Gentechnikgesetz auf dem Prüfstand Der Genmais und der Wasserfloh
Tanja Volz, 24.06.2010 11:32 Uhr
Was ist das für eine komische Soße? Gemütlicher Protest gegen die Gentechnik. Foto: ddp
Was ist das für eine komische Soße? Gemütlicher Protest gegen die Gentechnik. Foto: ddp
""Gentechnisch veränderte Pflanzen könnten toxisch wirken oder Allergien auslösen.""
H. Tschiersky-Schöneburg, Präsident des BVL



Die Auskreuzung hänge zudem von der Art der Pflanze ab: Die Zuckerrübe verteilt ihre Pollen beispielsweise über den Wind, so dass zu den Genfeldern Abstand gehalten werden muss. Bei Raps reichern sich die Samen im Boden an und machen nach dem Anbau von Genraps eine zwölfjährige Wartezeit erforderlich.

Zur Sprache kam auch der Fall Mon 810. Dieser vom US-Konzern Monsanto hergestellte Genmais wurde in Europa, auch in Deutschland zugelassen und angepflanzt. Doch vor zwei Jahren ist er hierzulande und in einigen Nachbarländern wieder verboten worden. Wie könne das sein, fragten sich die Richter, nachdem die Pflanze erforscht, geprüft und für sicher befunden wurde?

"Ein Nullrisiko gibt es nicht"


Hier zeige sich, so machten einige Experten deutlich, dass sich Versuche aus dem Labor nicht einfach eins zu eins auf das Freiland übertragen ließen. Die ständige wissenschaftliche Überwachung sei daher notwendig. "Ein Nullrisiko gibt es nicht", betonte auch Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

Heike Moldenhauer vom BUND setzte die Richter im Fall Mon 810 genauer ins Bild: Dieser Mais bekämpft seinen Hauptschädling, den Maiszünsler, selbst. Durch ein eingeschleustes Bakteriengen kann die Pflanze einen Giftstoff produzieren. Knabbert die Larve des Maiszünslers an einem solchen Mais, stirbt sie binnen weniger Tage. "Doch dieses Gift wirkt weder selektiv noch spezifisch", berichtete Moldenhauer.

Experten sehen die Forschung gefährdet


Auch andere Insekten und Schmetterlinge, wie etwa das Tagpfauenauge und der Monarchfalter gingen zugrunde. Das Gift wirke zudem auf Organismen im Boden, wie etwa Nematoden oder Wasserbewohner wie den Wasserfloh. Noch bevor sich die Richter ein Lächeln verkneifen mussten, erklärte die Expertin schnell, dass dieses Tier für das funktionierende ökologische Gleichgewicht eines Gewässers stehe.

Patricia Schmitz-Möller von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hingegen sieht die Forschung gefährdet: Wenn man über das Gentechnikgesetz spreche, dürfe man nicht nur die Landwirtschaft sehen. Vielmehr gehe es auch um die Grundlagenforschung, gentechnische Verfahren seien hier unerlässlich. Die DFG sieht die molekulare Pflanzenforschung durch Gesetze in Deutschland erheblich erschwert. Man müsse, forderte Schmitz-Möller, den Forschenden einen Freiraum gewähren, damit sie nicht ins Abseits gerieten. Ein Urteil des Ersten Senats wird erfahrungsgemäß frühestens in drei Monaten erwartet.
Kommentare (1)
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JUN
25
Markus, 14:46 Uhr

Weg mit GMO Pflanzen

Es muss das Totalverbot vom Freilandanbau gentechnisch veraenderter Pflanzen her! Dieses rumgejaule, dass die Forschung darunter leide... Der Agarsektor im Deutschland ist sowieso ein sickendes Schiff. Studenten der Fachrichtung Agrar/Pflanzenbau/ etc. kommen sowieso meist aus den Ostblaockstaaten oder Asien und Afrika. Die Forschung mit diesen Pflanzen nuetzt doch nur einigen wenigen Lehrstuhlinhabern und multinationalen Grosskonzernen, die mit Ihren dreckig verdienten Millionen die Bauern weltweit zwingen, ihre designten Pflanzen und die dazu passenden Spritzmittel zu kaufen. Wieviele Baumwollbauern in Indien haben sich schon umgebracht, weil die Ertraege mit der GMO Baumwolle so schlecht wie nie ist und die Preise fuer die Spritzmittel so hoch, dass sich die Bauern verschulden und nie mehr aus dieser Falle raus kommen. Und die USA kaempft gegen Windsaaten von GMO Raps und Monsanto verklagt alle (Bio) Bauern, auf deren kontaminierten Feldern sie den GMO Raps finden. Die Bauern sind schneller Pleite wegen der Gerichtsprozesse als sie denken koennen. Und Monsanto wird groesser und groesser. Schluss mit dem Lobbiismus! Schluss mit Dingen, die die Welt nicht braucht!