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Fundstücke in Winterbach Blickensdörfers Erbe ist zu Hause
Harald Beck, 09.02.2012 12:04 Uhr
Dutzende Bände des „Sportbericht“ aufgetaucht Foto: Michael Steinert
Dutzende Bände des „Sportbericht“ aufgetaucht Foto: Michael Steinert
"Du, auf der Bühne liegen noch die alten Bände vom ‚Sportbericht‘ – und du bist doch ein Fußballverrückter"
Schwager von Hans Blickensdörfer

Winterbach - Eiskalt ist es droben auf dem Schurwald in Manolzweiler. Ziemlich eisig ist es auch auf dem Dachboden im Landgasthaus Hirsch. Und trotzdem ist dort am Donnerstag richtig Betrieb gewesen. Eine Schatzsuche quasi, denn unter dem Gebälk im altehrwürdigen Wirtshaus hat jahrelang ein echter Schatz geschlummert: gut ein Dutzend Bände der Zeitung „Sportbericht“ aus den 50er und 60er Jahren. Eine Rarität, gesammelt von „bli“, dem legendären einstigen StZ-Chefreporter und Kolumnisten Hans Blickensdörfer Fundstücke, die künftig die lückenhaften „Sportbericht“-Bestände im Archiv der Stuttgarter Zeitung ergänzen werden.

Hirsch-Wirt in der Sportszene zu Hause

Blis Sportberichtserbe auf der Bühne im Hirsch in Manolzweiler? Um das zu verstehen, muss man wissen, dass der Hirsch-Wirt Walter Daferner nicht nur ein Faible dafür hat, hungrige Mäuler mit gehobener schwäbischer Kulinarik und nachfolgendem Selbstgebranntem zu stopfen, sondern auch in der Sportszene heftig zu Hause ist. Rund eineinhalb Jahrzehnte lang hat er zusammen mit seinem Vetter die Stadiongastronomie beim VfB betrieben. Und von MV bis zu den Vereinsbossen heute hat so ziemlich alles schon mehrfach im Hirsch gespeist, was bei den Roten zwischen Jogi Löw, Trapattoni, Veh oder Daum so Rang und Namen hatte.

Auf dem Dachboden gestrandet

Und so ist vor gut zehn Jahren auch der Schwager von Blickensdörfer, der nach dessen Tod sein Häusle in Hochdorf übernommen hat, irgendwann auf den Walter zugekommen. „Du, auf der Bühne liegen noch die alten Bände vom ‚Sportbericht‘ – und du bist doch ein Fußballverrückter“, hat jener Bli-Schwager damals zum Hirsch-Wirt gesagt, erzählt Walter Daferner. Denn die Versuche, den bibliophilen Zeitungsschatz beim VfB Stuttgart oder den Stuttgarter Kickers an den Mann zu bringen, waren damals samt und sonders gescheitert. Und so sind die gesammelten „Sportberichte“, bevor sie womöglich beim Altpapier gelandet wären, auf dem Hirsch-Dachboden gestrandet: „Dreimal ist der damals mit dem voll gepackten Auto hergefahren.“

Archivmitarbeiter begeistert

Ein Hirsch-Gast, der Weinstädter VfB-Fan Ewald Hetz ist es dann gewesen, der zum Hirsch-Wirt gesagt hat, von dem Zeitungsjuwel auf der Bühne müsse er doch mal den heutigen Sportjournalisten bei der StZ erzählen. Der Kolumnist Oskar Beck hat sich dann die Sache angeschaut und schließlich den Kontakt mit dem Zeitungsarchiv hergestellt, das spontan begeistert war. Denn just einige der Bände auf dem Hirsch-Dachboden, die fehlten bisher dort in der Sportberichtsammlung, sagt die Archivchefin Hanna Klenk.

Walter Daferner gibt die gewichtigen Bände gern aus der Hand. Und über die Gegenleistung ist man sich auch einig. Den dreistelligen Betrag, den er für die Archivstücke erhält, spendet der Hirsch-Wirt: für die StZ-Aktion „Hilfe für den Nachbarn“. Und vielleicht, so hofft er, springt auch ein bissle was raus für ein in Manolzweiler heiß ersehntes Ruhebänkle beim Kirchturm.

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