Gemballa Firma ist insolvent
Susanne Janssen, vom 23.02.2010 17:09 Uhr
Stuttgart - Noch immer haben die Beamten der Böblinger Polizei keine neuen Nachrichten aus Johannesburg. Zwei Kripobeamte, einer vom Landeskriminalamt und einer von der Polizeidirektion Böblingen, sind zurzeit in Südafrika, um den letzten bekannten Kontakten von Uwe Gemballa nachzuspüren. Wie berichtet, ist der 51-jährige Porsche-Veredler seit dem 8. Februar auf einer Geschäftsreise in Südafrika verschwunden. Er wurde zuletzt am Flughafen in Johannesburg gesehen, als er dort einen Unbekannten traf. Am Tag darauf rief er seine Frau an und bat angeblich um eine Million Euro.
Die Umstände bleiben rätselhaft – und so ermittelt die Polizei in alle Richtungen. Ob es ein Unfall war, eine Entführung, bei der eine Million Lösegeld erpresst werden soll oder ob sich der Unternehmer einfach absetzen will, ist noch offen. "Unsere Überlegungen gehen in alle Richtungen", sagt Eckhard Salo, der Pressesprecher der Böblinger Polizeidirektion.
Hinzu kommt, dass am Montagmittag beim Amtsgericht Ludwigsburg ein Insolvenzantrag der Firma eingegangen ist. Dies bestätigte der Insolvenzrichter Markus Rauscher am Dienstag: "Eine Anwaltskanzlei hat den Antrag eingereicht", sagte er. Die Ehefrau verfüge über eine Vollmacht. Einen stellvertretenden Geschäftsführer oder einen Prokuristen gebe es in der Firma Gemballa nicht, so dass die Ehefrau als faktische Geschäftsführerin handele. Jetzt werde der Antrag zunächst geprüft.
95 Prozent aller Edel-Autos werden exportiert
Das Gericht hat den Stuttgarter Anwalt Philipp Grub zum Insolvenzverwalter bestellt. Der Jurist war mit einem Kollegen am Dienstag in der Firma, eine Stellungnahme soll aber erst am Freitag abgegeben werden. Einzelne Gläubiger können nun kein Geld aus der Firma ziehen. Rauscher bestätigt, dass es Zahlungsschwierigkeiten in der Firma gegeben habe. Auf eine Insolvenzverschleppung oder andere strafbare Handlungen Gemballas gebe es aber bisher überhaupt keine Hinweise.
Schon mehrmals soll die Firma, die edle Sportwagen tunt, in Zahlungsschwierigkeiten gewesen sein. Der studierte Maschinenbauer Uwe Gemballa soll seine Luxusboliden für 550.000 bis 700.000 Euro verkauft haben, 95 Prozent aller Wagen wurden exportiert. Die rund 40 Mitarbeiter sollen in der aktuellen Wirtschaftskrise auch kurzgearbeitet haben. Auch eine weitere Behörde hatte in den vergangenen Monaten Interesse an der Gemballa Automobiltechnik: "Wir wissen, dass das Finanzamt aktiv ist", bestätigt Eckhard Salo. Mehr könne er dazu aber nicht sagen. Eine Insolvenz an sich sei sicherlich noch kein Grund, sich abzusetzen, meint der Polizeibeamte.
So ermitteln die Beamten weiter ohne heiße Spur. Laut Salo stehen sie in Kontakt mit den Kollegen in Südafrika, die am Freitag aber bereits zurückkehren sollen. Hinweise auf den ominösen Kontakt am Flughafen gebe es nicht, auch für die Gerüchte, es solle sich um einen zwielichtigen tschechischen Milliardär handeln, gebe es keinerlei Bestätigung. "Wir ziehen alles in Erwägung", betont deshalb Salo. Die Ehefrau habe nach dem 9.Februar keinen Kontakt mehr zu Gemballa gehabt, sie befinde sich aber noch in Deutschland. Es gebe auch sonst kein Lebenszeichen von dem 51-Jährigen. Auf der anderen Seite hätten sich aber bisher auch keine Entführer gemeldet.