Gendoping Dopingsündern zuvorkommen
Michael Petersen, 03.09.2010 10:37 Uhr
 Foto: dpa
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""Manche Sportler kommen auch mit konventionellen Dopingmethoden wunderbar übers Jahr.""
Perikles Simon, Sportmediziner Uni Mainz

Tübingen - Für einmal scheint das Hase-Igel-Prinzip auf den Kopf gestellt. Die Wissenschaft muss Dopingsündern und deren unlauteren Methoden nicht erst auf die Schliche kommen. Vielmehr können die Forscher sagen, dass sich der Missbrauch neuer Dopingformen gar nicht erst lohnen werde, weil der unerlaubte Einsatz von Substanzen oder Methoden zuverlässig und dazu noch Monate nach der Anwendung aufgedeckt werden könne.

Dieses Kunststück gelang Wissenschaftlern aus Tübingen und Mainz im Falle des Gendopings. Laut Michael Bitzer vom Tübinger Universitätsklinikum sei zwar nicht anzunehmen, dass Gendoping bereits angewendet wird, aber der frühere Tübinger Kollege Perikles Simon, jetzt Abteilungsleiter Sportmedizin an der Universität Mainz, kann nun vorbeugen: "Spätestens das Wissen um das Risiko, auch Monate nach einem Gentransfer bei einer Wettkampfkontrolle entdeckt zu werden, dürfte auch die waghalsigsten Doper abschrecken."

Der Körper produziert sein eigenes Doping


Beim Gendoping wird körperfremde DNA, also modifiziertes Erbgut, zur Leistungssteigerung eingesetzt. Dadurch wird der Körper angeregt, verstärkt bestimmte Hormone wie Erythropoetin (EPO) zur Bildung von roten Blutkörperchen zu produzieren. "Der Körper wird auf Dauer zu seinem eigenen Dopinglieferanten", sagt Simon. Der Beginn dieses Kräfteschubs lässt sich mittels einer Injektion oder über Viren einfach durchführen.

Michael Bitzer spricht von einer "faszinierenden Idee" - einer Idee, die ursprünglich für ganz andere Zwecke gedacht war. Mit dem Verfahren, einzelne Gene in bestimmte Körperzellen einzubringen, sollten schwerwiegende Krankheiten geheilt werden. Auf diesem Gebiet werden laut Bitzer laufend Fortschritte erzielt. Vieles ist noch nicht ausreichend erforscht, zum Beispiel sind die Nebenwirkungen nur zum Teil bekannt. Eine Therapiestudie bei fortgeschrittenen Tumorpatienten soll in den kommenden Monaten zu weiteren Erkenntnissen führen.

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