Gangsta-Rap mit Haftbefehl Kein Kiezdeutsch bei Prinz Porno

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Prinz Porno ist nicht so nah am Pop dran wie zum Beispiel Cro. Aber wie der Panda-Rapper spricht auch er die Sprache der Jugend: „Der neue Shit ist whack“, rappt er in den Wagenhallen, frei übersetzt heißt das „Früher war alles besser“. Solche mehrheitsfähigen Botschaften spickt Prinz Porno genretypisch mit heftigen Bildern. „Jeden Monat wünsch ich mir, du verblutest an deinen Tagen“, ruft der Rapper jener „Bitch“ zu, die einst seine Freundin war. Hundert 17-Jährige schwenken begeistert die Arme und schreien mit.

Symptome einer verkorksten Jugend? Nun, im Prinz-Porno-Publikum und auf der Bühne wird nicht straßentypisches Kiezdeutsch gesprochen, sondern meist Hochdeutsch. Und: der erste Track auf Prinz Pornos Nummer-eins-Album befasst sich mit dem Selbsthass des Westens und dem politischen Islam – wann gab es das zuletzt im Pop?

Prinz Porno spielt seine Single „Parfum (Eau de Porneau)“: „Du stehst im Feuilleton von der ‚Zeit‘ und im ‚Spiegel‘“, rappt er. Unlängst ermittelte der Journalist Kevin Schramm, dass Prinz Porno und Haftbefehl einen ähnlich großen Wortschatz haben wie Goethe in seinem „Faust“. Das Wort „Feuilleton“ hingegen taucht noch im breitesten Rapper-Wortschatz erst seit Kurzem auf. Nicht ohne Grund: Bushido, Sido und Co. waren mit ihren Frauen-, Drogen- und Polizeigeschichten stets ein Fall fürs Vermischte; erst kürzlich schaffte es Bushido wieder dorthin, als er am Tag nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ ein Selfie im Pulli mit der Aufschrift „Paris“ verbreitete und dazu schrieb „Bald geht’s wieder rund“.

Mehr als ein Kompendium von Schimpfwörtern

Über die neue Generation der auf explizite Wortwahl spezialisierten Deutsch-Rapper, neben Haftbefehl und Prinz Porno etwa Kollegah, Zugezogen Maskulin oder die Antilopen Gang, wird derweil flächendeckend im Kulturteil berichtet – denn ihre Raps sind mehr als nur ein Kompendium aktuell angesagter Schimpfwörter.

Haftbefehls erster Hit heißt „Chabos wissen, wer der Babo ist“. Der Song kam im Herbst 2012 heraus. Ein Jahr später wurde „Babo“ (etwa „Chef“) zum Jugendwort des Jahres gewählt. Der Rapper mischt Deutsch, Kurdisch, Arabisch und andere Idiome zu einer „Metasprache aus prekärem Slang“, so die FAZ. Weitere Stimmen: „der deutsche Dichter der Stunde“ („Zeit“), „Hip-Hop wieder mit Sprengkraft“ („Deutschlandradio Kultur“) oder „Albtraum des deutschen Spießbürgers“ (StZ). Haftbefehl verbreitet die Links stolz über seine Facebook-Seite.