Gefängnis in Stuttgart-Stammheim Die Menschen in der JVA stehen im Mittelpunkt

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Seit kurzem gibt es den Förderverein „Hilfe in Haft Stuttgart e.V.“. Sein Ziel und Zweck ist es, die Menschen in der Justizvollzugsanstalt zu unterstützen.

Rund 740 Insassen leben hinter den   Gefängnismauern an der Asperger Straße 60. Auch ihnen will der Förderverein helfen. Foto: Werner Kuhnle
Rund 740 Insassen leben hinter den Gefängnismauern an der Asperger Straße 60. Auch ihnen will der Förderverein helfen.Foto: Werner Kuhnle

Stammheim - „Unserem Verein geht es um die Menschen in der Justizvollzugsanstalt Stammheim“, sagt Klaus Boshart und betont: „Um alle, die dort sind – um die Gefangenen genauso wie die Ehrenamtlichen, aber auch um die Hauptamtlichen.“ Seit 1982 arbeitet Boshart im Strafvollzugsdienst. Der 57-Jährige kennt den Knast, kennt das Leben hinter Gittern und das Arbeiten. Er weiß, woran es fehlt. Nicht an Zeit, sondern an Geld. Neulich zum Beispiel, da gab es ein Projekt für jugendliche Insassen. Mit dem Stuttgarter Rapper Danny Fresh haben die Häftlinge Lieder erarbeitet. „Erst mal wurden Regeln aufgestellt, wie der Workshop läuft“, erzählt Boshart, der auch die Initiative „Rock im Knast“ gegründet hat. „Dann haben die Jugendlichen getextet und das mit Musik unterlegt. Sie haben einen fertigen Song produziert, sich eigenständig etwas erarbeitet und etwas auf die Beine gestellt.“ So etwas habe positive Auswirkungen. „Bei manchem gab es einen richtigen Aha-Effekt.“ Doch leider fehle für weitere Kurse das Geld. „Das Justizministerium kann nicht alles leisten“, zeigt Boshart ein gewisses Verständnis. Damit abfinden will er sich aber nicht. Auch darum wurde der neue Förderverein „Hilfe in Haft Stuttgart“ ins Leben gerufen.

„Wir wollen über den Förderverein Sponsoren finden und Geld sammeln, um Projekte zu fördern“, sagt Boshart. Sinnvolle Fördermaßnahmen gebe es zuhauf. Deutschkurse für Ausländer, die Anschaffung von Fitnessgeräten, bestimmten Büchern oder Musikinstrumenten. Mehr als 80 Personen arbeiten ehrenamtlich hinter den Mauern an der Asperger Straße. Sie bieten Sprach-, Musik- und Malkurse, leiten Sportgruppen oder Gesprächs- und Literaturkreise. Manche helfen bei Bewerbungen oder bereiten die Gefangenen auf ihre Zeit nach der Haft vor. „Immer wieder brauchen sie Geld für Materialien wie Lehrbücher oder Gerätschaften“, erklärt Boshart. Da könne man nicht erst Geld beantragen, auf das man zwei, drei Jahre warten müsse. „Oft muss spontan und kurzfristig gefördert werden.“ Hier könne ein Förderverein, der über ein eigenes Budget verfüge, eine wichtige Aufgabe erfüllen. Neben den 740 Insassen und Ehrenamtlichen bräuchten auch die rund 300 hauptamtlichen Mitarbeiter Unterstützung durch den Förderverein: „Die Hauptamtlichen leisten wichtige Arbeit in der JVA, sie dürfen nicht vergessen werden“, sagt Boshart, der als Beisitzer im Verein mitwirkt. „Wir denken an Maßnahmen für die Bediensteten, etwa in Form von Supervision oder zur Teambildung – Möglichkeiten gibt es viele.“

Eine weitere Aufgabe des Fördervereins sei es, Außenstehenden die Haftsituation in der JVA zu erklären und Transparenz zu schaffen. Auch wolle man sich bei Gelegenheit an Veranstaltungen im Stadtbezirk beteiligen. „Wir wollen möglichst auch für Verständnis werben für die manchmal schwierige Situation in der JVA.“ Das Mitgefühl sei nicht bei jedem vorhanden. „Es gibt Leute, die sagen einfach: Ich unterstütze keine Verbrecher.“ Davon lasse er sich nicht entmutigen. „Ich freue mich über jeden ehemaligen Insassen, der nicht rückfällig wird, und dem wir einen besseren Start zurück ins Leben ermöglichen.“ Info
„Hilfe in Haft Stuttgart e.V.“ präsentiert sich am Montag, 30. Mai, um 16.30 Uhr in der Justizvollzugsschule, Pflugfelder Straße 21. Neben dem Vorsitzenden des Vereins und Leiter der Justizvollzugsschule Baden-Württemberg Joachim Obergfell-Fuchs haben sich illustre Gäste angemeldet. Interessierte sind willkommen.

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