Führungswechsel in Walldorf SAP-Chef scheitert an Mitarbeitern
Klaus Dieter Oehler, 09.02.2010 07:28 Uhr
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SAP-Vorstandschef Léo Apotheker trat am Sonntagabend überraschend zurück. Foto: dpa
SAP-Vorstandschef Léo Apotheker trat am Sonntagabend überraschend zurück. Foto: dpa
Walldorf - Hasso Plattner wollte der Angelegenheit offenbar die Schärfe nehmen. Es sei schon recht lange her, sieben Jahre genau, dass er in diesem Raum gesessen habe, scherzte der Gründer des Walldorfer Softwareriesen SAP zum Beginn der Telefonkonferenz mit Journalisten.

Doch nun müsse er persönlich mit den Missverständnissen aufräumen, die nach der Nachricht entstanden seien, dass Vorstandschef Léo Apotheker völlig überraschend am Sonntagabend das Handtuch geworfen hatte. Es habe zwischen ihm und Apotheker keinen Dissens über die Strategie gegeben, betonte Plattner.

Eine Doppelspitze soll den Konzern leiten


Und es sei auch völlig falsch, dass der seit Juni 2009 als alleiniger Chef amtierende Apotheker Fehler gemacht habe. Eine Erklärung dafür, warum der Manager nach 20 Jahren bei SAP mit gerade mal 56 Jahren so plötzlich in den Ruhestand tritt, blieb Plattner allerdings schuldig. Er dankte ihm nur und auch seinem Weggefährten Henning Kagermann, die beide viele Jahre einen guten Job gemacht haben. Er erinnerte daran, dass er für die Ernennung Apothekers verantwortlich gewesen sei - und nun sei er auch verantwortlich für den Wechsel.

Künftig soll wieder ein Doppelspitze die Geschicke von Europas größtem Softwarehersteller lenken, mit der man schon über viele Jahre gute Erfahrungen gemacht habe, wie Plattner sagte. Der Vertriebsmann Bill McDermott und der Produktentwickler Jim Hagemann Snabe werden gleichberechtigte Vorstandschefs. Dies soll keine Übergangslösung sein, betonte der Aufsichtsratschef. Neu in den Vorstand hatte der Aufsichtsrat am Vorabend noch den Inder Vishal Sikka, den bisherigen Technologiechef berufen. Plattner selbst werde der neuen Führungsmannschaft beratend zur Seite stehen, erklärte der Aufsichtsratschef. Und damit wird deutlich, dass der Großaktionär von SAP, der sich seit seinem Ausscheiden aus dem Tagesgeschäft 2003 mehr dem Mäzenatentum gewidmet und viel Zeit in Südafrika verbracht hat, wohl künftig wieder häufiger in Walldorf auftauchen wird.

Grundsätzlich, so betonte Plattner, solle auch das neue Team die bisherige Strategie beibehalten sowie den Fokus weiter auf profitables Wachstum legen. Ziel sei es, mit den Innovationen die führende Position im Markt 2010 noch auszubauen. Genau das hatte auch Léo Apotheker auf der Bilanzpressekonferenz Ende Januar angekündigt. "Unser Wachstum ist wieder da", hatte er erklärt und versprochen, dass dieses Jahr ein starkes Jahr für SAP werde.

"SAP soll eine glückliche Firma werden"


Auch wenn Plattner versuchte, die "einvernehmliche Trennung" von Apotheker nicht näher zu kommentieren, so konnte man doch aus einer Nebenbemerkung erkennen, woran es dem geschassten Vorstandschef offenbar gemangelt hat. "Wir sind ein Unternehmen, das Gewinn machen muss", sagte Plattner. "Das werden wir aber nur tun, wenn wir auch ein glückliches Unternehmen sind und auch unsere Kunden glücklich sind. Ich werde alles dafür tun, dass SAP wieder eine glückliche Firma wird", sagte der Aufsichtsratschef. Apotheker aber hatte mit seiner Entscheidung, die Wartungsgebühren deutlich anheben zu wollen, bei den Kunden erhebliche Verärgerung ausgelöst. Der Vorstand machte die Erhöhung daraufhin rückgängig.

Auch bei den Mitarbeitern kam der Umgangston des Vorstandschefs nicht gut an. Die IG Metall schreibt auf einer Internetseite für SAP-Beschäftigte, dass bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit die Zustimmungsrate des Vertrauens in den Vorstand nur von der Hälfte positiv beantwortet worden sei. Durch den überraschenden Führungswechsel zeigten sich die Anleger verunsichert. Der Kurs der im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Aktie ging gestern um rund zwei Prozent zurück.

Apotheker war seit 2002 im Vorstand des Softwareriesen. Er rückte 2008 neben Henning Kagermann als Kospitzenmann auf und wurde im Juni 2009 alleiniger Vorstandschef von SAP. Sein Vertrag wäre dieses Jahr im Sommer ausgelaufen.
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