Gabriel reist auf die Karibikinsel Unternehmen wollen mit Kuba ins Geschäft kommen

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel reist mit einer großen Wirtschaftsdelegation in den Karibikstaat. Mit dabei ist auch der Deutschen Industrie- und Handelskammertag, der dazu rät, auf Kuba zu investieren.

Außenminister Steinmeier war bereits im vergangenen Juli zu Gast bei Kubas Staatschef  Raúl Castro (links). Nun folgt ihm Wirtschaftsminister Gabriel. Foto: dpa
Außenminister Steinmeier war bereits im vergangenen Juli zu Gast bei Kubas Staatschef Raúl Castro (links). Nun folgt ihm Wirtschaftsminister Gabriel.Foto: dpa

Berlin - Auf der Karibikinsel Kuba geben sich Wirtschaftsdelegationen und Investoren zur Zeit die Klinke in die Hand. Nachdem Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Juli als erster bundesrepublikanischer Außenminister den Staat besuchte, macht sich nun Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Reise. Von Mittwoch an führt Gabriel drei Tage lang Gespräche mit der Regierung, die vom kubanischen Präsidenten Raúl Castro geführt wird. Begleitet wird Gabriel von einer großen Wirtschaftsdelegation mit 60 Unternehmern. Die vielen Reiseanfragen zeigten das große Interesse am Ausbau des bilateralen Handels und der Investitionen, erklärte das Ministerium. Gabriel will mit Regierungsvertretern darüber reden, wie das kubanische Wirtschaftsmodell flexibler gestaltet werden kann.

„Die Reise des Bundeswirtschaftsministers hat Signalcharakter“, sagte Volker Treier, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der Stuttgarter Zeitung. Kuba ist neben Nordkorea eines der letzten Länder mit sozialistisch-kommunistischer Führung. Dass Staatschef Castro das Land öffnen will, wird international stark beachtet. Die deutsche Wirtschaft setzt darauf, dass der Tropenstaat marktwirtschaftliche Reformen einleitet, doch der DIHK-Außenhandelschef Treier warnt vor überzogenen Erwartungen: „Bisher ist Kuba bei der wirtschaftlichen Öffnung über zarte Ansätze nicht hinausgekommen.“ Die rund 100 deutschen Unternehmen, die auf der Insel vertreten sind, kämpfen im Alltag mit vielerlei Schwierigkeiten. So dürfen sie ihre Mitarbeiter nicht selbst auswählen, stattdessen werden sie ihnen von den kubanischen Behörden vorgeschlagen. Auch die schlechte Zahlungsmoral und Probleme bei der Gründung von Gemeinschaftsunternehmen erweisen sich als hinderlich.

Spanier, Italiener und Franzosen investieren mehr

Aus Sicht des DIHK-Außenhandelschefs wird Kuba allein schon wegen seiner Insellage und seiner geringen Größe nie zu den Top-Handelspartnern der deutschen Wirtschaft gehören. Dennoch sieht die Kammerorganisation Nachholbedarf. „Gemessen am Potenzial schöpfen deutsche Unternehmen nicht das aus, was möglich ist“, sagt Treier. Spanische, italienische und französische Firmen liegen bei Geschäften mit dem Karibikstaat vorn. Die kubanische Staatswirtschaft ist auf Einfuhren angewiesen. Aus dem Ausland werden Lebensmittel, chemischen Produkte, landwirtschaftliche Maschinen und Arzneimittel bestellt.

Wirtschaftsminister Gabriel will die Infrastruktur zur Sprache bringen. Beim Ausbau von Straßen, Flug- und Seehäfen sieht er Chancen für deutsche Firmen. Der Minister wird den neuen Containerhafen Mariel besichtigen, der vor den Toren der Hauptstadt Havanna entsteht. Rund um den Hafen soll noch viel gebaut werden. Die kubanische Regierung will in der Nähe eine Sonderwirtschaftszone errichten, die Unternehmen beispielsweise steuerliche Vorzüge bieten soll.

Bestehendes US-Embargo beschert Europäern einen Vorteil

Seitdem die politische Eiszeit vor einem Jahr mit dem historischen Handschlag von US-Präsident Barack Obama und Raúl Castro beendet wurde, strömen Investoren aus der ganzen Welt nach Kuba. Nachdem sich Kuba vor Weihnachten auch noch mit öffentlichen Gläubigern im Pariser Club auf die Streichung von Altschulden einigte, stehen dem Land die internationalen Finanzmärkte offen. Die Sanktionen der USA bestehen allerdings vorerst weiter, sodass amerikanische Unternehmen noch nicht in Kuba investieren können. „Noch ist es nicht zu spät, weil der Kuchen noch nicht verteilt ist“, sagt DIHK-Experte Treier. Er erwartet, dass das US-Embargo nicht mehr vor den Präsidentschaftswahlen im November zurückgenommen wird. Damit haben deutsche Unternehmen noch einen Vorsprung. Es sei wichtig, dass sich die deutsche Wirtschaft in Position bringe.

Die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern will bald ein Verbindungsbüro für die deutsche Wirtschaft auf der Karibikinsel eröffnen, um den Unternehmen eine Anlaufstelle direkt vor Ort zu bieten. Bisher werden die auf Kuba tätigen Unternehmen von der deutschen Außenhandelskammer in Mexiko betreut.

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