Gasthaus zum Hirschen in Fellbach Von Maultaschen bis Mehlspeisen
Daniela Eberhardt, 14.03.2010 15:49 Uhr
Ulrike und Armin Karrer setzen im Erdgeschoss auf Gasthauscharme. Foto: Honzera
Ulrike und Armin Karrer setzen im Erdgeschoss auf Gasthauscharme. Foto: Honzera
Fellbach - Wirtshauscharme und Toskanafeeling: die Atmosphäre im Gasthaus Zum Hirschen mitten in Fellbach lässt sich besser spüren als beschreiben. Gourmets kennen sich hier aus: Wo sie bisher der Sterneküche frönten, darf's jetzt etwas unprätentiöser sein. Spätestens Mitte Mai wollen Armin und Ulrike Karrer ihr Gourmetrestaurant wieder eröffnen, im Keller, wo bisher die Finca logierte.

Überraschungsmenüs auf höchstem Niveau


Im Erdgeschoss verwirklichte Armin Karrer (viele Stuttgarter kennen ihn noch vom Gourmetrestaurant im Fernsehturm) sein Faible fürs Gasthaus, nach einem "Gewaltsumbau", wie er sagt. Unten will er Überraschungsmenüs auf höchstem Niveau bieten, oben soll jeder bestellen, was er mag, von der Maultasche bis zur Mehlspeise.

70 Gäste haben im Hauptraum und auf der Empore Platz. Auf den blanken Holztischen liegen weiße Sets, stehen frische Blümchen. Der helle Fußboden aus Solnhofer Fliesen, die hohe Decke mit dem dunklen Holz, die weißen Wände und Fenster, das Leder auf der Sitzbank und den Stühlen: das wirkt modern, aber warm, gesetzt aber heiter. Die Karte spiegelt's wider.

Da wären die Klassiker wie Linsen mit Saiten und handgeschabten Spätzle (10,50 Euro) oder eben geschmälzte Maultaschen und ein verlockend glänzender Kartoffelsalat (9,50 Euro). Zu den Klassikern zählt aber auch die hausgemachte Blutwurst (14.50 Euro): Sie thront als deftiges Törtchen auf Selleriepüree, das fein mit dem säuerlichen Apfelingwerkompott kontrastiert.

Gaumenschmaus par excellence


Bei den Tagesgerichten wird die Region etwas freier definiert. Das Gänsestopfleberparfait (19.50 Euro) ist tadellos: samtig zergeht es im Gaumen - dazu haben wir nur ein Brioche vermisst oder frischen Toast. Die gebratene Seezunge Müllerin mit Kartoffeln und Blattspinat (26,50 Euro) badet in ganz viel Butter und ist kräftig gewürzt. In Scheiben drapiert zeigt das Filet vom Staufer Rind (25.50 Euro) seinen perfekten Kern. Dazu gibt's ein Pfeffersößchen, knackige Kohlrabistifte und ein Kartoffelgratin, das auf der Zunge dahinschmilzt.

Armin Karrer coacht zurzeit das Team, die Leitung hat der Küchenchef Gerd Thiele. Ulrike Karrer führt das Gasthaus so souverän wie charmant. Ihre Damen wirken noch etwas unkoordiniert und müssen beim Wein oft die Chefin fragen. Über den Keller wiederum wacht der Patron. "Ich bin Österreicher und Weinliebhaber": So erklärt der gebürtige Kufsteiner den Umstand, dass neben Vertretern aus Baden-Württemberg nur Österreicher auf der Karte stehen.

Die offeriert auch einige fair kalkulierte Viertele. So lässt sich schön vergleichen, etwa die Cuvée weiß von den Fellbacher Weingärtnern (4,20 Euro) mit dem gemischten Satz Wien.Kult (6,50) oder Rainer Schnaitmanns Evoé aus Fellbach (5,20, als Extra von der Schiefertafel) mit dem Blaufränkisch Ried Sonnensteig vom Weingut Hufnagel, Mittelburgenland(4,80).

Der lauwarme Topfenauflauf zum guten Schluss schmeckt wie Omas Käsekuchen, dazu ein kühles, cremiges Topfenvanilleeis und Kirschkompott, sagenhaft. Beim Digestiv kommen wir auf die Nachbarschaft zurück, ein Himbeergeist aus Winterbach-Manolzweiler (3,50 Euro) lässt uns kurz seufzen. Ein schöner Abend.

Gasthaus zum Hirschen, Hirschstraße 1, 70734 Fellbach, Telefon 0711/95 79 37-0. Bisher kein Raucherbereich. Küchenzeiten: Montag bis Samstag 12 bis 14 und 18 bis 21.30, Sonntag 12 bis 14.30 und 17.30 bis 20.30 Uhr.

Die Bewertung


Küche: * * * *

Service: * * * *

Ambiente: * * * *



* * * * * = herausragend, * * * * = überdurchschnittlich, * * * = gut, * * = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
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