Ganztagsgrundschulkonzept des Landes Bildungsgewerkschaft nur halb zufrieden

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Zum Schuljahrsbeginn kritisiert die Bildungsgewerkschaft GEW das Konzept der Landesregierung zur Ganztagsgrundschule. Sie warnt auch davor, Lehrerstellen zu streichen und lehnt ein flächendeckendes neunjähriges Gymnasium rundweg ab.

Das Mittagessen an der Ganztagsschule gehört zu den Aufgaben der Gemeinden. Wenn es nach der GEW ginge, müssten sie auch für freiwillige Angebote aufkommen. Foto: dpa
Das Mittagessen an der Ganztagsschule gehört zu den Aufgaben der Gemeinden. Wenn es nach der GEW ginge, müssten sie auch für freiwillige Angebote aufkommen.Foto: dpa

Stuttgart - Am Bildungskonzept der CDU hat Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vieles auszusetzen, zu einem uneingeschränkten Lob für die grün-rote Landesregierung mag sie sich aber auch nicht durchringen.

Wenn sie darauf verzichte, Lehrerstellen zu streichen, dann sei die Regierung bildungspolitisch auf einem ganz guten Weg, windet sich Moritz, weiter will sie aber nicht gehen. Die GEW sieht bis zum Jahr 2020 keinen Spielraum, Lehrerstellen zu streichen, auch wenn die Schülerzahlen sinken. Ausgeschlossen sei, in den nächsten beiden Jahren auf jeweils 1800 Stellen zu verzichten, was die Regierung ursprünglich vorgesehen hatte. Die GEW geht davon aus, dass für die beschlossenen Schulreformen alle bestehenden Lehrerstellen benötigt werden. Die Regierung rückt zwar von ihrem Plan ab, bis zum Jahr 2020 gut 11 000 Lehrerstellen einzusparen, doch neue Zahlen gibt es nicht. Die GEW vermisst nach wie vor Bedarfsrechnungen.

Landesgeld nur für Pflichtangebote

Höchstens halb einverstanden ist die Gewerkschaft mit dem Regierungskonzept zum Ganztagsbetrieb an Grundschulen. Die GEW ist dafür, das Landesgeld dort einzusetzen, wo ganze Schulen sich für verbindlichen Ganztagsunterricht entscheiden. Das lasse ein hochwertiges pädagogisches Konzept zu.

Möglich ist jetzt aber, dass etwa an zweizügigen Schulen eine Parallelklasse verbindlichen Ganztagsbetrieb hat und die andere freiwillige Angebote macht. Sogar jahrgangsübergreifende freiwillige Ganztagsangebote werden vom Land finanziert. Davon hält die GEW gar nichts. „Wir hätten die Wahlform definitiv nicht umgesetzt“, klagt Moritz und findet, Grün-Rot habe sich von den kommunalen Landesverbänden übervorteilen lassen. Freiwillige Angebote hätte sie wie bisher in Form von Horten in der Finanzverantwortung von Gemeinden und Eltern belassen.

Auch die Monetarisierung lehnt die GEW ab. Diese sieht vor, dass sich die Gemeinden den Gegenwert einer gewissen Anzahl von für den Ganztagsbetrieb vorgesehenen Lehrerstunden ausbezahlen lassen können. Von 50 Euro pro Lehrerwochenstunde spricht Moritz. Das Geld kann für andere Angebote ausgegeben werden. Die Rechnung geht laut GEW aber nicht auf. Während ein Lehrer für diese Stunde 25 Kinder betreue, sei nicht zu erwarten, dass von außen „zugekaufte“ Betreuer so große Gruppen bildeten. Das Angebot komme mithin nicht allen Schülern zugute.

Konfliktpotenzial Arbeitszeit

Viel Konfliktpotenzial und Vorbehalte gegen den Ganztagsbetrieb birgt laut Moritz auch die neue Arbeitzeitregelung für Lehrer. Dabei bemessen die Schulleitungen den Aufwand für unterschiedliche Angebote und können die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer anpassen. Moritz befürchtet, dass der Aufwand für Angebote im Ganztagsbetrieb, zum Beispiel für eine Musik-AG, niedriger eingestuft wird, als für eine stundenplanmäßige Musikstunde. Das würde die Arbeit im Ganztagsbetrieb für Lehrer weniger attraktiv machen. Grundsätzlich kritisiert Moritz, dass das Kultusministerium die Verantwortung an die Schulleitungen abgegeben habe. „Es wäre besser gewesen, das Land hätte Vorgaben gemacht“.

Für die Realschulen verlangt die GEW ein Unterstützungskonzept. Im Streit darüber, wie schwächere Schüler an der Realschule zum Hauptschulabschluss geführt werden können, hält die GEW ab der siebten Klasse eigene Kurse in den Hauptfächern für möglich, allerdings höchstens für die Dauer eines Schulhalbjahres.

Strikt wendet sich die GEW gegen den Ausbau von neunjährigen Gymnasien. „Wir fordern Verbesserungen für G8“ erklärt Moritz und klagt, „die Landesregierung hat nichts in G8 investiert“, auch seien bei der Einführung von G8 Fehler gemacht worden. Die Gymnasien müssten die Möglichkeit bekommen, besser auf die vielfältige Schülerschaft einzugehen. Moritz hält gleichzeitig fest: „Die Heterogenität würde noch größer werden, wenn man flächendeckend zu G9 zurückkehren würde“.