Stadtkind Stuttgart

Gema-Gebühren Clubbetreiber in Stuttgart wehren sich

Von Katharina Sorg 

Müssen Clubbesitzer in Stuttgart bald 12 Euro für ein Bier verlangen? Die Gema will ihre Tarife erhöhen, Clubs müssten dann künftig deutlich mehr Gebühren bezahlen.

    Foto: StZ
Foto: StZ

Stuttgart - Die Gema will ihre Tarife für Clubs vom kommenden Januar an stark erhöhen. Die so genannte "Tarifreform" versetzt Clubbetreiber in ganz Deutschland derzeit in Aufruhr. Auch in Stuttgart ist die Sorge groß. "Das ist der Wahnsinn, wir müssten das Speakeasy dann wohl zu machen", sagt Micha Rieger, der Betreiber des Clubs Speakeasy und der Bar Wurst und Fleisch am Rotebühlplatz. Wirtschaftlich würde es dann keinen Sinn mehr machen, befürchtet er. 

DIe  Gema spricht derweil von einer "Vereinfachung" der Tarife. Statt bisher elf verschiedene, soll es von Januar 2013 an nur noch zwei Tarife geben. Einen für Livemusik und einen für Veranstaltungen, bei denen Tonträger zum Einsatz kommen. Von einem Tarifdschungel sei die Rede gewesen, diesen wolle man nun abschaffen, sagt Gaby Schielcher von der Gema. Kleinere Clubs wolle die  Gema damit entlasten. Doch der neue Tarif bedeutet für nahezu alle Clubs: Sie müssen künftig deutlich mehr bezahlen. "Die Clubs haben bisher sehr wenig bezahlt, daher ist die Erhöhung nun da, aber sie ist angemessen", sagt Gaby Schielcher. Schließlich müsse am Schluss auch noch etwas für die Künstler übrig bleiben.  "Im internationalen Vergleich zahlen die deutschen Clubs bisher lächerlich wenig."

Erhöhungen für alle

Das sehen die Clubbetreiber anders. "Die  Gema denkt weder im Sinne der Veranstalter, noch im Sinner der Musiker", sagt Axel Steinbeck, einer der drei Betreiber der Schräglage. Der neue Tarif zeige das nur allzu deutlich. Momentan zahlen die Betreiber der Schräglage etwa 500 Euro im Monat an die Gema, das sind pro Jahr 6000 Euro. Würde der neue Tarif kommen, würden sich die Zahlungen deutlich erhöhen. Inzwischen kursieren eine Vielzahl an Modellrechnungen. Und die sehen so aus: Nach ersten Rechnungen der Bundesvereinigung der Musikveranstalter müssten Betreiber für einen Club mit zwei Tanzflächen von insgesamt 720 Quadratmeter bei acht Euro Eintritt statt jährlich 21.553 nun 147.916 Euro zahlen. Ein 80 Quadratmeter kleiner Club, der drei Tage in der Woche geöffnet hat und fünf Euro Eintritt kassiert, müsste statt 3417,17 Euro im Jahr dann 11.700,00 Euro bezahlen. Also knapp dreimal soviel wie bisher. 

"Das wird dann irgendwann keiner mehr zahlen können", sagt Basti Sommer, der Betreiber der Schankstelle. Er hat wie viele Clubbetreiber in Deutschland bereits die Online-Petition gegen die Tarifreform 2013 unterzeichnet. Bisher sind es mehr als 120.000 Menschen, die unterzeichnet haben. Auch der deutsche Hotel-und Gaststättenverband Dehoga spricht sich gegen die Reform der  Gema aus.  „Das sind existenzgefährdende Erhöhungen. Betriebe werden schließen müssen. Arbeitsplätze gehen verloren“, sagt Dehoga-Prädident Ernst Fischer. Für Clubs und Discotheken liegen die Erhöhungen zwischen 400 bis 600 Prozent pro Jahr, man werde sich mit allen rechtlichen und politischen Mitteln gegen diese Reform zur Wehr setzen, so Fischer.

Die Gema hat die Tarifreform bei der Schiedsstelle des Patent-und Markenrechtsamts eingereicht. Dort wird sie derzeit geprüft. Ab Janaur 2013 soll sie dann in Kraft treten. Kommt sie, wird in den Club gehen künftig wohl deutlich teurer werden. "Wir müssten die Getränke-und Eintrittspreise drastisch erhöhen, damit wir den Club halten könnten", sagt Rieger vom Speakeasy. "Wir können ja aber für ein Bier keine 12 Euro verlangen, das zahlt ja auch keiner."