Ganztagsschulen Land arbeitet an neuer Ganztagskonzeption

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Das Kultusministerium lädt zur breiten Diskussion ein. Doch an den Grundstrukturen wird sich nicht viel ändern.

Auch die außerschulischen Angebote sollen qualifiziert betreut werden. Foto: dpa
Auch die außerschulischen Angebote sollen qualifiziert betreut werden. Foto: dpa

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will im Mai ein neues Ganztagsschulkonzept vorlegen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich an den grundlegenden Strukturen wohl nicht viel ändern wird. Neben verpflichtenden, so genannten gebundenen, Angeboten soll es auch den offenen Ganztag mit freiwilligen Angeboten geben. „Wir werden bei der Vielfalt, die wir haben, bleiben“, sagte Eisenmann beim Ganztagsgipfel des Ministeriums am Donnerstag in Kornwestheim. Sie betonte „eine Zwangsbeglückung mit Ganztagsschulen wird es nicht geben“. Sowohl die Halbtagsschule als auch offene Angebote würden im Land „ausdrücklich gewünscht“. Deutliche Unterschiede in der Nachfrage macht die früherer Stuttgarter Schulbürgermeisterin zwischen Großstädten und dem ländlichen Raum aus.

Hortbetreuung finanzieren

Die grün-schwarze Koalition hat der Kultusministerin auch den Auftrag gegeben, die Hortbetreuung wieder aufzunehmen. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte sich aus der Mitfinanzierung der Horte zurückgezogen, und den Ganztagsbetrieb an Grundschulen gesetzlich verankert. Eisenmann will jetzt „prüfen, wie die Hortbetreuung finanziell geht“.

Beim Gipfel mit 500 Teilnehmern forderten Bürgermeister, Lehrer, Schulleiter und Vertreter von Vereinen und Verbänden mehrfach verbindliche Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards. Andererseits sollen die Vorgaben den Schulen größtmögliche Freiheit lassen. Der Bildungsreferent des Städtetags, Norbert Brugger, nannte die Ganztagsgrundschule ein „Bürokratiemonster“. Die Städte und die Schulen verlangen, „der Betrieb muss einfacher und flexibler werden“.

Für Vereine und Verbände öffnen

Bisher ist die Finanzierung von außerschulischen Angeboten relativ kompliziert. Sie wird über nicht genutzte Lehrerstellen verrechnet. Eisenmann will zur Vereinfachung über ein Budget für die Schulen nachdenken. Die Diskussionsteilnehmer verlangten außerdem Kooperationsstellen, die die Öffnung der Schulen gegenüber Vereinen und Verbänden erleichtern sollten. Das wertet Eisenmann als Teil einer möglichen Entbürokratisierung. Darüber allerdings will sie mit den Kommunen verhandeln. Überhaupt, betonte sie, sei die Ganztagsschule als „gemeinsame Aufgabe von Land und Kommunen“ zu betrachten.

Diverse Teilnehmer verlangten Qualitätsstandards für das Personal und die Räumlichkeiten, wie sie in Kindertagesstätten angelegt werden. In den Diskussionen wurden konkret mehr Stunden, mehr Personal und andere Räumlichkeiten gefordert, auch verpflichtende Fortbildungen etwa für Betreuungspersonal wurde verlangt. Die GEW fasst zusammen, „Ganztagsschulen brauchen mehr“. Die Ministerin erklärt, „an der Qualität müssen wir weiter arbeiten“.

Mehr Flexibilität

Vielfach wird noch mehr Flexibilisierung verlangt. Die einen wollen einen, andere drei, andere fünf Tage in der Woche Ganztagsangebote. Allenfalls innerhalb der Gemeinde aber keinesfalls an jeder Schule sei diese Flexibilisierung möglich, warnte ein Bürgermeister. Andere kritisierten, dass weitere Flexibilisierungen der Zeitmodell zu Lasten der Qualität gehen würden. Dem pflichtete ein Großteil der Kongressteilnehmer mit lebhaftem Applaus bei. Auch die Arbeitgeber warnen, zu viel Flexibilität könnte zu Lasten von Qualität und Verlässlichkeit gehen. Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei wendet sich gegen eine Verwässerung der Konzeption zu Lasten der Qualität.

Sandra Boser, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen bekannte sich in einer Reaktion auf die Veranstaltung zur Ganztagsschule, die auf Wahlfreiheit und Qualität setze. „Ganztagsschule muss eine Schule mit Mehrwert sein“, erklärte sie. Sie biete den Kindern bestmögliche Förderung. Der CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart erklärte, die CDU mache sich für die Ausweitung der Ganztagsschulen über die Grundschule hinaus eventuell bis zur siebten Klasse stark. Die FDP lobte Eisenmann ausdrücklich dafür, dass sie mehr Flexibilität zulasse und nicht am „Prinzip einer starren Ganztagsschule festhalte“. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schulpolitik-mit-attraktiver-ganztagsschule- ueberzeugen.c372bf01-fb18-423f-9043-83a9e5b0d54f.html