Stuttgart - Einmal jährlich sollte eine Frau eine Untersuchung zur Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen vornehmen lassen. Bis jetzt sehen die gesetzlichen Krankenkassen hierfür einen Pap-Test vor. Der Arzt streicht dabei mit einem Wattestäbchen oder einem kleinen Bürstchen Zellen von einer Übergangszone am Gebärmutterhals (Zervix) ab, in der Gebärmutterhalskrebs entstehen kann. In mehr als 70 Prozent der Fälle sind unterm Mikroskop entdeckte Zellveränderungen die Folge einer Infektion mit sexuell übertragbaren Humanen Papillomviren (HPV).
Die meisten der zahlreichen Virustypen fristen ein harmloses Dasein auf der Haut und verursachen Warzen an Füßen, Händen oder im Gesicht. Gefährlich sind etwa 20 Virustypen der HP-Großfamilie, und unter ihnen vor allem HPV-16 und -18, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Ein positiver Befund ist jedoch kein Grund zur Panik, denn, so der Gynäkologe Rolf Kreienberg vom Universitätsklinikum Ulm, "in etwa 90 Prozent aller HPV-Infektionen wird das Virus vom Immunsystem eliminiert". Raucherinnen und Frauen mit Immunschwäche haben jedoch ein erhöhtes Risiko, dass die Infektion fortbesteht. Zudem werden 30 Prozent der Zellveränderung nicht durch Viren hervorgerufen, sondern durch den Pilz Candida albicans oder einer Spirale. Dann sind sie zwar entzündlich, aber harmlos. Verdächtige Zellveränderungen am Muttermund können mit einer Konisation, also der Entfernung eines Gewebskegels, beseitigt werden.
Funktioniert die Früherkennung gut genug?
Doch wenn jährlich 7000 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs erkranken, stellt sich die Frage, ob die Früherkennung gut genug funktioniert. "Der von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Pap-Test ist nur dann verlässlich, wenn er regelmäßig durchgeführt wird", sagt Kreienberg. Die Zahlen aus der Statistik: lässt eine Frau drei Jahre hintereinander jährlich einen Pap-Test machen, liegt die Trefferquote des Tests bei 85 Prozent. Durch einen einmaligen Abstrich werden dagegen nur etwa 50 Prozent der Krebsfälle und der direkten Krebsvorstufen erfasst.
Ergibt die Vorsorgeuntersuchung verdächtige Zellveränderungen, wird der Arzt wahrscheinlich nach wenigen Wochen einen Kontrollabstrich machen und dann mit einem HPV-Test feststellen, ob sich eine Frau mit einem Hochrisikovirus infiziert hat. Dann hängt alles vom Befund ab. "Die Kombination mit diesem HPV-Test würde die Verlässlichkeit des einmalig durchgeführten Pap-Tests von etwa 50 auf 80 Prozent erhöhen", sagt Kreienberg.


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