Genossenschaftsbanken im Kreis Ludwigsburg Vier Banken stehen kurz vor der Fusion

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Die Genossenschaftsbanken in Bönnigheim, Kirchheim, Löchgau und Ingersheim sollen zusammenwachsen – die Pläne sind auch eine Reaktion auf die Niedrigzinsphase. Die Volksbank in Ludwigsburg bekäme damit einen großen Konkurrenten.

Noch ist die Raiffeisenbank Ingersheim eigenständig. Aller Voraussicht nach wird sich das bald ändern. Foto: factum/Granville
Noch ist die Raiffeisenbank Ingersheim eigenständig. Aller Voraussicht nach wird sich das bald ändern.Foto: factum/Granville

Kreis Ludwigsburg - Noch sind die Verträge nicht unterschrieben, weshalb sich alle Beteiligten bedeckt halten und öffentlich nicht äußern wollen. Aber nach Informationen der Stuttgarter Zeitung sind die Verhandlungen weit vorangeschritten. So weit, dass das Ergebnis vermutlich schon in drei bis vier Wochen verkündet wird: Die VR-Bank Neckar-Enz mit Sitz in Bönnigheim sowie die Raiffeisenbank Kirchheim-Wahlheim, die Löchgauer Bank und die Raiffeisenbank Ingersheim stehen kurz vor einer Fusion. Wie ein Insider und Bankenexperte berichtet, haben die jeweiligen Aufsichtsräte das Konzept abgenickt.

Nun müssen die Mitglieder überzeugt werden, aber daran wird der Zusammenschluss wohl nicht scheitern. „Die Genossen wissen, dass die Banken auf die aktuelle Situation reagieren müssen, der Druck ist groß“, sagt der Experte. Auf die Situation reagieren heißt: auf die lang anhaltende Niedrigzinsphase reagieren, die allen Banken zu schaffen macht. Dazu kommt, dass vor allem kleinere Geldinstitute, die über nur wenige Mitarbeiter verfügen, erheblich unter den nach der Finanzkrise verschärften Regularien und Meldepflichten leiden. Nach einer Fusion, so der Gedanke, könnte der daraus resultierende Mehraufwand auf breitere Schultern verteilt werden.

Die Banken leiden unter den niedrigen Zinsen

Die Vorstände der vier Banken wollten am Dienstag keine Stellungnahme zu den Fusionsplänen abgeben, äußerten sich aber allgemein. Die Lage sei schwierig, räumte Bernhard Dahlfeld, Vorstand der Raiffeisenbank Ingersheim, ein. Wegen der niedrigen Zinsen seien die Erträge zurückgegangen, und man müsse davon ausgehen, dass diese Phase noch länger anhalte. Die Ingersheimer Bank sei zwar keinesfalls in einer Krise, aber der Vorstand derzeit „stark gefordert“.

Insgesamt stehen die künftigen Partner sogar recht gut da – das bestätigt der Genossenschaftsverband in Stuttgart, der unter anderem die Aufgabe hat, die Bilanzen zu prüfen. „Diese Vier sind sehr gut aufgestellt“, sagt der Verbandssprecher Thomas Hagenbucher. Sollte es also zu einer Fusion kommen, dann „aus einer Position der Stärke heraus“.

Zehn Fusionen pro Jahr – allein in Baden-Württemberg

Grundsätzlich sind Fusionen im Bankwesen keine Seltenheit. Die VR-Bank Neckar-Enz ist aus einer solchen entstanden, als sich vor zwei Jahren Freiberger Bank, Enztalbank und VR-Bank Stromberg-Neckar zusammengeschlossen haben. Nach Angaben des Genossenschaftsverbands fusionierten allein in Baden-Württemberg zuletzt im Schnitt vier bis sechs Banken pro Jahr. Für 2016 rechne man gar mit rund zehn Zusammenschlüssen.

Im Kreis Ludwigsburg entsteht damit bald eine durchaus große Genossenschaftsbank mit mehr als 40 Geschäftsstellen und 40 000 Mitgliedern, 33 000 davon bringt allein die VR-Bank Neckar-Enz ein. Die addierte Bilanzsumme würde, Stand jetzt, bei mehr als 1,5 Milliarden Euro liegen.

Die Bankleitzahl ändert sich – zum Ärger der Kunden

Zum Vergleich: die Volksbank Ludwigsburg kommt auf rund 1,75 Milliarden Euro und mehr als 73 000 Mitglieder. Gedankenspiele, das Schwergewicht in die Fusion einzubeziehen, gab es offenbar nicht. „Bei uns hat niemand angefragt, und wir beschäftigen uns momentan auch nicht mit so etwas“, heißt es dazu aus Ludwigsburg. Auch die weiteren Genossenschaftsbanken im Kreis – die VR-Bank Asperg-Markgröningen, die Volksbank Strohgäu, Volksbank Remseck sowie die Raiffeisenbanken in Oberstenfeld und Steinheim – bleiben vorerst unabhängig.

Welche Auswirkungen die Fusion auf die Kunden haben wird, lässt sich kaum prognostizieren. Dass in großem Stil Filialen geschlossen werden, ist unwahrscheinlich, denn das Filialnetz der Vier ergänzt sich eher, als dass es sich überschneidet.

Allerdings müssen alle Kunden sich darauf einstellen, dass sich die Bankleitzahl beziehungsweise IBAN ändern wird – was unter Umständen einiges an Papierkram nach sich zieht und etwa beim Zusammenschluss zur VR-Bank Neckar-Enz zu teils erheblichem Unmut geführt hatte.