Fußballprofis bei Facebook Das Alter Ego von Kevin Kuranyi

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Die Fans glauben, auf Facebook nur einen Klick von den Fußballstars entfernt zu sein. Ein Irrtum – die Einträge formulieren in der Regel PR-Agenturen, zum Beispiel in Schornbach. Ein Ortsbesuch.

Imagepflege: seine Facebookseite lässt sich der Fußballer Kuranyi von  Werbeprofis bestücken – das Material dazu liefert er selbst. In der Bilderstrecke zeigen wir zwei Beispiele. Foto: StZ 5 Bilder
Imagepflege: seine Facebookseite lässt sich der Fußballer Kuranyi von Werbeprofis bestücken – das Material dazu liefert er selbst. In der Bilderstrecke zeigen wir zwei Beispiele.Foto: StZ

Schornbach - Es klingt nach schwerer Schizophrenie: Jürgen Knappenberger gibt sich erst für den früheren Nationalspieler Kevin Kuranyi aus, denkt sich dann in Hertha-Stürmer Julian Schieber hinein und wenn es passt, tut er auch noch so, als sei er der Trainer Andreas Hinkel. In andere Identitäten hineinzuschlüpfen ist der Berufsalltag des 43-jährigen Öffentlichkeitsarbeiters, er schickt im Auftrag und Namen von Fußballprofis Statements in die Welt, mal ernste Kommentare, mal Unterhaltsames – jede Menge Stoff für die Facebookfans der Sportler.

Auf der Seite von Andreas Hinkel liest sich das so: „Der Foto-Beweis: An mir ist die Zeit völlig spurlos vorübergegangen!“ Darunter ein aktuelles Bild, das den Ex-VfB-Profi neben einem etwas älteren Foto zeigt – der Spieler früher und heute.

Solche Einträge zu formulieren ist Tagesgeschäft für Knappenberger und seine Kollegen Hannah Kluwe, 31, sowie Carsten Meyer, 41. Zusammen leiten sie die Firma Spirit: eine PR-Agentur in Schornbach im Remstal, die etwa die Hälfte ihres Umsatzes mit Öffentlichkeitsarbeit für Fußballprofis macht. Immerhin zehn Spieler hat die Agentur unter Vertrag. Spirit vermittelt Interviews, pflegt Websites und die Auftritte in den sozialen Medien, also bei Facebook, Twitter und dem zunehmend beliebten Bildernetzwerk Instagram.

Es wirkt so, aber die Stars schreiben nicht selbst

Stars veröffentlichen in den sozialen Medien Fotos oder grüßen von unterwegs. Die Seiten tragen ihren Namen und ihr Profilbild: Hier wirkt alles so, als schrieben und knipsten die Fußballer selbst. Doch es sind nicht die Stars, die schreiben.

Durch die Bank kümmern sich Spielermanager und seit einigen Jahren auch spezialisierte Medienberater um die Öffentlichkeitsarbeit für Fußballprofis – je mehr Fans ein Star bei Facebook hat, desto größer der Apparat dahinter. Wenn beispielsweise auf der Facebook-Seite von Mesut Özil mit knapp 28 Millionen Abonnenten ein wie immer in mehrere Sprachen übersetzter Eintrag auftaucht, sind daran beteiligt: der Münchner Social-Media-Dienstleister Result Sports, Özils PR-Manager Roland Eitel sowie die von Özils Bruder Mutlu geleitete Özil Marketing GmbH. Steht alles im Impressum. Niemand wird etwas vorgegaukelt. Oder doch?

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2 KommentareKommentar schreiben

Diese ganze Verarsche zeigt den wirklichen Wert von Facebook, Twitter & Co und ist ein Bild unserer Social-Media-Gesellschaft. Und das ist ja nicht nur bei den Sportlern so, sondern auch bei jedem Politiker. Vielleicht mit Ausnahme von Facebook-OB Boris Palmer, der noch persönlich in seine Fettnäpfchen tritt.

Wer hätt' au des denkt?: Aber überall berichten die Medien über angebliche Twitter-Meldungen oder Facebook-Statements von Prominenten bis hin zum Papst. Liebe StZ, eid doch auch als Medium so ehrlich und sagt, dass die Aussagen nicht nur bei Kuranyi von Medienprofis geschrieben werden und verzichtet darauf, sie zu veröffentlichen.

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