Gastro Unterwegs im Unkraut-Supermarkt

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Löwenzahn gegen Frühjahrsmüdigkeit, Brennnessel gegen Rheuma und Gänseblümchen als Kalziumschleudern: essbare Wildkräuter liegen voll im Trend. Nicht zuletzt weil sie teilweise mehr Vitamine und Vitalstoffe enthalten als kultivierte Pflanzen.

Die Botanikerin Christine Volm findet ihr Essen   auf der Wiese. Foto: factum/Granville
Die Botanikerin Christine Volm findet ihr Essen auf der Wiese. Foto: factum/Granville

Stuttgart - Auf fast jeder Wiese finden sich Löwenzahn, Gundermann, Gänseblümchen oder Wiesensalbei. Am Wegesrand sprießen Brennnesseln meist im Überfluss. Was in freier Wildbahn wächst, ist für viele jedoch nur Unkraut. Doch bieten essbare Wildpflanzen nicht nur eine Fülle von Aromastoffen, sie enthalten meist auch mehr Vitamine und Vitalstoffe als kultivierte Pflanzen. Kräuter, Blüten und Früchte aus dem Wald und von der Wiese erleben in der Küche gerade einen Boom. Wildpflanzen in Smoothies, Salaten oder zur Verfeinerung von Gourmetgerichten liegen voll im Trend.

Die Vielfalt an essbaren Pflanzen, die das ganze Jahr über in der heimischen Natur sprießen, ist riesig. Auf den Streifzügen durch ihre Stadt findet die Sindelfingerin Christine Volm unzählige essbare und schmackhafte Pflanzen. Die Gartenbauwissenschaftlerin und Botanikerin ernährt sich seit mehr als einem Jahrzehnt ausschließlich von Rohkost – Wildpflanzen sind von ihrem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. „Ob nun vegetarisch, vegan oder konventionell, wirklich gesund wird unser Essen durch Wildpflanzen“, sagt Volm. Für sie ist die Rückkehr zur ursprünglichsten Nahrung des Menschen auch keine vorübergehende Mode. „Das ist ein nachhaltiger Trend“, ist die 49-Jährige überzeugt.

Wildpflanzen finden sich auch direkt in der Stadt

Die Ernährungsberaterin gibt nicht nur in Einzelcoachings Tipps für gesundes Essen, sondern betreibt auch einen Blog rund um Rohkost und Pflanzen und hat mehrere Bücher mit Rezepten veröffentlicht. Um sich von Wildkräutern ernähren zu können, reicht die bloße Lektüre eines Buches laut Volm nicht aus. Eine Laie könne kaum giftige von ungiftigen Pflanzen unterscheiden, bei manchen sei die Ähnlichkeit doch zu groß. In rund zweieinhalbstündigen Exkursionen durch die heimische Natur vermittelt Volm deshalb Interessierten das entsprechende Fachwissen.

Um Pflanzen zu finden, muss sie nicht weit gehen. Keine zehn Minuten Fußweg von der Sindelfinger Innenstadt aus ist eine große Wiese ihre erste Anlaufstelle. Alle paar Meter findet die Botanikerin Blätter, Früchte oder irgendein Kraut. Wo andere Pflanzen sehen, sieht Volm quasi einen Supermarkt. Die jungen Früchte der Linde empfiehlt sie. Klein und unauffällig wiederum wächst Mädesüß am Wegesrand. Die Heilpflanze schmecke zwar sehr nach Leukoplast, habe aber eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung.