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Fünf neue Popvideos aus der Region So fremd fühlt sich Stuttgart an

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Musiker aus Stuttgart wählen in ihren Videos oft ungewöhnliche Perspektiven auf die Stadt. Im neuen Jatuna-Clip fühlt sich zum Beispiel Stuttgart ganz fremd an - und Itchy zeichnen ein schiefes Bild von ihrer Heimat Eislingen.

Das neue Jatuna-Video führt einen Clown durch ein fremd gewordenes Stuttgart. Wir finden die Bilder schön und dokumentieren einige der kafkaesken Ort in dieser Bilderstrecke. Foto: Florian Kaspar 9 Bilder
Das neue Jatuna-Video führt einen Clown durch ein fremd gewordenes Stuttgart. Wir finden die Bilder schön und dokumentieren einige der kafkaesken Ort in dieser Bilderstrecke. Foto: Florian Kaspar

Stuttgart - Wir versammeln an dieser Stelle ja immer wieder mal neue, sehenswerte Videos von Künstlern aus Stuttgart und beyond. Für die anstehende Pre-Sommerferien-Edition konzentrieren wir uns schwerpunktmäßig auf englischsprachige Musik, was nachlesbar den Einstieg in diesen Text geprägt hat.

Wir sehen das weder als Trend noch loben oder kritisieren wir es. Sondern spielen euch einfach neue Musik aus der Gegend vor. Und fangen auch prompt mit dem einzigen deutschsprachigen Song in unserer Liste an, weil der ein herrlich tristes, stellenweise komisch-surreales Bild von Stuttgart zeichnet. Später kommen noch Itchy mit einem Video aus Eislingen und Roman Wreden von viel weiter weg. Los geht's!

 

Jatuna, "Destination"

Das aktuelle Jatuna-Album haben wir beim Erscheinen als "Ergebnis einer heimlichen Translokation" bezeichnet, oder einfacher: klingt nach Hamburger Schule, komt aber aus Stuttgart. Jetzt hat die Band ein neues Video veröffentlicht, zum Song "Destination". Klingt auch ein bisschen englisch, wird aber auf Deutsch gesungen und enthält schöne Zeilen wie "Die ganzen Gebäude hier sind mir so fremd / Ich hab' doch nur nachgedacht  / Ein bisschen gepennt". Dazu läuft ein Clown durch den gentrifizierten Gerberviertel-Teil der Tübinger Straße und das Europaviertel, Fritz-Kuhn-Zitat: "kafkaesk".

"Ich wunder mich, dass sich alles so gleich anfühlt", singen Jatuna über weitere Bilder aus Stuttgart. Bitte einmal nachvollziehen und am 16.8. ins Merlin zum Jatuna-Gig beim Klinke-Festival gehen:

 

Itchy, "Fall Apart"

Auch Itchy setzen sich mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander - in dem Fall Eislingen, Germany. Der Ort kommt in dem neuen Video "Fall Apart" ähnlich schräg rüber wie Stuttgarts neueste schicke Ecken. Während wir auf das erste #DoQu-Popvideo warten, schauen wir eben erstmal ins Filstal. Das neue Itchy-Album (bekanntlich inzwischen ohne "Poopzkid" dahinter) steht auch in den Startlöchern und dieses Video kommt wesentlich weniger düster daher als der erste Album-Teaser.

"Nothing's better than last year / The Wi-Fi signal is weak here", singen Itchy. Dazu sieht man Kornfelder, Wohngebiete und künstlichen Regen bei Nacht. So ungefähr muss es sich für Die Nerven angefühlt haben, ehe sie aus ihren Dörfern ausbrachen, um am Nordbahnhof gemeinsam zu musizieren. 

 

Real War, "Distance"

Ist Ihnen, liebe Leser, im Itchy-Video-Titelbild das "Make Musikvideo Great Again" aufgefallen? Vielleicht einfach nochmal hochschielen und dann weiterlesen, ist nämlich der perfekte Übergang zu Real War. Das Kaufmann-Frust-Nebenprojekt haben wir am 11. November, kurz nach der US-Wahl, als "Musik für die Trump-Jahre" bezeichnet. Jetzt ist das erste Trump-Jahr noch nicht mal rum, aber alles noch viel schlimmer als damals gedacht.

"Distance" ist auch dafür sehr passend. Es zeigt, zu Depeche-Mode-artigem Electro-Pop, eine Welt, die aus den Fugen gerät - vielleicht weniger politisch, aber eben symbolisch und auf zwischenmenschlicher Ebene. Was in der Regel ja noch schlimmer ist als politisches Chaos.

 

 

End of Green, "The Door"

Wie Itchy bringen auch End of Green bald ein neues Album heraus. "Void Estate" heißt der Longplayer, Release am 18. August auf Napalm Records zum 25-jährigen Bandbestehen. "End of Green kommen von der dunklen Seite der Sonne", heißt es in der Pressemitteilung, und weiter: "Berührend intim singt Michelle Darkness übers Altern, Verlust und Einsamkeit".

Das Video montiert düstere Fotos, hochkontrastige Straßenszenen und Bilder der Band selbst, darunter auch unser Autor Michael Setzer. Also bitte bis zum Ende ansehen:

 

Roman Wreden, "Nick of Time"

Zum Abschluss noch etwas Wohlklang. Roman Wredens aktuelles Album, erschienen im September, enthält angenehm balladeske Folksongs im Bandarrangement, die immer wieder mal ganz, ganz leicht Richtung Mittelalterharmonien schielen. Die düstere Romantik, die sich daraus fast zwingend ergibt, ist nicht nur im alten, sondern auch im neuen Video perfekt eingefangen. 

Gedreht wurde auch dieses Album in den Beelitzer Heilstätten und überdies in Wales. Wenn wir da das nächste Mal hinkommen, steht der Soundtrack bereits fest:

 

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