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Fußball-Nationalmannschaft Die deutsche Stürmerdämmerung

Marko Schumacher, 25.03.2013 13:56 Uhr

Nürnberg - Den Sommerurlaub will sich Stefan Kießling nicht nehmen lassen. Nein, hat der lange Mittelstürmer von Bayer Leverkusen dieser Tage gesagt, er habe kein Interesse daran, im Anschluss an die Bundesligasaison mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die USA zu reisen. Er will kein Notnagel sein, wenn mutmaßlich noch mehr Spieler fehlen als beim WM-Qualifikationsspiel am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Nürnberg gegen Kasachstan – das Thema sei für den Mann, der in dieser Saison bereits 16 Bundesligatore erzielt hat, „gegessen“.

Vergeblich hat Kießling zuvor auf eine Rückkehr ins DFB-Team gehofft, obwohl Miroslav Klose verletzt ist. Und er ist auch nicht gefragt worden, obwohl sich Mario Gomez den Oberschenkel gezerrt hat, beim 3:0-Hinspielsieg in Astana nicht mitwirken konnte und fürchten muss, auch für das Rückspiel noch nicht fit zu sein. Stattdessen ist neben dem Linksverteidiger Marcell Jansen und Sven Bender der Gladbacher Patrick Herrmann (22) für die Offensive nachnominiert worden, während Julian Draxler (Gehirnerschütterung) und Bastian Schweinsteiger (Gelbsperre) abgereist sind. „Falls Mario Gomez nicht einsatzfähig sein sollte, ist Herrmann ein anderer Stürmer, der gut in unser Konzept passt“, sagt der Teammanager Oliver Bierhoff.

Die Berufung des gelernten Mittelfeldspielers, 1,79 Meter groß und 69 Kilogramm leicht, ist ein weiterer Beleg für die Stürmerdämmerung in der deutschen Elf. „Diese Diskussion schwappt ein bisschen über“, sagt Joachim Löw zwar, „wir wollen die Neun nicht abschaffen, wir wollen nur variabel sein.“ Dabei tendiert der Bundestrainer aber ganz offensichtlich immer stärker zum „spanischen System“, das keinen langen Keilstürmer in der Spitze vorsieht, sondern einen der vielen kleinen, schnellen, wendigen Filigrantechniker.

Kein Stürmernachwuchs in Sicht

Löw reagiert damit einerseits auf den Umstand, dass die Auswahl an gelernten Stürmern in Deutschland begrenzt ist. Klose wird bei der WM im nächsten Jahr 36 Jahre alt sein; Gomez muss in München um seinen Platz kämpfen; und für Kießling gelte: „Manchmal wird die Luft international dünner als in der heimischen Liga.“ Ansonsten ist niemand in Sicht, was Bierhoff auf der veränderte Ausbildung zurückführt: „Es hieß immer: wir brauchen technisch starke Leute. Deswegen haben wir jetzt so viele, die nicht mehr die klassischen Positionen einnehmen. Dementsprechend hat sich das Spiel verändert.“

Mit Leuten wie Mario Götze, Mesut Özil oder Marco Reus sieht Löw andererseits offenbar die besseren Chancen, den Abwehrriegel der Gegner zu knacken. Immer tiefer stehen sie, wenn es gegen Deutschland geht, mittlerweile in der Defensive; immer knapper wird der Platz – und immer größer demnach der Bedarf an überraschenden Lösungen, wie sie die vielen hoch veranlagten offensiven Mittelfeldspieler in Reihen des DFB-Teams zu finden in der Lage sind. „Das macht uns in gewisser Weise flexibler, unberechenbarer – das ist der entscheidende Faktor“, sagte Mario Götze nach dem 3:0-Sieg in Kasachstan, bei dem der Dortmunder wie beim 0:0 in November in den Niederlanden die Rolle an vorderster Front eingenommen hatte.

Wegen der Zerrung von Gomez, dem einzigen echten Stürmer im DFB-Kader, war es Löw am Freitagabend in Astana abgenommen worden, sich für eine richtige oder falsche Neun zu entscheiden. Er wisse nicht, ob er Gomez aufgestellt hätte, sagte der Bundestrainer – und war nach der Partie, in der die Kasachen „wie beim Feldhandball mit zehn Mann um den Strafraum standen“, durchaus angetan vom kreativen Offensivspiel seiner Mannschaft.

Löw lobt den Spielfluss

Zumindest in der ersten Hälfte in der Astana-Arena registrierte der Bundestrainer „einen guten Spielfluss, weil wir variabel waren“. Grundsätzlich gelte: „Egal, wer da vorne spielt – er muss vor allen Dingen auch torgefährlich sein und Richtung Tor ziehen. Solange die Positionen besetzt sind, ist es gut. Wenn sie nicht gehalten werden, dann wird es eben schlecht, wenn alle ins Mittelfeld kommen.“

Im StZ-Interview hatte Mario Gomez („Jede Mannschaft braucht einen Killer“) vergangene Woche ein energisches Plädoyer für den Erhalt des Mittelstürmers gehalten. Nun hofft der Münchner, rechtzeitig fit zu werden und morgen die Chance zu erhalten zu zeigen, dass Spielertypen wie er tatsächlich auch weiterhin benötigt werden. Sicher sollte sich Gomez nicht sein. Noch mehr als im Hinspiel dürfte sich Kasachstan vor dem eigenen Tor verbarrikadieren. Und Oliver Bierhoff sagt: „Gerade beim Flachpassspiel, das wir bevorzugen, ist es nicht immer ganz so wichtig, vorne einen Keilstürmer zu haben.“