Galgenberg in Böblingen Nur der Abriss ist beschlossen

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Der Böblinger Gemeinderat hat sich für einen Neubau von Kindergarten und Turnhalle im Wohngebiet Galgenberg entschieden, will aber die aufgebrachten Bürger mitreden lassen.

Kern des Konflikts: der Bolzplatz im Wohngebiet Galgenberg Foto: factum/Bach
Kern des Konflikts: der Bolzplatz im Wohngebiet Galgenberg Foto: factum/Bach

Böblingen - Der Protest der Anwohner hat Wirkung gezeitigt: Zumindest der Bolzplatz wird möglicherweise erhalten bleiben – auch zu einem hohen Preis. Allerdings hat sich der Böblinger Gemeinderat für einen Abriss des Kindergartens und der Kombination aus Turnhalle und Hallenbad im Wohngebiet Galgenberg entschieden. Wo und wie Kindergarten und Turnhalle neu gebaut werden, wird jedoch anders als bisher geplant mit den Bürgern besprochen. Sie hatten in einer Interessengemeinschaft mobil gegen einen Vorschlag der Verwaltung gemacht. Demnach wäre der Neubau auf dem Bolzplatz entstanden, um die Kosten niedrig zu halten. Bürgerbeteiligung war vom Rathaus erst zur Frage vorgesehen, was mit den durch die Abrisse frei gewordenen Flächen geschehen soll.

„Wir wollen die Gebäude- und Flächenstruktur am Galgenberg optimieren“, erklärte Wolfgang Lützner den Plan. Indem Kindergarten und Turnhalle in ein Gebäude zusammengelegt würden, entstehe mehr Freifläche, sagte der Oberbürgermeister. Der Bolzplatz sollte für den Neubau herhalten, um dem Kindergarten und der Schule teure und unkomfortable Interimslösungen in der Bauzeit zu ersparen. So lange könnten noch die bestehenden Gebäude genutzt werden. „Es war nie beabsichtigt, dass der Bolzplatz ersatzlos entfallen soll“, wehrte er sich gegen entsprechende Unterstellungen. Genauso wenig sei beabsichtigt gewesen, die durch den Abriss der alten Gebäude frei werdende Fläche für Wohnbau vorzusehen. „Die Frage, wie wir damit umgehen, wird selbstverständlich mit den Betroffenen diskutiert“, sagte Wolfgang Lützner.

Der Neubau soll auf der Fläche des Hallenbads entstehen

Die Interessengemeinschaft Galgenberg fordert, dass sowohl Kindergarten als auch Turnhalle bestehen bleiben: Sie sollen im Bestand saniert und ausgebaut werden. Ihrer Meinung nach hat die Verwaltung mit 15 Millionen Euro viel zu hohe Kosten dafür angesetzt. Die drei Neubauvarianten kosten 5,8 Millionen bis 7,4 Millionen Euro. „Eigentlich will man keine Änderung“, fasste Hans-Dieter Schühle die Stimmung auf dem Galgenberg zusammen. Der CDU-Fraktionschef hält es dennoch für sinnvoll, die in die Jahre gekommenen Gebäude abzureißen. „Aber der Bolzplatz scheint unheimlich wichtig zu sein“, räumte er ein. Deshalb ist die CDU zu einem Kompromiss bereit, der mindestens 800 000 Euro kostet: Der Neubau soll auf der Fläche des Hallenbads entstehen, weshalb für die dort untergebrachte Heizung der Schule und den Schulsport ein Ausweichquartier geschaffen werden muss.

„Bauen im Bestand birgt Risiken, die nicht kalkulierbar sind“, verteidigte Ralf Sklarski die Zahlen der Verwaltung. Überhaupt waren sich alle Fraktionen einig, dass Abriss und Neubau die bessere Lösung sind. Dadurch ließen sich höhere Qualitätsstandards sowohl im Kindergarten als auch der Turnhalle umsetzen, meinte Sven Reisch von den Grünen. Den kostengünstigsten Vorschlag auf dem Bolzplatz als Bauplatz wollte er sich von der CDU und Teilen der Freien Wähler auch nicht einfach als Möglichkeit streichen lassen. Immerhin müsste für die Turnhalle zwei Jahre lang ein Provisorium geschaffen werden. Und „das monetäre Argument“ hält Sven Reisch durchaus für schlagend. Zumal es sich bei dem Bolzplatz um eine Betonfläche handelt, als Ersatz dafür könnte eine hochwertigere Sportfläche erstellt werden.

„Ein rein emotionales Thema“

Statt eine Grundsatzentscheidung für eine von drei Varianten zu treffen, beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, mit den Bürgern in Dialog zu gehen. Der Antrag der FDP, bei null zu beginnen und einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszurufen, wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Will-Reinhart Braumann lobte zum Schluss noch die Vorschläge der Stadt. Auch er sei bei Besuchen auf dem Galgenberg als korrupt beschimpft worden, berichtete der CDU-Stadtrat. Seiner Ansicht nach wird der Bolzplatz lange nicht so intensiv genutzt, wie die Anwohner behaupten. „Es ist ein rein emotionales Thema“, sagte er, „man sollte es ernst nehmen, aber auf dem Teppich bleiben.“