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Gastronomie Ein Häppchen an der Tagesbar

Matthias Ring, vom 02.02.2010 18:56 Uhr
Grischka Reichel (vorne links) und Rachel Sandkühler (rechts) haben mit ihrem Heimathafen in Stuttgart West ihr Glück gefunden. Foto: factum/Weise
Grischka Reichel (vorne links) und Rachel Sandkühler (rechts) haben mit ihrem Heimathafen in Stuttgart West ihr Glück gefunden. Foto: factum/Weise
Stuttgart - Zurzeit schießen sie an verschiedenen Ecken der Stadt wie die Pilze aus dem Boden. Die Herkunft der Betreiber ist unterschiedlich, das Konzept aber ähnlich. Wie der Name sagt, haben Tagesbars gewöhnlich nur tagsüber geöffnet, wodurch sich Personalaufwand, Logistik und Kalkulation in überschaubarem Rahmen halten. Für den späten Gast heißt das aber manchmal: Gericht eins und zwei ist aus, weil je nach Location nur dreißig bis achtzig Essen ausgegeben werden.

Einige Tagesbars sind aus konzessionstechnischen Gründen zugleich Laden, in dem Kulinarisches oder kleine Designstücke zum Kauf angeboten werden und die so den Räumlichkeiten zusätzlichen Charme verleihen.So auch im Heimathafen West, in dem man Gebrauchs- und Verkaufsgegenstände nicht immer genau auseinanderhalten kann - wie bei den kleinen Hockern, die im großen Schaufenster stehen.

Neues Glück für Quereinsteiger


Große Fenster sind generell ein großes Plus für Tagesbars, weil sie einladend wirken und man sofort sieht, was drinnen los ist. Die Inhaberin des Heimathafens ist Rachel Sandkühler, die mit Grischka Reichel eine Quereinsteigerin in die Gastronomie ist. Und auch wieder nicht, denn zuletzt führte sie das Bistro in der Waldorfschule in Vaihingen, ist von Haus aus aber Grafikerin, als die sie nebenbei immer noch ein bisschen arbeitet. So wie Reichel weiterhin als Anwalt tätig ist. Ihr Glück aber scheinen die beiden, die kein Paar sind, im ehemaligen griechischen Laden gefunden zu haben, den sie seit November als Heimathafen West betreiben.

"Hier sah's ganz katastrophal aus", sagt Sandkühler, die trotzdem gleich Gefallen am Eckhaus in der Johannesstraße gefunden hatte. Außerdem ist die Lage gut, Büros sind in der Nähe, und auch aus dem Königin-Olga-Stift schauen Gäste rein, um sich eines der drei täglich wechselnden Gerichte oder Panini zu bestellen. Mehr geht nicht, denn die Küche ist mini, dafür gibt es genug Stauraum für die Lebensmittel. Ganz früher war hier ein Milchladen, an den die alten Kühlfächer in der Wand noch erinnern. Heute gibt es hin und wieder Tanztee, einmieten kann man sich auch, und demnächst wird ein sogenanntes Britpop-Frühstück zum Selbertoasten angeboten.

Reise durch vier Kontinente


Ganz anders geht es im Esszimmer in der Eugenstraße zu, wo die Küche größer als der Gastraum ist. Hinter dem heimeligen Ort steht ein Vollprofi: Daniel Yaccob, der unweit schon seit Jahren das beliebte Ambiente Africa betreibt. Als Marie Hélène sich im Herbst aus den Räumen im Gerichtsviertel zurückgezogen hatte, griff er zu, hat ihnen ein neues Styling mit Retrotapete und viel Holz verpasst und ein anderes gastronomisches Konzept aufgezogen. "Jeden Mittag gibt es eine Reise durch vier Kontinente", sagt Yaccob, der einen Thai und einen Deutschitaliener als Koch angestellt hat, die feines Internationales kreieren, was mit bis zu 7,50 Euro aber auch mehr kostet als im Heimathafen. Das Esszimmer kann man ebenso mieten - wegen der Nachbarschaft allerdings nur bis 22 Uhr. Im Sommer wird es 25 Außenplätze geben.

