Funktionssohle
Der unauffällige Gelenk-Airbag
Hans Jörg Wangner,
27.06.2010 12:34 Uhr
Die Airbag-Sohle massiert die Füße, riecht nach Gummi und hinterlässt mit der Zeit Flecken im Schuh. Foto: Saro
Stuttgart - Es ist manchmal schon ein Kreuz mit den Füßen. Und mit den Knien. Und mit dem Rücken. Spätestens wenn man die 40 hinter und die 50 vor sich hat, vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht mit dem einen oder mit dem anderen oder mit dem dritten Malheur hätte. Wie schön wäre es also, wenn man die Beschwerden um 15 (Rücken), um 20 (Füße), ja sogar um 25Prozent (Knie) reduzieren könnte, und das auch noch wissenschaftlich nachgewiesen? Der Gelenk-Airbag aus dem Hechinger Hause Saro verspricht diese kleinen Wunder und hat sich das von Tübinger Wissenschaftlern bestätigen lassen. Ein Team der Eberhard-Karls-Universität hat Probanden bei einem Autozulieferer gesucht, die sich freiwillig die moosgrüne Einlegesohle in die Schuhe schoben und warteten, was geschah. Ergebnis in Zahlen: siehe oben.
Mehr noch: 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, dank Gelenk-Airbag weniger zu ermüden, 65 Prozent berichteten sogar von einem höheren Wohlbefinden. Was für Leute gut ist, die Stunde um Stunde an Maschinen stehen, kann einem Mann in den besten Jahren nicht schaden, der zwar meist am Schreibtisch hockt, jeden Tag aber einen Berg hinablaufen muss, um zur S-Bahn zu kommen. Ist auf dem abendlichen Heimweg mit einer gewissen Müdigkeit zu rechnen, so kommt morgens die Komplikation dazu, dass an der linken Hand ein Vierjähriger geht, auf den Schultern eine - zum Glück zierliche - Eindreivierteljährige sitzt und auf dem Rücken ein Rucksack mit Vesper, Wechselklamotten und Fahrtlektüre hängt.
Auch wenn kleine Kinder alles andere als ein Problem sind: wenn der Gelenk-Airbag dazu betrüge, auf dem morgendlichen Geschwindmarsch "Probleme zu reduzieren und Leistung zu steigern" (so der Hersteller), ja wenn "die Lösung gehen wie auf Waldboden" (dito) heißt, dann müsste der Weg zur S1 zu einem wahren Elfentanz werden. Nur: ein Vierteljahr seit dem ersten Einsatz des Airbags (unterbrochen von nur wenigen Tagen ohne) hat sich - wenig bis gar nichts getan. Nicht, dass die Einlage als solche unangenehm wäre. Im Gegenteil: sie trägt nur wenig auf (allerdings müssen die Schuhe unbedingt geräumig sein) und es tritt auch ein leichter Massageeffekt ein. Selbst an warmen Tagen wird der Schuh nicht gleich zur Waschküche, auch wenn sich diese Aussage in diesem Jahr mangels Wärme nicht endgültig untermauern ließ.
Minuspunkte verdient der Airbag aber für seine mangelnde Farbechtheit: die serienmäßig rotgelbe Einlegesohle des meistens benutzten Versuchsschuhs hatte binnen kurzem schwarze Flecken. Das mag bei Arbeitsschuhen wurscht sein, im Privatleben stört es aber schon ein bisschen. Und der vierjährige Co-Tester hat dem leichten Gummigeruch eine, wie wir finden, doch etwas zu harsche Wertung gegeben: "Mh - das stinkt. Das hab ich gerochen." Positiv schlagen zu Buche, dass die Testsohle auch nach einem Vierteljahr Beinahedauereinsatz noch wirklich gut dalag und der Einzelpreis von 9,95 Euro, bei dem man im Vergleich zu anderen, universitär nicht geadelten Einlagen nichts falsch macht. Kleine Notiz am Rande: Saro hat für Arbeitgeber noch ein Bonbon parat. "Wenn ein Mitarbeiter durch den Gelenk-Airbag eine Entlastungspause (Klopause) pro Jahr weniger benötigt, hat sich der Gelenk-Airbag schon amortisiert", steht im Prospekt.
