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Korb/Döfflingen/Bad Boll - Wir sind dabei. Juhu!“ Diese Worte sind auf dem Plakat zu lesen, das an der Tür zum Silchersaal der Keplerschule in Korb (Rems-Murr-Kreis) die Gäste empfängt. Die Eltern aller Viertklässler wurden zur Vorstellung der neuen Gemeinschaftsschule eingeladen, an der künftig alle Kinder bis zur zehnten Klasse zusammen lernen sollen. Die Keplerschule zählt damit zu den drei Schulstandorten in der Region Stuttgart, die das neue Modell vom kommenden Schuljahr an bereits umsetzen.
Außer den Korbern sind noch die Grund- und Werkrealschule Döffingen (Kreis Böblingen) dabei sowie die Heinrich-Schickhardt- und die Blumhardtschule in Bad Boll (Kreis Göppingen) – eine Werkrealschule und eine Förderschule, die sich mit einem gemeinsamen Konzept beworben haben und sich den Schulhof teilen. Damit zählen diese Schulen zu den 34 Starterschulen im Land.
Lehrer und Schüler bildeten Teams
Alle drei Schulstandorte gehen schon heute andere Wege des Lernens, sie haben besondere Konzepte – sei es dadurch, dass sie schon lange altersübergreifend lernen wie in Grafenau oder dass die sogenannte Inklusion praktiziert wird, also behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen, wie das Bad Boll anbietet. Die Schulleitungen suchen die Herausforderung eines neuen Schulmodells, sonst hätten sie sich ja nicht beworben, aber wie reagieren die Eltern? Diese Frage stellen sich wohl alle Rektoren der sogenannten Starterschulen, jenen also, die vorangehen mit der Gemeinschaftsschule – auch in Korb.
Gut eine Viertelstunde, bevor die Veranstaltung im Korber Schulsaal beginnt, wissen der Rektor Thomas Kuntz und die Leiterin des Schulamts, Sabine Hagenmüller-Gehring, nicht, was sie erwartet: gähnende Leere oder ein Massenansturm. Ein paar Minuten später entspannen sich die Gesichter der beiden Pädagogen, das Interesse der Eltern am neuen Schultyp ist groß. Der Saal ist brechend voll, gut hundert Mütter und Väter sind gekommen, die Stühle reichen nicht. Bis dato waren Informationsabende an der Keplerschule wenig gefragt, kaum jemand wollte sein Kind auf die Hauptschule schicken.
Kuntz und Hagenmüller-Gehring erklären das Konzept: Die Kinder sollen nach individuellen Voraussetzungen lernen, die Schule fördere die Stärken der Kinder und suche ihre Talente. Lehrer und Schüler bildeten Teams, die Arbeit in Kleingruppen sei gefragt. Viele Studien hätten bewiesen, dass starke und schwache Schüler sehr voneinander profitierten. Erst im Laufe der Schuljahre entscheide sich, welchen Abschluss die Kinder machen würden. Die Keplerschule wird zur Ganztagsschule. Kuntz sagt, er wolle, dass die Kinder an den drei Tagen mit Ganztagsbetrieb „den Lernprozess um 16 Uhr abschließen“.
„Wir wollen keinen Schüler abweisen“
Die Eltern sollten nämlich nicht zu Hilfslehrern werden, Kuntz grinst knitz in die Runde und sagt dann: Hausaufgaben seien mitunter „Hausfriedensbruch“. Viele Eltern sind angetan vom neuen Schultyp, manche fast euphorisch, nur wenige äußern Bedenken, die nicht ausgeräumt werden können. „Das klingt alles sehr interessant, auch für Eltern aus Waiblingen“, sagt ein Vater. Doch was gedenke die Schule zu tun, wenn der Andrang zu groß sei? Ein durchaus mögliches Szenario, denn für die Gemeinschaftsschulen gibt es keine Schulbezirke.
Jeder Viertklässler könnte die Keplerschule wählen. Die Schulamtsleiterin sagt: „Wir wollen keinen Schüler abweisen.“ Wenn hundert neue Fünftklässler kämen, müsse mit der Gemeinde gesprochen werden. Diese sei als Schulträger für den Schulhausbau verantwortlich. Gemeinschaftsschulen, die mindestens 60 Schüler je Jahrgangsstufe haben, dürfen sogar einen Gymnasialzug anbieten. Das indes sei für Korb allenfalls Zukunftsmusik, sagt die Amtsleiterin. Der Rektor wäre zufrieden, wenn in den nächsten Wochen rund 30 Viertklässler angemeldet würden–28 reichen für zwei Eingangsklassen.


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Kommentar von Martin Tschepe
LESERBRIEF zum StZ-Artikel am 21.1.2012 Kommentar von Martin Tschepe “Chance für die Kinder und für Korb“ Der Autor lobt die neuen Konzepte, die für lernschwache Kinder sehr nützlich seien. Dies mag auch tatsächlich so sein. Warum aber der unnötige und unsachliche Hinweis erfolgt, Gymnasien könnten das nicht alle von sich behaupten, erschließt sich mir nicht. An den Gymnasien wird die gewaltige Leistung erbracht, mittlerweile ca. ein Drittel der Schülerinnen und Schüler zum Abitur zu führen. Die Quote der Wiederholer liegt bei gerade einmal ca. 2 Prozent. Außerdem kann es auch nicht die Aufgabe des Gymnasiums sein, jeden zum Abitur zu führen. Ein Rest von Leistungsniveau muss im Auge behalten werden. Vielleicht sollte man einmal daran denken, dass die Arbeitsplätze, die nachher Kinder mit schwächerem Leistungsvermögen benötigen, von denen geschaffen werden müssen, die eine hochqualifizierte Ausbildung am Gymnasium erhalten haben. Dieses Herumhacken auf Gymnasien von bestimmten Seiten wird man eines Tages noch bitter bereuen.