Gastronomie in Stuttgart Kombination aus Restaurant, Kneipe und Club

Von Peter Buchholtz 

Dass nicht ein Casino, sondern das Breitengrad 17 zu den zukünftigen Mietern gehört, gefällt auch Ninette Sander. „Mit zwei Spielhallen als Mitmieter hätten wir uns darauf nicht eingelassen“, sagt Sander. Auch Ngon Dinh, der mit seiner Schwester Hoang Dung Pham das Breitengrad 17 führt, freut sich über die Möglichkeiten, die ihnen der neue Standort bietet.

„Das alte Lokal wird in naher Zukunft abgerissen. Dort war weder die Haustechnik auf dem neuesten Stand, noch waren Gastraum und Küche groß genug, um die vielen Ideen, die wir haben, umzusetzen“, sagt Ngon Dinh. So wolle man im Breitengrad 17 in Zukunft das Authentische behalten, sich aber zugleich der modernen vietnamesischen Küche widmen. Auch biete die geräumige Küche mit einem modernen Lüftungssystem die Voraussetzungen für Gerichte wie Grillplatten und Feuertöpfe, die bei der Zubereitung mehr Platz als herkömmliche Gerichte benötigten.

Die Musik sollen vor allem House-DJs liefern

Wer in Zukunft gesättigt, aber noch voller Tatendrang das Breitengrad 17 verlässt, wird im Kneipen-Club-Kombinat namens „White Noise“ nebenan auf seine Kosten kommen. „In der Kneipe wollen wir eine Wohnzimmeratmosphäre mit offener Thekenstruktur schaffen“, sagt Ninette Sander. Den Club wolle man dagegen minimal halten, „ohne viel Schnick-Schnack“, ergänzt sie.

Für den Veranstaltungsbetrieb im Club hat man Manuel Klink mit ins Boot geholt. Der Student der Werbung und Marktkommunikation an der Hochschule der Medien ist im Vorstand des Ende 2013 gegründeten Club-Kollektivs tätig, wo er auch mit den Schocken-Betreibern Ninette Sander und Ralf Bauer in Kontakt kam. Außerdem ist er Betreiber des Blogs „Es ist Liebe“, mit dem er die elektronische Musikszene in Stuttgart fördern möchte und unter dessen Namen er Partys in Stuttgart veranstaltet.

In Zukunft wird er sich im Club um das Booking der Künstler kümmern. „Wir möchten nationale und internationale House-DJs nach Stuttgart bringen und einen Club mit einer klaren Linie schaffen“, sagt Manuel Klink. Daher seien sowohl ein Verzicht auf Fremdveranstaltungen als auch ein fixer Eintrittspreis an Wochenenden in Gespräch.

Erstmal abwarten

Bevor die Bauanträge für den Club gestellt werden, wollen Ninette Sander und Ralf Bauer allerdings noch auf die viel diskutierte Reform der Stellplatzablöse warten. Tritt sie in Kraft, sollen Clubs beim Nachweis der notwendigen Parkplätze künftig wie Gaststätten behandelt werden. Bisher war es deutlich teurer, eine Diskothek zu eröffnen, weil man mehr Parkplätze nachweisen musste und keinen Bonus für den öffentlichen Nahverkehr geltend machen konnte.

Klappt die Wiederbelebung durch die Gastronomie, ist vermutlich auch bald Schluss mit dem öffentlichen Urinal. Dieser Mehrwert sollte auch der Stadt Stuttgart einleuchten. Es muss ja nicht immer ein Einkaufszentrum sein.