Fazit: bei allem Respekt vor mittelständischer Innovationskraft und wissenschaftlichem Erkenntnisstreben erinnert der Gelenk-Airbag ein bisschen an die Beethoven-Anekdote, nach der der Komponist einen Priester um den kirchlichen Segen gebeten haben soll. Sprach der Geistliche über dem geneigten Haupt des tauben Musikers: "Nutzt's nix, so schadt's nix."
Mehr noch: 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, dank Gelenk-Airbag weniger zu ermüden, 65 Prozent berichteten sogar von einem höheren Wohlbefinden. Was für Leute gut ist, die Stunde um Stunde an Maschinen stehen, kann einem Mann in den besten Jahren nicht schaden, der zwar meist am Schreibtisch hockt, jeden Tag aber einen Berg hinablaufen muss, um zur S-Bahn zu kommen. Ist auf dem abendlichen Heimweg mit einer gewissen Müdigkeit zu rechnen, so kommt morgens die Komplikation dazu, dass an der linken Hand ein Vierjähriger geht, auf den Schultern eine - zum Glück zierliche - Eindreivierteljährige sitzt und auf dem Rücken ein Rucksack mit Vesper, Wechselklamotten und Fahrtlektüre hängt.
Die Sohle bleibt unauffällig
Auch wenn kleine Kinder alles andere als ein Problem sind: wenn der Gelenk-Airbag dazu betrüge, auf dem morgendlichen Geschwindmarsch "Probleme zu reduzieren und Leistung zu steigern" (so der Hersteller), ja wenn "die Lösung gehen wie auf Waldboden" (dito) heißt, dann müsste der Weg zur S1 zu einem wahren Elfentanz werden. Nur: ein Vierteljahr seit dem ersten Einsatz des Airbags (unterbrochen von nur wenigen Tagen ohne) hat sich - wenig bis gar nichts getan. Nicht, dass die Einlage als solche unangenehm wäre. Im Gegenteil: sie trägt nur wenig auf (allerdings müssen die Schuhe unbedingt geräumig sein) und es tritt auch ein leichter Massageeffekt ein. Selbst an warmen Tagen wird der Schuh nicht gleich zur Waschküche, auch wenn sich diese Aussage in diesem Jahr mangels Wärme nicht endgültig untermauern ließ.
Minuspunkte verdient der Airbag aber für seine mangelnde Farbechtheit: die serienmäßig rotgelbe Einlegesohle des meistens benutzten Versuchsschuhs hatte binnen kurzem schwarze Flecken. Das mag bei Arbeitsschuhen wurscht sein, im Privatleben stört es aber schon ein bisschen. Und der vierjährige Co-Tester hat dem leichten Gummigeruch eine, wie wir finden, doch etwas zu harsche Wertung gegeben: "Mh - das stinkt. Das hab ich gerochen." Positiv schlagen zu Buche, dass die Testsohle auch nach einem Vierteljahr Beinahedauereinsatz noch wirklich gut dalag und der Einzelpreis von 9,95 Euro, bei dem man im Vergleich zu anderen, universitär nicht geadelten Einlagen nichts falsch macht. Kleine Notiz am Rande: Saro hat für Arbeitgeber noch ein Bonbon parat. "Wenn ein Mitarbeiter durch den Gelenk-Airbag eine Entlastungspause (Klopause) pro Jahr weniger benötigt, hat sich der Gelenk-Airbag schon amortisiert", steht im Prospekt.
Fazit: bei allem Respekt vor mittelständischer Innovationskraft und wissenschaftlichem Erkenntnisstreben erinnert der Gelenk-Airbag ein bisschen an die Beethoven-Anekdote, nach der der Komponist einen Priester um den kirchlichen Segen gebeten haben soll. Sprach der Geistliche über dem geneigten Haupt des tauben Musikers: "Nutzt's nix, so schadt's nix."
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