Gemeinschaftsschule in Schwieberdingen Neuer, alter Dissens bei der Glemstalschule

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Ist die gymnasiale Oberstufe in Schwieberdingen doch noch nicht vom Tisch? Eine Initiative des Elternbeirats reisst alte Gräben auf und zeigt neue Wege auf.

Im November 2016 erteilte Hemmingen der Sekundarstufe II  eine Absage. Foto: factum/Granville
Im November 2016 erteilte Hemmingen der Sekundarstufe II eine Absage. Foto: factum/Granville

Schwieberdingen/Hemmingen - Im Gemeindeverwaltungsverband von Schwieberdingen und Hemmingen sollte es in dieser Woche im Grunde nur darum gehen, Möglichkeiten zur Kooperation der Glemstalschule mit anderen Gymnasien vorzustellen. Die Gemeinschaftsschule, die in Schwieberdingen beheimatet ist und zwei Kommunen als Schulträger hat, hat bislang keine Sekundarstufe II, und das Thema galt bis vor Kurzem als erledigt, weil sich der Verband durch die Stimmen der Hemminger Räte gegen eine Machbarkeitsstudie zu einer eigenen gymnasialen Oberstufe ausgesprochen hatte – sehr zum Unmut von Schwieberdingen. Dort hatte man sich im Rathaus mit der Situation arrangiert und setzte wie Hemmingen auf die Kooperations-Karte.

Nun bricht eine Initiative des Elternbeirats der Glemstalschule alte Gräben wieder auf. Der Vorschlag lautet, dass Schwieberdingen die gymnasiale Oberstufe alleine finanziert. „Die gymnasiale Oberstufe an der Glemstalschule ist absolut notwendig“, sagt Michaela Nowraty, die Elternbeiratsvorsitzende. Eine Anfrage im Stuttgarter Kultusministerium habe ergeben, dass eine getrennte Trägerschaft zwar rechtlich nicht möglich sei, aber zumindest eine finanzielle Trennung. Eventuell müsse dazu die Satzung des Verwaltungsverbands angepasst werden. Ein Angebot für eine offenbar günstige Machbarkeitsstudie hat der Elternbeirat auch gleich noch eingeholt. Notfalls könne Schwieberdingen die Kosten dafür auch alleine bezahlen, sagt Michaela Nowraty. Bei den Schwieberdinger Stadträten sei der Vorschlag bislang „sehr positiv“ aufgenommen worden.

Eine Erweiterung der Schule würde bis zu 16 Millionen Euro kosten

Bislang war eine solche Studie am Widerstand Hemmingens gescheitert, deren Stadträten eine bis zu 16 Millionen Euro teure Erweiterung der Oberstufe zu teuer ist. Dort setzt man auf die Kooperation mit anderen Gymnasien. Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer hat dabei besonders die nahe gelegenen Gymnasien in Korntal und Markgröningen im Blick. Käme eine Kooperation, wäre es die erste einer Gemeinschaftsschule mit einem allgemeinbildenden Gymnasium im Landkreis. Dabei müssen vom Übergang auf die andere Schule mehrere Hürden genommen werden. So sollten die Schulen die gleichen Profilfächer, etwa Musik oder Sport, anbieten, damit der Wechsel reibungsloser läuft. Wer beispielsweise auf ein allgemeinbildendes Gymnasium wechseln möchte, muss zwingend eine zweite Sprache, meist Französisch, von der sechsten Klasse an gelernt haben.

An der Glemstalschule selbst zeigt man sich erfreut über die Initiative des Elternbeirats für eine gymnasiale Oberstufe. In der Diskussion hatten sich Eltern wie Lehrer für eine eigene Sekundarstufe II ausgesprochen. „Welchen Grund hätten Eltern, deren Kind eine Gymnasialempfehlung hat sonst, es bei uns anzumelden?“, sagt die Schulleiterin Sandra Vöhringer. Die Schule muss damit rechnen, dass die Anmeldungen gymnasialfähiger Kinder in den kommenden Jahren zurückgehen werden, wenn sich keine Lösung im Streit findet. Aktuell befinden sich die ersten Gemeinschaftsschüler dort in Klasse acht.

Im Schwieberdinger Rathaus zeigt man sich zurückhaltend

Bei der Schwieberdinger Verwaltung äußert man sich zurückhaltend: Die mündliche Antwort des Kultusministeriums, dass eine getrennte Finanzierung möglich sei, habe ihn überrascht, sagt der Bürgermeister Nico Lauxmann. Er habe nun um eine schriftliche Ausführung gebeten, dann könne er es auch in den Gemeinderat einbringen. Seinem Kollegen Thomas Schäfer in Hemmingen gefällt das gar nicht: „Die Hemminger Haltung ist weiterhin die Kooperation.“ Ohnehin sei die Frage, ob „so ein augenscheinlich günstiges Angebot für eine Machbarkeitsstudie eine vernünftige Entscheidungsgrundlage bietet“.