten bis zur Abfahrt, um sich einmal selbst ein Bild zu machen.

"Ich wollte das jetzt auch mal sehen, dann kann man mal mitreden", sagt sie. Ein bisschen die Ohren gespitzt habe sie auch, schließlich sei es ja ganz interessant, was die Leute hier so diskutieren.

Ob dafür oder dagegen: Fotos vom Zaun müssen sein


Neben Heidemarie wartet ein älterer Herr im Anzug mit Einstecktuch geduldig, bis seine Frau zurück ist. Die ist, mit einer Kamera in der einen Hand und einer Handtasche in der anderen, gerade dabei, den Bauzaun aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren. Eigentlich wollten sie nur ein befreundetes Ehepaar vom Bahnhof abholen. Nun ist auch gleich noch ein kleiner Abstecher zum Nordflügel daraus geworden.

Ruth hingegen kommt aus München. Sie war mit ihrem Mann auf der Rückreise von der Toskana und hat mit ihm spontan einen Zwischenstopp in Stuttgart eingelegt. "Wir haben uns dann zu den Demonstranten gestellt", sagt sie, während sie den Bauzaun fotografiert. Egal ob dafür oder dagegen, Fotos machen an diesen Tagen viele, die am Absperrgitter stehen. Egal ob sie Trolley oder Trillerpfeife dabeihaben.

Führungen
Die ersten beiden 30-minütigen Führungen der Stuttgarter Kunstvermittlung finden heute um 17 Uhr und um 17.30 Uhr statt. Treffpunkt der Teilnehmer ist vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofes; es wird um Anmeldung gebeten (Tel. 0711/765 71 84).
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Kommentare (11)
Kommentarregeln
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SEP
03
19:16 Uhr, geschrieben von Anwohner2
Berühmt oder berüchtigt?
@ Frau Sorg Kunst entsteht durch Freiheit. Was wir hier sehen ist bös zensiert. Jeder, der das von den selbst ernannten Protestwächter geforderte Maß an Beschimpfungen nicht erfüllt hat wurde entfernt. Das ist keine Kunst, sondern ein Gehässigkeitsparcour, Propaganda, die viel über den Protest sagt, nichts über das Projekt. Pro
SEP
03
13:49 Uhr, geschrieben von Dr. Kurt Wilms
Endstation Vernunft
Die aktuellen Entwicklungen, insbesondere die als von der DB "streng geheim" klassifizierte Studie (Ergebnis: Irrentabilität der Neubaustrecke Stgt.-Ulm) werden nun auch die letzten ehemaligen Befürworter des S21-Wahnsinns zur Einsicht bringen. Stuttgart 21 ist Geschichte und wird sich definitiv nicht mehr realisieren lassen. Neben den eingesparten Milliarden freuen sich die Bürgerinnen und Bürger v.a. darüber, dass ihnen die hässliche "Neugestaltung" des Schlossgartens mit den Akne-Lichtkuppeln sowie der Neubau einer sterilen Schnösel-Wohnsiedlung im Bereich der Gleisanlagen erspart bleiben. Unglaublich, mit welcher Ignoranz das Grüppchen der Befürworter das "Projekt" gegen den Willen des (zahlenden) Volkes durchpeitschen wollte ! Die verantwortlichen Politiker und Vetterleswirtschafter sollten sich schämen.
SEP
03
13:25 Uhr, geschrieben von statistikes
einzelhandelsbetriebswirt
"Bei der privaten Reiseagentur würde es sich um die kommerzielle Nutzung einer Angebotsniesche handeln. Ein ganz normaler und begrüßenswerter Vorgang in einer Marktwirtschaft. Schafft neue Arbeitsplätze und sorgt eventuell sogar für mehr Fleischkäsbrötchenumsatz für die gebeutelten Einzelhandelsbetriebe am Hauptbahnhof." na mesotron, super dass du dir die zeit nimmst, das nochmal für uns alle aufzurollen - vllt mehr fleichkäsbrötchenumsatz. was ich nicht ganz checke: werden eventuell auch mehr tomaten-mozarella brötchen verkauft? da bei yormaz? wäre ja eher scheiße, wenn sich die ganze Kaufkraft nur auf die LKW's konzentrieren würde. da ist der wirtschaftsteil mal wieder mit dir durchgegangen und durch deine nimmersatte rechnungswesen-gehirnhälfte gerattert, oder?
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