Auch Branko Buljovcic profitiert von der Klientel im Gerichtsviertel. Im Sommer hat er seine Suppibar eröffnet, seitdem rennen ihm Anwälte und Steuerberater die Bude ein. Studenten der nahe gelegenen Musikhochschule zieren sich trotz eines 50-Cent-Rabatts noch etwas. Dabei ist sein Angebot sowieso schon günstig: sechs Suppen zwischen 3 und 4,20 Euro, im Sommer auch Wraps und Salate. Buljovcic ist gelernter Koch, der sich hier seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt hat. Er ist sehr zufrieden, arbeitet allerdings auch sehr viel, denn seine Tagesbar ist eine absolute Einmannschau. Um drei Uhr morgens steht er auf, um seine Suppen zu kochen und sich mittags ganz um den Service kümmern zu können. Wie einige andere bietet auch er Catering an und könnte theoretisch sogar abends aufmachen, weil er eine Konzession bis 24 Uhr hat. Das wäre aber dann wohl wirklich nicht ohne eine Hilfskraft zu schaffen.

Kuchen und Kaminofen


Jean Ravel-Velenderic hat eine Hilfskraft. Seit Dezember gehört ihm das Zimt& Zucker. Er ist eigentlich Designer und hat die Lokalität am Rande des Heusteigviertels mit einem gewissen Gerümpelcharme versehen. Wild gemusterte Sofas, kuriose Details und ein Kaminofen laden zum Verweilen ein. Ravel-Velenderic kocht, was ihm einfällt, und backt auch verschiedene Kuchen. Sein Laden mit Bioprodukten ist viel mehr als nur ein Laden: freitagabends auch ein Ort für Weinproben, außerdem Außenposten der Tango Vorstadt; sogar Englisch-, Italienisch- und Mathenachhilfe gibt es hier - im Keller, der sich auch bestens für private Partys eignet.

Optisch das komplette Gegenteil zum Zimt & Zucker ist das Estia im Osten, das ebenso von geschlossenen Gesellschaften als "Event-Location" gemietet werden kann und dessen Inhaberin Parthena Loenicker auch einen künstlerischen Hintergrund hat. Aber die Familie hat zudem einen gastronomischen, betreibt zum Beispiel das Andalucia. Mit ihrer Tochter Eleni versorgt Loenicker seit kurzem die Kreativen im Stuttgarter Osten. Dafür hat sie das ehemals afrikanische Restaurant komplett renoviert und aufgehübscht: mit Schieferboden, neu gestalteten Wänden und Fenstern sowie edlen Möbeln vom Schreiner. Drei verschiedene internationale Gerichte aus regionalen und biologischen Zutaten gibt es. Und wer will, kann sogar in seiner Mittags- oder Kaffeepause arbeiten - dank kabellosem Internet.

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Kommentare (3)
Kommentarregeln
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FEB
03
19:12 Uhr, geschrieben von Nina
Tagesbars sind toll
Ich liebe diese Tagesbars!!!! Und das Foto mit meinem Lehrer im Hintergrund ist auch gut geworden.
FEB
02
19:50 Uhr, geschrieben von Simon Steiner
Oh je diese event-locations
Oh je diese event-locations sind ja sowas von out. Wirklich "IN" sind die Restaurants in den großen Kaufhäusern, ganz oben, mit Blick über die schönste Stadt der Welt: Stuttgart - bei Linsen und Spätzle, Maultaschen, Trollinger und Käskucha. event-gastro ist O.U.T. und die Hektik unbekömmlich!!!
FEB
02
16:58 Uhr, geschrieben von peter franck
heimathafen
...lecker
 
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