Genossenschaftsbank im Aufwind Volksbank Stuttgart trotzt Niedrigzinsphase

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Die größte Genossenschaftsbank im Land wächst aus eigener Kraft und durch Fusionen mit kleineren Instituten. Als Hauptgrund für den Rekordzinsüberschuss nennt der Vorstandschef Hans R. Zeisl die gute Vorsorge.

Am Börsenplatz 3 in Stuttgart hat Baden-Württembergs größte Genossenschaftsbank ihren Sitz. Im Jubiläumsjahr hat das Institut  mehrere Rekordmarken geknackt. Foto: Volksbank
Am Börsenplatz 3 in Stuttgart hat Baden-Württembergs größte Genossenschaftsbank ihren Sitz. Im Jubiläumsjahr hat das Institut mehrere Rekordmarken geknackt.Foto: Volksbank

Stuttgart - Das Jubiläumsjahr ist für die Volksbank Stuttgart eG rundum positiv verlaufen. Die größte Genossenschaftsbank des Landes hat 2015 ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Und nie zuvor konnte das Kreditinstitut ein besseres Ergebnis einfahren, betonte der Vorstandsvorsitzende Hans R. Zeisl am Freitag bei der Bilanzvorlage in Stuttgart: „Damit sind wir sehr zufrieden.“ Sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten konnte das Institut erneut zulegen. Die an Kunden vergebenen Darlehen stiegen im vergangenen Jahr um knapp fünf Prozent auf einen Wert von 3,4 Milliarden Euro. Noch stärker haben sich allerdings die Einlagen der Kunden bei der Bank erhöht. Sie legten um sechs Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu.

Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase ist es dem Genossenschaftsinstitut gelungen, das Zinsergebnis weiter auszubauen. „Damit haben wir vor einem Jahr noch nicht gerechnet“, sagte Zeisl. Als einen Hauptgrund für den Rekordzinsüberschuss nannte der Bankchef die gute Vorsorge: So habe die Volksbank ihre positiven Ergebnisse in den Vorjahren genutzt, um sich zu deutlich niedrigeren Zinsen zu refinanzieren. Den Anstieg beim Provisionsüberschuss begründete Zeisl mit gestiegenen Wertpapierumsätzen und einem Zuwachs bei der Immobilienvermittlung. „Aufgrund der Niedrigzinsphase engagieren sich unsere Kunden zunehmend am Aktien- und Fondsmarkt“, sagte der Vorstandschef und verwies auf ein deutliches Plus von 14 Prozent auf 175 Millionen Euro beim Absatz von Fondsanteilen der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörenden Union Investment.

In diesem Jahr soll die Kerner Volksbank dazukommen

Zum guten Ergebnis habe auch die Verschmelzung mit der Korber Bank beigetragen. Die Genossenschaftsbank brachte eine Bilanzsumme von 68 Millionen Euro in das fusionierte Institut ein. In diesem Jahr steht schon der nächste Zusammenschluss bevor. Dabei geht es um die Kerner Volksbank eG, die mit einer Bilanzsumme von 540 Millionen Euro und 23 000 Kunden ungleich größer als das im vergangenen Jahr eingegliederte Institut ist. „Hier kommen zwei starken Banken zusammen“, sagte Zeisl. Der 61-jährige Volksbankchef geht davon aus, dass der Konsolidierungsprozess unter den genossenschaftlichen Kreditinstituten in den kommenden Jahren anhält. Allein für das laufende Jahr lägen bundesweit bereits 60 Anmeldungen für Zusammenschlüsse beim Rechenzentrum der Volks- und Raiffeisenbanken vor.

Neben den positiven Bilanzdaten hob Zeisl eine Zahl hervor: So habe das Institut sein ehrgeiziges Ziel erreicht, im Jubiläumsjahr die Marke von 150 000 Mitgliedern zu knacken. Konkret stieg die Zahl der Anteilseigner um 8300 auf 151 600. Gemeint sind all diejenigen, die einen bis maximal fünf Geschäftsanteile an der Bank zum Preis von 50 Euro erwerben. Bei der Volksbank Stuttgart werden diese Anteilseigner traditionell als „Bankiers“ bezeichnet. „Anfangs wurden wir dafür verlacht, jetzt ahmt man uns schon nach“, sagte Zeisl.

Die Bank betreut 270 000 Privat- und Geschäftskunden

Als Miteigentümer erhalten die Bankiers neben der Dividende bestimmte Sonderkonditionen, etwa Rabatte beim Abschluss von Versicherungen. Insgesamt betreut die größte Genossenschaftsbank im Land 270 000 Privat- und Geschäftskunden. Von einigen institutionellen Anlegern hat sich das Institut aus eigenem Antrieb getrennt, weil diese zu hohe Renditeanforderungen gestellt hätten.

Die Volksbank Stuttgart will sich auch im 151. Jahr ihres Bestehens vor allem um mittelständische Geschäftskunden und Kleinanleger kümmern. Am bestehenden Filialnetz werde es Zeisl zufolge keine nennenswerten Veränderungen geben. Derzeit betreibt die Volksbank 91 Geschäftsstellen in der Region, davon 70 Filialen und 21 SB-Stellen. „Wir wollen nah bei den Kunden bleiben und geben ein klares Bekenntnis zur Fläche ab“, sagte der Vorstandschef.